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Wirtschaft
06/05/2019

Millionenpleite des umstrittenen Zahnbürsten-Herstellers Amabrush

Die Geschäfte mit der Zehn-Sekunden-Zahnbürste gingen offenbar nicht auf. Rund 4,5 Millionen Euro Schulden.

"Ganz ehrlich. Putzt du gerne deine Zähne? Vor allem abends, wenn du schon müde bist und eigentlich nur noch schlafen willst? Die gute Nachricht! Schon bald musst du nur noch 10 Sekunden für deine Zahnreinigung aufwenden, und das auch noch völlig automatisch. Mit Amabrush musst du einfach nur das Mundstück einsetzen, einen Knopf drücken und 10 Sekunden warten. Fertig. Blitzblank saubere Zähne auf Knopfdruck!", heißt es auf der Firmen-Homepage. "Amabrush putzt alle deine Zähne gleichzeitig und völlig automatisch! Abends und auch morgens - damit du ein paar Minuten länger schlafen kannst."

Doch die Wiener Firma Amabrush GmbH um Marvin Musialek, die erst im Oktober 2017 gegründet wurde, war bisher wenig erfolgreich. Sie wurde mit vielen Beschwerden von Kunden konfrontiert, die die Zahnbürste vorbestellt haben. Nun hat das Unternehmen einen Insolvenzantrag eingebracht. 22 Mitarbeiter sind von der Pleite betroffen. Den Gläubigern soll ein Sanierungsplan mit 20 Prozent Quote angeboten werden.

Schuldigen gefunden?

"Auslöser für die Insolvenz ist eine Kampagne des ehemaligen Parlamentsabgeordneten und Politikers der Partei „Jetzt – Liste Pilz“ Peter Kolba und dessen privaten Verbraucherschutzvereines gegen Amabrush und dessen Mitarbeiter. Aufgrund einer Strafanzeige Kolbas gegen Amabrush und eine ganze Reihe von Mitarbeitern haben Investoren ihre Investitionszusagen vorläufig zurückgezogen", behauptet das Unternehmen. "Die damit einhergehende Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens führte daher zwangsläufig zum Insolvenzantrag." Betroffen sind 22 Dienstnehmer.

Schulden und Vermögen

Das verwertbare Vermögen wird mit lediglich 524.000 Euro beziffert, die Verbindlichkeiten mit 4,568 Millionen Euro.

In der Kasse sind heute gerade noch 112,89 Euro, auf dem Bankkonto rund 7800 Euro. Dazu kommen unfertige Erzeugnisse (213.000 Euro) und fertige Erzeugnisse (320.450 Euro). Die Forderungen gegen die US-Tochter Amabrush inc. betragen 126.400 Euro. Für Produktverpackungen wurden 44.000 Euro angezahlt.

 Indes sollen 3,651 Millionen Euro Verbindlichkeiten auf "Anzahlungen auf Bestellung" entfallen, ursprünglich waren es sogar 4,578 Millionen Euro.

 

26.832 Crowdfunder

Im Jahre 2017 betrug der Verlustvortag 1,106 Millionen Euro, das negative Eigenkapital 1,085 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten wurden damals mit 5,254 Millionen Euro beziffert. Indes wurde das Umlaufvermögen mit 4,146 Millionen Euro ausgewiesen, davon entfielen 3,394 Millionen Euro auf Bankguthaben und Bares in der Kassa.

Amabrush hat über die Plattform kickstarter bei 26.832 Crowdfundern insgesamt 3,198.516 Euro eingesammelt, die zugleich diese Zahnbürsten bestellten. Zugleich sollen 18.000 Zahnbürsten über denn Webshop verkauft worden sein.

Hohe Anlaufkosten?

"Amabrush beschäftigt sich seit Ende 2017 mit der technischen Gestaltung und dem Design einer innovativen elektrischen Zahnbürste samt Zubehör. Gründer Marvin Musialek investierte sein gesamtes Privatvermögen in die Entwicklung des Prototypen sowie die Anstellung der ersten beiden Mitarbeiter", heißt es in einer Aussendung. "Da von Anfang an klar war, dass hohe Anlauf- und Produktionskosten erforderlich sein würden, wurde das zunächst erforderliche Kapital überwiegend im Wege des „Crowdfunding“ aufgebracht. Unterstützer (oder „Crowdfunder“) zahlen an den Projektinitiator kleine bis mittlere Geldbeträge. Falls das Projekt Erfolg hat, erhalten sie im Gegenzug eine Belohnung in Form des entwickelten Produkts. Über die Risiken, auch über die Möglichkeit des vollständigen Scheiterns des Projekts, wurde umfassend aufgeklärt."

Probleme mit dem Hersteller

Die Suche nach einem geeigneten Hersteller soll laut Firmenangaben "aber wesentlich mehr Zeit als geplant" in Anspruch genommen haben. "Aufgrund von erheblichen Abstrichen bei Produktdesign und Funktionalität, die durch die mangelnde Kompetenz der Produktionspartner bedingt war, mussten der ursprüngliche österreichische Kooperationspartner sowie mehrere Sublieferanten ausgetauscht werden. Amabrush entstanden dadurch sehr hohe, ungeplante Kosten", heißt es weiter. In der Folge soll es "zu mehrmonatigem Verzug der ersten Auslieferungen und schließlich im Jänner 2019 zur Beendigung aller Verträge mit dem Zulieferer" gekommen sein.

Produkte konnte Erwartung nicht erfüllen

"Die Erwartungshaltung bei Kunden war groß. Das Produkt konnte diese zunächst nicht erfüllen. Wegen der erheblichen Lieferverzögerungen verlor Amabrush Vertrauen bei seinen Kunden", heißt es weiter. "Mit Stand 31. Mai 2019 waren rund 29 000 Zahnbürstensets („Amabrush Starter Set Basic“) ausgeliefert."

Die Reaktionen der Kunden auf das Produkt sollen sehr unterschiedlich ausgefallen sein. "Die erste fundierte Einschätzung über die Erfolgsaussichten dieser Produktversion war im Dezember 2018 möglich. Die Entwicklung einer zweiten, deutlich verbesserten Version war unabdingbar", heißt es weiter. "Dafür und für den Aufbau von entsprechenden Produktionslinien war frisches Kapital nötig. Die Entwicklungsschritte für die zweite Version der Amabrush begannen daher ebenfalls später als geplant."

Ermittlungen anhängig

Indes ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien seit April 2019 des Verdachts des schweren Betrugs im Zusammenhang mit der Zahnbürste. Dem Vernehmen nach werden die Vorwürfe bestritten.