Grenzkontrollen machen Waren teurer und hemmen das Wachstum.

© APA/AFP/ERLAND VINBERG

Milliardenloch
02/22/2016

Schengen-Aus würde Österreich hart treffen

Bis 2025 würde ein BIP-Verlust von 14 bis 43 Milliarden Euro zu Buche stehen.

Die dauerhafte Rückkehr zu innereuropäischen Grenzkontrollen würde das wirtschaftliche Wachstum europaweit erheblich drosseln. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Einige Länder wären demnach von dauerhaften Grenzkontrollen besonders stark betroffen. Dazu zählen Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Polen und Österreich.

Waren werden teurer

Die Studie konzentriert sich auf zusätzliche Kosten, die im Bereich des Warenverkehrs entstehen. Ausgangspunkt der Berechnungen sind die Zeitverluste, die sich aus den Kontrollen an den Grenzen innerhalb Europas ergäben. Längere Wartezeiten bedeuten für die Unternehmen höhere Personalkosten. Zudem müssen die Lagerbestände erhöht werden, weil Just-in-time-Lieferungen nicht mehr garantiert werden können.

Die Autoren der Studie geben zu, dass genaue Prognosen zu den Kosten schwierig sind. Deshalb wurden zwei Szenarien durchgespielt, die zu verschiedenen Ergebnissen kommen, innerhalb derer sich die Verluste für die betroffenen Länder aber mit großer Wahrscheinlichkeit bewegen dürften. Die Zahlen für Österreich geben Anlass zu Sorge.

Imkonservativen Szenariowürde Österreich bis 2025 ein Minus beim BIP von 0,05 Prozent entstehen, was einem Budgetloch von 14 Milliarden Euro entspricht. Impessimistischen Szenariobeträgt das BIP-Minus 0,14 Prozent und somit rund 43 Milliarden Euro (siehe Grafik). Dieser Verlust würde allerdings nicht jährlich, sondern innerhalb des gesamten betrachteten Zeitraums (2016-2025) anfallen.
Osteuropäische Volkswirtschaften, darunter jene Länder, die derzeit in der Flüchtlingsfrage einen besonders strengen Kurs fahren, würden eine Abkehr vom Schengen-Abkommen ebenfalls stark zu spüren bekommen (siehe Grafik).
Für diegesamte EUwürden sich Einbußen in Höhe von 417 Milliarden Euro (konservativ) bis 1,43 Billionen Euro (pessimistisch) ergeben. Das entspricht nahezu der Wirtschaftsleistung Italiens im vergangen Jahr, wie die Autoren der Studie anmerken.

Auch China und USA betroffen

Auch die beiden größten außereuropäischen Volkswirtschaften USA und China würden zu den Verlierern gehören. Prozentuell gesehen wären sie natürlich weniger stark betroffen, als die EU. In absoluten Zahlen würden die Verluste aber über jenen der einzelnen EU-Länder liegen: Für die USA 91 bis 276 Milliarden Euro, für China 95 bis 288 Milliarden Euro.

"Am Ende zahlen alle Menschen die Rechnung"

"Wenn die Schlagbäume innerhalb Europas wieder runtergehen, gerät das ohnehin schwache Wachstum in Europa noch stärker unter Druck. Am Ende zahlen alle Menschen die Rechnung", warnte Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. Dabei seien zusätzliche ökonomische Effekte auf Berufspendler in Grenzregionen, auf die Tourismusbranche, sowie auf Standortentscheidungen internationaler Unternehmen in der Studie noch gar nicht berücksichtigt worden.

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