Die kontaminierte Milch sei nicht in Umlauf gekommen, so eine Sprecherin (Symbolbild)

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Milchpreis
05/29/2016

Schultes appelliert an Bauern: Produziert weniger Milch

Vor allem produktionsstarke Länder wie Dänemark, Niederlande und Irland müssten weniger Milch produzieren, um den Preisverfall entgegen zu wirken.

Den Milchbauern in Europa machen seit Monaten massiv sinkende Preise zu schaffen. Eine Übersicht über wichtige Gründe:

  • HÖHERES ANGEBOT: Nach dem Ende der EU-Milchquote als Mengenschranke können die Bauern seit Anfang April 2015 beliebig viel produzieren. In manchen EU-Ländern wie Irland und Polen schwollen die Mengen deutlich an. Und auch in den USA oder Neuseeland stieg die Produktion.
  • SCHWÄCHERE NACHFRAGE: Die Konjunktur in vielversprechenden Märkten schwächelt - etwa in China und in Ländern, die stark von Ölexporten abhängig sind. Das bremst auch die Geschäfte mit Milchprodukten.
  • POLITISCHE BARRIEREN: Russland hat als Reaktion auf EU-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise einen Importstopp für Agrarprodukte verhängt. Dadurch bleibt mehr Milch auf dem EU-Markt, was die Preise schwächt.
  • PREISDRUCK DES HANDELS: Sinkende Weltmarktpreise registrieren auch die Supermarktketten, die mit den Molkereien Verträge schließen. Daraus folgten mehrere Preissenkungsrunden im Kühlregal. Kritiker monieren seit langem die Marktmacht der wenigen großen Handelsriesen.

Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes appelliert an die Milchbauern angesichts des dramatischen Preisverfalls weniger zu produzieren. "Es wird nur funktionieren, wenn wir weniger anbieten", sagte Schultes am Sonntag in der ORF-"Pressestunde". Vor allem produktionsstarke Länder wie Dänemark, Niederlande und Irland in Europa müssten deutlich weniger Milch produzieren.

Milch-Preis um 15 Cent abgestürzt

Bauern, die nicht Bio- oder Heumilch produzieren, hätten in Österreich aktuell "sehr schlechte Preise", so Schultes. Wenn der Milchpreis für die Bauern um 1 Cent sinke, dann würden in der heimischen Landwirtschaft rund 30 Mio. Euro fehlen. Der Preis für konventionelle Milch ist in den vergangenen eineinhalb Jahren um 15 Cent abgestürzt.

Die Milchpreise haben in den vergangenen Jahren eine Berg- und Talfahrt erlebt. Das aktuelle Tief rührt einerseits vom Überangebot an Milch im Gefolge der Liberalisierung des EU-Milchmarkts - im März 2015 wurden die Milchproduktionsquoten abgeschafft. Andererseits machen den heimischen Molkereien das Russland-Embargo und der schwächelnde Absatz in China zu schaffen. Seit März bekommen die heimischen Milchbauern von den großen Molkereien nur mehr 27 bis 29 Cent für ein Kilo konventionelle Milch, für Biomilch rund 48 Cent. In einigen Ländern, etwa Deutschland und Spanien, liegt der Bauern-Milchpreis bereits teilweise unter 20 Cent.

Produktion senken

Schultes nahm die österreichischen Milchbauern in Schutz, dass sie viel zu viel Milch produzieren würden. "Österreich hat bei der Menge nicht gesündigt", betonte der Landwirtschaftskammer-Präsident. Die Bauern würden die Aufrufe der Molkerei-Genossenschaften verstehen, kein Kraftfutter zu verwenden und weniger Milch zu produzieren. Die EU-Kommission hat angesichts der Milchkrise erlaubt, dass Molkereien die Mengenproduktion miteinander koordinieren und senken. An den Lebensmitteleinzelhandel appellierte Schultes mit der "Aktionitis" und "Verramschung" bei Milchprodukten aufzuhören. Molkereien und Händler müssten "miteinander vernünftig" reden. Im Hinblick auf die Russland-Sanktionen meinte Schultes, dass "irgendwann eine Phase der Beruhigung" kommen müsse und beide Seiten wieder aufeinander zugehen müssten.

Zum geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und USA wiederholte der Landwirtschaftskammer-Präsident die bekannten Standpunkte der Bauernvertreter. Es dürfe durch das Abkommen nicht zu einer Lockerung der "hohen Standards" in Europa kommen. Sollte das TTIP-Abkommen nicht im Interesse der österreichischen Landwirte sein, dann würden die bäuerlichen Abgeordneten im Parlament "sicher nicht zustimmen". Als positiv bewertete Schultes die Agrar-Sonderregelungen im EU-Kanada-Freihandelsabkommen CETA. " Bei CETA hat man verstanden, worauf es ankommt".

Glyphosat habe für Bauern "viele Vorteile"

Bei der Diskussion rund um das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat plädierte der Landwirtschaftskammer-Präsident für eine Versachlichung. Es sei unwahrscheinlich, dass Glyphosat bei der Nahrungsaufnahme für Menschen ein Krebsrisiko darstelle oder Erbgut-Veränderungen auslöse, stellten Experten der Welternährungsorganisation (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kürzlich fest. Glyphosat habe für Bauern "viele Vorteile", betonte Schultes.

An die Politik appellierte der Bauernvertreter über die Arbeit der heimischen Landwirte "öfters ein Wort der Anerkennung" zu sprechen. "Die Zeiten sind wirklich schwer." Zum Beispiel würde durch den Kälteeinbruch Ende April heuer die halbe Apfelernte fehlen und es deutliche Einbußen bei Wein geben. Den Bauern sei dadurch ein Schaden von rund 200 bis 300 Mio. Euro entstanden.

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