Wütende Proteste gegen eine Verlängerung der Zulassung in der EU

© APA/dpa/Axel Heimken

Landwirtschaft
05/18/2016

Streit um Glyphosat-Zulassung: Das Unkraut vergeht nicht

Über den weiteren Einsatz auf Feldern und in privaten Gärten entscheidet die EU-Kommission.

von Andreas Anzenberger

Die Atmosphäre ist vergiftet. Trotzdem soll ein Expertengremium der EU-Kommission heute einen Vorschlag für oder gegen die Verlängerung der Zulassung des Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat abgeben. Es war bei Redaktionsschluss nicht absehbar, wie das Ergebnis aussehenen wird.

Krebsforschung

Zwei Studien werden diskutiert. Die internationale Agentur für Krebsforschung IARC interessiert sich nicht dafür, wie und in welchen Mengen Glyphosat angewendet wird. Es geht lediglich um die Frage, ob die Substanz das Risiko an Krebs zu erkranken grundsätzlich erhöhen kann. Die IARC geht davon aus, dass Glyphosat die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung erhöht.

Das gilt laut IARC auch für den Konsum von Rind-, Schweine- sowie Lammfleisch. Für den Einzelnen sei aber das Risiko klein, wegen des Fleischkonsums an Krebs zu erkranken, so Kurt Straif von der IARC. Die IARC bewertet also das Gefährdungspotenzial einer Substanz.

Die JMPR, ein Fachgremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO), orientiert sich hingegen an der konkreten Anwendung von Glyphosat und den Mengen, die dabei eingesetzt werden.

Risikobewertung

Die JMPR bewertet also das konkrete Risiko. Es sei unwahrscheinlich, dass Glyphosat bei der erlaubten Anwendung das Risiko an Krebs zu erkranken erhöht, lautet das Urteil der JMPR. Ein Vertreter der österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) wird sich für die Verlängerung der Zulassung aussprechen.

In Österreich wird das Unkrautvernichtungsmittel neben der Anwendung in privaten Kleingärten auch von den ÖBB eingesetzt. Die Schienenanlagen müssen aus Sicherheitsgründen von Pflanzen freigehalten werden. In der Landwirtschaft wird Glyphosat verwendet, wenn der Grünbewuchs des Feldes bis zum Frühjahr vom Frost nicht vernichtet wurde.

Hierzulande wurden 2014 rund 338 Tonnen Glyphosat verkauft. Im Jahr zuvor waren es 174 Tonnen. Im Jahr 2011 gingen 431 Tonnen über den Ladentisch.

Monsanto

Hochgezogen wurde die Glyphosat-Debatte von Umweltorganisationen und den Grünen. Glyphosat wurde 1971 vom US-Konzern Monsanto als Patent angemeldet. Auch wenn das Patent abgelaufen ist, beträgt der Jahres-Umsatz, den Monsanto mit seinem Glyphosat-Produkt Roundup erzielt, etwa zwei Mrd. Euro. Dazu kommt, dass Monsanto außerhalb der EU gentechnisch veränderte Getreidesorten anbietet, die gegen Roundup immun sind. Die Umweltorganisationen versuchen seit Jahren, ein Verbot des Unkrautvernichtungsmittels durchzusetzen.

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