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Wirtschaft
11/07/2021

Metaller-Abschluss: Wer wie viel von der Gehaltserhöhung erhält

Die Branche hat mit Plus 3,55 Prozent den Auftakt in der Herbstlohnrunde gegeben. Die Reaktionen fallen gemischt aus. Die Agenda Austria sieht den Staat als Sieger.

von Simone Hoepke

Wie gut der Metaller-Abschluss ist, hängt ganz davon ab, wen man fragt. Arbeitgeber sprechen von einem Abschluss „an der Schmerzgrenze“, Arbeitnehmer-Verhandler von einem „guten Gesamtpaket“ und die Agenda Austria ätzt, dass es bei den Verhandlungen vor allem einen Gewinner gibt: Den Staat.

Aber der Reihe nach. In der Nacht auf Sonntag haben sich die Verhandler auf einen Lohnabschluss von Plus 3,55 Prozent geeinigt. Besonders die Lehrlinge sollen mehr bekommen, die Lehrlingsentschädigungen werden – abhängig vom Lehrjahr – um durchschnittlich 5,5 Prozent nach oben geschraubt.

Zudem steigen Aufwandsentschädigungen um 2,5 Prozent. Bei der Schichtarbeit wurde für die Zulagen ein Etappenmodell über mehrere Jahre vereinbart. Für die 1.200 Betriebe der Branche wurden Erleichterungen bei den Rahmenbedingungen für Wochenend- und Feiertagsarbeit erzielt, um Auftragsspitzen besser bewältigen zu können.

Wo das Plus landet

Die Agenda Austria rechnet vor, dass ein durchschnittlicher vollzeitbeschäftigter Arbeiter in der Metallbranche heuer 3.124 Euro brutto im Monat verdient. Nach der beschlossenen Lohnerhöhung würden 2,8 Prozent oder knapp 70 Euro mehr netto auf dem Konto landen. Die Steuer- und Abgabenlast würde dagegen um 4,4 Prozent oder knapp 100 Euro monatlich steigen. Aus Sicht von Franz Schellhorn, Direktor der Agenda Austria, wiederholt sich damit ein alljährliches Schauspiel. Während sich Gewerkschaften und Arbeitgeber ein öffentlichkeitswirksames Feilschen um jede Zahl hinter dem Komma liefern, steht der Gewinner längst fest. „Der Staat bekommt immer mehr als die Beschäftigten, egal wie hoch der Abschluss ausfällt“, sagt Schellhorn.

Wegen der schleichenden Steuererhöhung nehme die Steuerbelastung auch für jene Lohnerhöhungen zu, die nur die Inflation abdecken, kritisiert das wirtschaftsliberale Thinktank. Auch wer real nicht mehr verdiene, zahle trotzdem immer höhere Steuern. Eine solche „kalte Progression“ wäre in der Schweiz oder in Schweden undenkbar, sagt Schellhorn. Dort würden die Beträge, ab denen die jeweiligen Steuersätze greifen, mit der Inflation mitwachsen, „so wie es sich das für zivilisierte Volkswirtschaften gehört“.

Anders sieht das Steuerexperte Gottfried Schellmann. Der Abschluss sei „fair und angebracht“. Österreichs Stärke sei ein einheitliches Gewerkschaftssystem, mit modellierenden Teilgewerkschaften. „So etwas wie den ÖGB hat kein Staat. Konkurrenzierende Organisationen, wie etwa die deutschen Lokführergewerkschaften, gibt's in Österreich nicht.“

Unbestritten ist, dass der Metaller-KV-Abschluss richtungsweisend für die Lohnrunden anderer Branchen ist. Etwa für die personalintensive Handelsbranche (rund 500.000 Beschäftigte), die am 11. November in die dritte Verhandlungsrunde startet.

Aufschaukeln

Heuer kommt zu den Verhandlungen noch ein altes Schreckgespenst – die sogenannte Lohn-Preis-Spirale. Steigen die Gehälter, schlägt sich das in der Kalkulation der Unternehmer nieder. Sprich, sie kalkulieren höhere Lohnkosten in ihre Preise ein – was die Preise in die Höhe treibt. Das wiederum führt dazu, dass die Inflation steigt, weshalb Gewerkschafter höhere Gehälter fordern. Kurz: Die Preise und die Löhne schaukeln sich gegenseitig hoch, die Spirale dreht sich munter nach oben.

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