Löhne immer weniger wert

Einkommen
Foto: Reinhard Vogel Die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen hat sich in den letzten 14 Jahren nicht verringert.

Bezieher niedriger Einkommen mussten seit 1998 die höchsten Kaufkraftverluste hinnehmen.

Der Rechnungshof hat am Mittwoch seinen alle zwei Jahre fälligen Einkommensbericht veröffentlicht. Die darin enthaltenen Zahlen sind ernüchternd: Seit 1998 haben die Einkommen der Arbeiter in Österreich teils massiv an Wert verloren, auch die der Angestellten stagnieren. Besonders stark unter Druck sind die Bezüge der unteren Einkommensschichten. Kaufkraftgewinne gab es dagegen für die meisten Beamten. Und die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen hat sich in den vergangenen 14 Jahren nicht verringert.

Medianeinkommen: 24.843,- Euro

Insgesamt zählt der Einkommensbericht rund 4,0 Mio. unselbstständig Erwerbstätige - also Arbeiter, Angestellte, Beamte und Vertragsbedienstete. Ihr Medianeinkommen (das ist jener Wert, bei dem genau die Hälfte mehr und die andere Hälfte weniger verdient) im Jahr 2011 betrug 24.843 Euro brutto. Die niedrigsten Medianeinkommen hatten die 1,6 Mio. Arbeiter mit 18.157 Euro Jahresbrutto, die höchsten Werte gibt es (wegen hohem Akademikeranteil und Dienstalter) bei den Beamten mit 49.274 Euro. Schlechter entlohnt werden Vertragsbedienstete (29.103 Euro), der mittlere Angestellte verdiente im Vorjahr 28.092 Euro.

Die höchsten Medianeinkommen sind allerdings nicht bei den Unselbstständigen zu suchen, sondern bei den Freiberuflern: Fachärzte verdienten zuletzt 113.944 Euro jährlich, Allgemeinmediziner 82.687 Euro und Rechtsberater 61.350 Euro. Bei letzteren ist die Einkommensschere weit geöffnet: Männer verdienen hier 1,7 Mal mehr als Frauen mit einem mittleren Einkommen von 40.627 Euro. Zu beachten ist: Die Angaben für die Freiberufler bezeihen sich auf 2009, neuere Zahlen liegen noch nicht vor.

Beamte mit mehr Kaufkraft

Was die Aufstellung des Rechnungshofs noch zeigt: Gerade die untersten Einkommensschichten mussten seit 1998 die stärksten Kaufkraftverluste hinnehmen, weil ihre Einkommenszuwächse teils deutlich unter der Inflationsrate lagen. Quer über alle Berufsgruppen sanken die Realeinkommen des untersten Viertels der Einkommensbezieher in den vergangenen 14 Jahren um mehr als 15 Prozent. Besonders stark betroffen sind die Arbeiter (siehe Tabelle), die Kaufkraft der Angestellten stagniert. Ein inflationsbereinigtes Kaufkraftplus bei unteren, mittleren und oberen Einkommen gab es nur bei den Beamten.

Auffällig ist für den Rechnungshof, dass seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 selbst ein Gutteil jener Personen sinkende Realeinkommen hinnehmen musste, die ohne Unterbrechung durchgehend beschäftigt waren. Einkommenszuwächse unter der Inflationsrate gab es hier für 35 Prozent der Arbeiter, 26 Prozent der Angestellten und jeweils 23 Prozent der Vertragsbediensteten und Beamten. Das Einkommensplus der Pensionisten lag seit 2002 übrigens in den meisten Jahren über der Inflationsrate und dem Pensionistenpreisindex (mit Ausnahme von 2004 und 2011).

Einkommensschere

Seit 14 Jahren unverändert ist die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern: Das mittlere Einkommen der Frauen lag 1998 wie 2011 nur bei 60 Prozent des mittleren Männereinkommens. Ein Grund dafür ist der große Frauenanteil bei atypisch Beschäftigten, die vom Rechnungshof heuer erstmals gesondert erfasst werden: 59 Prozent aller unselbstständig beschäftigten Frauen waren demnach 2011 "atypisch" - also entweder in Teilzeitarbeit, geringfügig beschäftigt oder bei einer Leiharbeitsfirma angestellt. Bei den Männern waren es nur 22 Prozent.

Am geringsten ist die Einkommensschere nach wie vor im öffentlichen Dienst: Das mittlere Einkommen der Beamtinnen erreichte 2011 immerhin 94 Prozent des Vergleichswerts der männlichen Kollegen, bei den Vertragsbediensteten waren es 77 Prozent. Davon profitieren können allerdings immer weniger Österreicher, ging die Zahl der Beamten doch wegen des Spardrucks im öffentlichen Dienst seit 2003 von 273.599 auf 213.727 zurück. Am geringsten war die Einkommensschere in Wien, am höchsten in Vorarlberg.

Tabelle: Kaufkraftgewinn bzw. -verlust in Prozenten

  Arbeiter
Angestellte*
Beamte
unterste 10 Prozent -40 -8 +20
mittlere Einkommen -12 0 +23
oberste 10 Prozent -1 0 +16

* inkl. Vertragsbedienstete

Bilder: GfK-Kaufkraft-Vergleich

Wer hat die höchste Kaufkraft in Europa? Das Institut GfK hat dies im Oktober 2012 eruiert und ein Ranking von 42 europäischen Ländern zusammengestellt. Sieht man sich das Ergebnis an, wird deutlich: Die Unterschiede könnten nicht größer sein – vor allem zwischen Nicht-EU-Staaten und jenen, die der Union angehören. Auch zwischen Ost und West ist ein markantes Gefälle sichtbar. Das europäische Schlusslicht liegt im Osten: Die Moldawier haben mit einer Pro-Kopf-Kaufkraft von 1257 Euro am wenigsten Geld zur Verfügung. Das heißt aber nicht, dass die Moldawier am "ärmsten" sind. Die absolut gemessene Kaufkraft muss in Relation zu den jeweiligen Lebenskosten im Land gesehen werden. Weiter auf den hinteren Rängen: Weißrussland (1.553 Euro) und der Kosovo mit 1.906 Euro...(Im Bild: Ernte in Weißrussland– der Durschnittslohn pro Kopf beträgt 7 Euro pro Tag). ... dann folgen die Ukraine mit 1.985 Euro und Albanien (2.418 Euro). Der Osten ist generell im finanziellen Hintertreffen. Geht man in der Rangliste weiter nach vorn, folgen auch die jüngsten EU-Mitgliedsstaaten Bulgarien (2.850 Euro) und Rumänien (3.472 Euro). Danach folgen jene Länder, die vor der jüngsten Erweiterungsrunde der Union beigetreten sind: In Kroatien beispielsweise beträgt die Pro-Kopf-Kaufkraft 5.085 Euro, in Ungarn sind es 4.884 Euro, in Tschechien 7.475 Euro, in der Slowakei 7.687 Euro. Die Slowenen kommen als nächste in der Liste – sie haben im Schnitt 10.356 Euro zur Verfügung. Im krisengebeutelten Griechenland sind es 11.357 Euro. In der Mitte des Europa-Schnitts liegt Spanien mit 12.943 Euro – die Summe ist zehnmal so hoch wie jene in Moldawien. Darauf folgt Italien, wo die Pro-Kopf-Kaufkraft bei 16.179 Euro liegt. In den Top Ten hingegen ist man mitten in Mitteleuropa angekommen. Belgien belegt den zehnten Platz mit 19.318 Euro, am neunten Rang liegen die Franzosen (19.881 Euro). Unsere deutschen Nachbarn haben im Schnitt 20.014 Euro zum Ausgeben zur Verfügung – Platz 8. Damit liegen sie beinahe gleichauf wie die Schweden (20.331 Euro). Auf dem sechsten Platz liegt dann Österreich: Mit 20.613 Euro hat der Durchschnitts-Österreicher damit mehr als 19.000 Euro jährlich mehr zur Verfügung als die Bewohner Moldawiens. Oder anders gesagt: Ein Österreicher kann von dem leben, was 16 Moldawier gemeinsam besitzen. Noch mehr zur Verfügung haben die Dänen (22.040 Euro) und die insgesamt etwa 500.000 Einwohner Luxemburgs (28.924 Euro) – sie liegen auf den Rängen fünf und vier. Willkommen in den Top Drei Europas: An dritter Stelle liegt die Schweiz – 31.666 Euro hat man als Durchschnitts-Eidgenosse im Jahr in der Geldbörse. Platz zwei geht an die Norweger: 32.037 Euro hat man im hohen Norden dort pro Kopf und Jahr zur Verfügung. Der erste Platz geht – wie schon im Vorjahr – an das Fürstentum Liechtenstein. Mit 56.978 Euro pro Kopf ist die Geldmenge im Kleinstaat 4,5-mal so hoch wie der Europa-Durchschnitt.

(apa / js) Erstellt am
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