PK ÖSTERREICHISCHE POST AG: PÖLZL

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Wirtschaft
11/20/2021

Lockdown: Post-Chef Georg Pölzl nimmt FPÖ in die Pflicht

Falschmeldungen und Verschwörungstheorien hätten stark zur aktuellen Corona-Situation beigetragen.

Der vierte Lockdown steht vor der Tür und auch eine Impfpflicht, die bis vor Kurzem noch undenkbar schien, soll es ab Februar geben. Dass es soweit kommen musste, will Post-Generaldirektor Georg Pölzl nicht nur einem mangelndem Corona-Management der Regierung zuschreiben.

Er sieht die Verantwortung dafür auch zu großen Teilen bei der FPÖ: „Wenn sich eine Partei mit einem signifikanten Stimmenanteil gegen alle Corona-Maßnahmen stellt, dann wird es schwierig.“ Falschmeldungen und Verschwörungstheorien seien nicht hilfreich, die Pandemie zu bekämpfen. Die Österreichische Post sieht sich für die kommenden Wochen trotz Lockdowns gut aufgestellt, auch wenn beim Paketgeschäft nicht alles so rund laufen könnte wie erwünscht.

Starkes Wachstum

„Voriges Jahr waren die Wachstumsraten gewaltig“, sagt Pölzl. Das Wachstum kam vor allem aus der Integration des Österreich-Geschäfts von DHL und der Corona-Pandemie, die den Onlinehandel befeuert hat. 180 Millionen Pakete transportierte die Post im Vorjahr, die stärksten Tage waren zu Weihnachten mit 1,3 Millionen Paketen.

„Auch heuer wird das Weihnachtsgeschäft dynamisch sein, aber nicht solche Wachstumsraten wie im Vorjahr aufweisen“, sagt Pölzl. Im Gesamtjahr soll es zu einem Plus von rund fünf Prozent auf 190 Millionen Pakete kommen. Spitzentage mit 1,3 Millionen Paketen könnten zwar zu Weihnachten wieder erreicht werden, sollten aber nicht mehr so häufig sein.

Viele Krankenstände

Um rund 20 Prozent hat die Post ihre Kapazitäten aufgestockt und kann damit rund 90.000 Pakete pro Stunde sortieren. Es wurden rund 1.300 zusätzliche Mitarbeiter für Weihnachten eingestellt. Damit, sollte man meinen, dürfte das heurige Weihnachtspaketgeschäft in trockenen Tüchern liegen.

Leider nicht, sagt Pölzl: „Wegen der vierten Corona-Welle wird der Stress vielleicht nicht weniger sein.“ Er rechnet in dieser Welle mit mehr Corona-Behinderungen als in der dritten. Zum einen gebe es für Ungeimpfte viele Beschränkungen, zum anderen sei auch mit einer höheren Zahl an Krankenständen zu rechnen. Bereits jetzt sei die Zahl der Krankenstände höher als im November des Vorjahres.

Die Durchimpfungsrate liege bei der Post bei 80 Prozent, auf Führungsebene sogar bei 90 Prozent. Bei den Zustellern sei das regional sehr unterschiedlich, sagt Pölzl. In Oberösterreich und Salzburg gebe es die größten Probleme, coronabedingt komme es dort sogar immer wieder zu Engpässen.

Ob Menschen, die im Lockdown zu Hause sind, wieder kräftig online einkaufen werden, bezweifelt Pölzl. „Zum einen gibt es einen Mangel bei manchen Produkten, zum anderen beobachten wir eine gewisse Konsummüdigkeit.“ Vor allem bei Elektro- und Elektronikartikeln sind manche Produkte nicht mehr erhältlich.

„Inakzeptabler Dilettantismus“

Auf die Palme gebracht hat Pölzl jüngst eine Studie der Universität Wien, die mangelnde Sicherheitsvorkehrungen bei Leiharbeitern mit Migrationshintergrund in einem Verteilungszentrum der Post ortet. „Es handelt sich um 15 Einzelinterviews, nur fünf davon waren von Postmitarbeitern“, sagt Pölzl.

Man habe keine Möglichkeit gehabt, mit der Autorin zu reden, auch habe sie sich nicht die Arbeitsplätze angeschaut. „Das halte ich für dilettantisch“, sagt Pölzl. Ein Auftragswerk der Arbeiterkammer mit einem Siegel der Universität Wien, das sei unprofessionell und inakzeptabel. Er wüsste auch nicht, was er davon lernen sollte.

Keine Beanstandungen

Bei der Post würden für alle Mitarbeiter die gleichen Gesundheitsstandards gelten. Die Finanzpolizei habe die Arbeitsbedingungen bereits überprüft, es habe keinerlei Beanstandungen gegeben. „Dass man uns unhinterfragt vorwirft, ein halbes Jahr bei der Post sei schlimmer als zwölf Jahre Irak, das ist unsäglich und unwissenschaftlich“, sagt Pölzl. Das stehe nicht für den guten Ruf, den die Arbeiterkammer und die Universität Wien genießen würden.

Die größten Herausforderungen für die Zukunft sieht Pölzl am Arbeitsmarkt, es herrsche praktisch Vollbeschäftigung, weshalb es einen Mangel an ausländischen Arbeitskräften gebe. Gedanken über Arbeitszeitverkürzung seien deshalb ein „Unsinn“.

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