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Wirtschaft
11/13/2021

Krach um Billigjobs bei Hygiene Austria und der Post

Eine Studie der Universität Wien spricht von Ausbeutung und Missachtung des Arbeitsrechts. Die Unternehmen weisen das zurück.

von Thomas Pressberger

In einer Studie der Universität Wien werden schwere Vorwürfe gegen die Österreichische Post und den Maskenhersteller Hygiene Austria erhoben. Migranten, die in den beiden Unternehmen als Leiharbeiter beschäftigt worden seien, sollen systematisch benachteiligt, schlecht bezahlt und gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen ausgesetzt gewesen sein.

Kaum Einschulung

So sollen die Leiharbeiter bei Hygiene Austria häufig ohne oder mit geringer Einschulung an Maschinen gelassen worden sein, sagt Studienautorin Johanna Neuhauser. Die Maschinen seien schneller gelaufen als üblich, um die Produktion zu steigern, was das Verletzungsrisiko erhöht habe. Ein Migrant habe so einen Teil eines Fingers verloren.

Wenn ein Mitarbeiter nicht zur Frühschicht aufgetaucht sei, habe einer aus der Nachtschicht nahtlos eine zweite Schicht anhängen müssen, da die Maschinen nicht hätten stillstehen sollen, berichtet Neuhauser aus den Interviews mit 15 Migranten, die für die Studie befragt wurden. Überstunden, Feiertags-, Sonntags- und Nachtzuschläge seien häufig nicht oder erst spät ausgezahlt worden.

Willkür

Oft hätten mehr Stunden als vereinbart gearbeitet werden müssen und seien Schichten willkürlich und kurzfristig einberaumt worden, so Neuhauser. Pausen seien oft trotz Müdigkeit oder Schmerzen nicht akzeptiert worden.

Bei der Post soll es laut Neuhauser beim Gesundheitsschutz zu gravierenden Mängeln gekommen sein. Der Corona-Infektionsschutz soll nur „vor laufender Kamera“ getragen worden sein, abseits davon soll der Arbeitsdruck zu groß gewesen sein, um Ansteckungen mit dem Coronavirus zu verhindern.

Oft hätten Migranten trotz Krankheit gearbeitet und zu wenig Abstand halten können, so Neuhauser. Nach drei oder vier Tagen Krankheit hätte die Kündigung gedroht, sollen manche der Migranten berichtet haben. In Summe gehe es um Ausbeutung und Missachtung des Arbeitsrechts sowie um das Auslagern von Verantwortung.

Letzteres geschehe vor allem dann, wenn Aufträge an Sub- und Subsubunternehmen vergeben werden, sagt Ludwig Dvořak, Leiter des Rechtsschutzes in der Arbeiterkammer – die die Studie auch in Auftrag gab. „Der Kollektivvertrag für Arbeitskräfteüberlasser ist an sich gut, doch wird er von vielen Unternehmen missachtet“, sagt Dvořak.

Damit solche Praktiken in Zukunft nicht mehr möglich sind, fordert er, dass Erstauftragsgeber für die passende Lohnhöhe haften und der Anteil der eingesetzten Leiharbeiter begrenzt wird. Außerdem sollen Leiharbeiter besser durch den Betriebsrat geschützt und Kontrollen durch das Arbeitsinspektorat verstärkt werden.

"Fragwürdige" Methoden

„Ich glaube, wir verstehen alle den schwierigen Hintergrund dieser zu Wort kommenden Personen“, kontert Markus Leitgeb, Pressesprecher der Österreichischen Post. Allerdings scheine der Zugang der Autoren zu Arbeit in der Logistik generell bzw. die Pauschalisierung körperlicher Arbeit als „unzumutbar“ und eher fragwürdig.

„Die Standorte der Post wurden mehrfach von der Finanzpolizei und dem Arbeitsinspektorat ohne Beanstandungen überprüft“, sagt Leitgeb. Es sei ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Zeitarbeitskräfte günstiger als Eigenpersonal wären. Zeitarbeitskräfte müssen laut Gesetz so entlohnt werden, wie festangestellte Mitarbeiter mit der gleichen Tätigkeit.

Bei der Beauftragung von Zeitarbeitsfirmen gehe die Post mit größter Sorgfalt vor, versichert Leitgeb. Zu den vertraglichen Verpflichtungen gehören u.a. die Gewerbeberechtigung zur Arbeitskräfteüberlassung, der Einsatz von strafrechtlich unbescholtenem Personal, die Vorlage gültiger Dokumente und gegebenenfalls Aufenthaltstitel für jede Arbeitskraft sowie die Einhaltung des Ausländerbeschäftigungsgesetzes.

Die seitens der Autoren ohne Reflexion übernommenen Sprachbilder seien irritierend bis unpassend und auch unfair allen Personen gegenüber, die in schwierigen Zeiten immer für die Versorgung der Österreicher im Einsatz waren, meint Leitgeb.

Transparenz

Auch Hygiene Austria will die Vorwürfe so nicht stehen lassen. Man kooperierte am Standort Wiener Neudorf in der Vergangenheit mit Personaldienstlern mit entsprechender Gewerbeberechtigung. Mit diesen seien marktübliche und transparente Verträge eingegangen worden. „Es wurden und werden die gleichen Stundensätze für gleiche Arbeit bezahlt, ungeachtet der Herkunft von Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern“, heißt es seitens Hygiene Austria.

Für die Bezahlung der Zeitarbeiter waren ausschließlich die beauftragten Dienstleister verantwortlich. Eine Kontrolle des Arbeitsinspektorats habe bestätigt, dass Arbeitszeitaufzeichnungen korrekt geführt und Ruhepausen aufgezeichnet worden seien. Die Sicherheit und Gesundheit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe für Hygiene Austria oberste Priorität.

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