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11/03/2021

Kurzarbeit als staatliche Subvention für Industriebetriebe

Während in den Produktion aktuell 40.000 Beschäftigte gesucht werden, befinden sich fast ebenso viele in Kurzarbeit. Wie passt das zusammen?

von Anita Staudacher

„Bass erstaunt. Hoch erfreut. 13.000 weniger als 2019.“ Kurz und bündig twitterte AMS-Vorstand Johannes Kopf am Dienstag die aktuellen Arbeitslosenzahlen. Diese brachten Ende Oktober erstmals in der Monatsbilanz einen Rückgang unter das Niveau vor Ausbruch der Corona-Krise. Diese Trendwende zeichnete sich bereits zu Monatsbeginn ab.

Inklusive Schulungsteilnehmer waren Ende Oktober 341.000 Personen beim AMS arbeitslos gemeldet, um 19,5 Prozent weniger als im Vorjahr und um 3,7 Prozent weniger als 2019.

71.000 Kurzarbeiter

Trotz wirtschaftlicher Entspannung und Rekordhoch an offenen Stellen steigt die Zahl der in Kurzarbeit befindlichen Arbeitnehmer wieder an. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass fast jeder zweite der aktuell 71.000 Kurzarbeiter auf den Produktionssektor entfällt. Den 35.000 betroffenen Arbeitnehmern (inklusive Leiharbeiter) stehen allerdings gut 40.000 offene Stellen in Industrie und Gewerbe gegenüber, die die Betriebe nur schwer besetzen können.

Wie passt das zusammen? Industrievertreter verweisen auf die Rohstoff- und Lieferengpässe, die zu Produktionsrückgängen vor allem in der Autoindustrie führen. Viele Automotive-Betriebe setzen daher auf Kurzarbeit. Andere Unternehmen hingegen, etwa in der Lebensmittelindustrie, kommen mit den Aufträgen nicht hinterher und suchen dringend Personal.

Die Neos sehen in der Kurzarbeit keine Krisen-Maßnahme mehr, sondern eine Subvention für Betriebe, die den Aufschwung bremse und daher beendet werden sollte.

Wettbewerbsverzerrung

Viele Arbeitskräfte würden mit Steuergeld in der Kurzarbeit festgehalten, während sie bei anderen Unternehmen dringend gebraucht würden, sagt Neos-Wirtschaftssprecher Gerald Loacker. „Da wird Steuergeld verwendet, um die Logistikprobleme der Betriebe zu lösen, das ist Wettbewerbsverzerrung.“ Auftragsschwankungen würden zum wirtschaftlichen Risiko dazugehören und könnten mit Mitteln wie Zeitkonten, Urlaubsabbau oder Kündigungen gelöst werden. Bei den vielen offenen Stellen würden Fachkräfte rasch wieder einen Job finden.

Das Finanzministerium hat aktuelle Zahlen zur Abrechnung der Kurzarbeit veröffentlicht. Auch hier ist die Industrie etwa überrepräsentiert, obwohl sie von den Covid-Beschränkungen deutlich weniger stark betroffen war. Insgesamt wurden seit Ausbruch der Pandemie 10,4 Milliarden Euro an Steuergeld in die Wirtschaft gepumpt. Davon wurden bis Mitte Oktober 9,1 Milliarden ausbezahlt.

1,2 Millionen Kurzarbeiter

In Anspruch genommen haben die Förderung 118.000 Betriebe für ihre rund 1,29 Millionen Arbeitnehmer. Eine Branchen-Auswertung zeigt, dass 75 Prozent der Fördermilliarden in nur fünf Branchen flossen (siehe Grafik). Zählt man die Leiharbeiter hinzu– zu finden in der Sparte „sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“ – wurden fast 400.000 Industrie-Arbeitnehmer in Kurzarbeit geschickt.

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