Kuriose Pleite des Gasthaus Adam beim Landesgericht

«Insolvenz»
Foto: APA/dpa-Zentralbild Wiener Traditionsgasthaus ist insolvent

Dieses Wiener Gasthaus ist seit Jahrzehnten für viele Anwälte und Strafverteidiger eine Art Außenstelle.

Das Gasthaus Adam in der Wiener Florianigasse ist eine legendäre Institution. Es ist seit Jahrzehnten für viele Anwälte und Strafverteidiger eine Art Wohnzimmer und Außenstelle ihre Kanzleien. Vor allem vor Verhandlungen schütteln hier Verdächtige, Angeklagte und Zeugen noch schnell bei einem Getränk ihre Nervosität ab oder studieren geplante Aussagen ein. So manche gestrauchelte Person hat im Adam noch einmal durchgeatmet, bevor sie ums Eck in der Wickenburggasse die Haft in der Justizvollzugsanstalt antrat.

Doch sie geben offenbar immer weniger Geld aus. Das hat die Hermann Adam Gasthaus GastronomiebetriebsGmbH in die Bredouille gebracht. Die Gesellschaft musste Insolvenz anmelden. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände Creditreform, KSV1870 und AKV dem KURIER. 30 Gläubiger sind von der Pleite betroffen. Die marode Gesellschaft hat Ende 2001 das im Jahr 1986 gegründete Einzelunternehmen "Hermann Adam "Cafe-Restaurant Hermann Adam" übernommen. Seit 2001 ist Wolfgang Adam als Geschäftsführer eingetragen.

"Die Verluste resultieren aus dem Umsatzrückgang, der bedingt durch die Schließung von Betrieben in der Umgebeung und durch diverse Baustellen verursacht wurde", heißt es aus dem Unternehmen. "Die Geschäftsführung hat auf diese von ihr nicht zu vertretenden Umstände reagiert und Sanierungsmaßnahmen veranlasst." Der Personalstand wurde reduziert und die Öffnungszeiten verändert. Im Jahr 2014 2015 beschäftigte der Familienbetrieb, der zu 52 Prozent Hermann Adam gehört,  16 Mitarbeiter, im Jahr 2015 dann 31 Mitarbeiter und jetzt nur noch 16 Personen.

Die nackten Zahlen

Im Jahr 2014 setzte das Gasthaus rund 761.000 Euro um, im Jahr 2015 dann sogar 1,4 Millionen Euro. Wurde im Jahr 2014 noch 67.000 Euro Verlust geschrieben, so betrug der Verlust ein Jahr später bereits 268.000 Euro. Mit den Verlusten aus den Vorjahren summierte sich der Bilanzverlust auf 514.500 Euro. Im Jahr 2015 stand die Gastrogesellschaft mit 731.700 Euro bei Banken in der Kreide, im Jahr zuvor nur mit 80.000 Euro. Offenbar hat die "Umrüstung" des Restaurant Adam zum "Hofbräuhaus zum Rathaus" ordentlich viel Geld gekostet.

Heuer soll das Restaurant einen Verlust in Höhe von 64.800 Euro eingespielt haben. Aber Gläubiger sollen auch gerichtliche Exekutionen, sprich Schulden mittels Gerichtstitel, eingetrieben haben.

Mittlerweile soll der Betrieb, der diverse Sorten des Münchner Hofbräu-Biers ausschenkt, wieder Gewinn einspielen und damit eine Unternehmensfortführung rechtfertigen. Den Gläubigern wird eine Quote von 20 Prozent angeboten. Der Sanierungsplan soll aus den Erlösen des Fortbertiebs finanziert werden. Dem Vernehmen nach ist das "Staatliche Hofbräuhaus München" einer der Gläubiger.

(kurier) Erstellt am
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