Wirtschaft
04.06.2018

Kika/Leiner droht Geld auszugehen

Ein Kreditversicherer hat Stecker gezogen, Lieferanten halten vorerst Füße still, Möbelkette braucht rasch Lösung

„Das war nicht absehbar.“ Mit diesen Worten beschreibt Gunnar George (Bild unten), Geschäftsführer von Kika/Leiner, gegenüber dem KURIER den Umstand, dass ein Kreditversicherer der Konzernmutter Steinhoff am Freitag überraschend mitgeteilt hat, dass Warenlieferungen nicht mehr gegen einen möglichen Zahlungsausfall von Kika/Leiner abgesichert werden. Die Maßnahme betrifft laut Steinhoff einen Kreditversicherer und nur die Tochter Kika/Leiner.

„Derzeit bezieht sich dies nur auf Kika/Leiner und nicht auf die weitere Steinhoff-Gruppe. Bisher wurden über 90 Prozent der Kika/Leiner-Lieferanten bei einer einzigen Kreditversicherung abgedeckt. Mit ihr versuche man, zu verhandeln", sagte Kika/Leiner-Chef Gunnar George im am Montag im Ö1-Mittagsjournal.

Damit steht Kika/Leiner wieder enorm unter Druck, nachdem die Kette wegen Problemen ihrer Mutter in finanzielle Schieflage geraten ist. Kurz vor Weihnachten musste der Leiner-Flagshipstore auf der Wiener Mariahilfer Straße an Rene Benko (Signa Holding) persönlich verkauft werden. 60 Mio. Euro netto blätterte Benko bei diesem Not-Deal hin und sicherte Kika/Leiner vorerst für ein halbes Jahr die Löhne.

„Wir sind im Jänner und Februar bei den Verkäufen stark abgesackt“, seit April sei man aber bei den Anzahlungen wieder auf normalem Niveau. Die Anzahlungsquote lag laut George wieder bei knapp 40 Prozent. Offenbar hatten Kunden aus Angst, ihr Geld nicht mehr zu sehen, die Höhe der Anzahlung stark nach unten verhandelt. Bei vielen Möbelstücken, die speziell angefertigt werden, ist eine hohe Anzahlung obligatorisch. „Wir haben Schritt für Schritt wieder Vertrauen zurückgewonnen.“ Und jetzt das.

„Wir haben die Lieferanten um Ruhe gebeten, sie werden uns für die nächsten Tage weiterhin beliefern“, sagt George. Von Lieferantenseite ist zu hören, dass sie relativ kooperativ seien, da sie nicht wollten, dass ein Großabnehmer Pleite gehe.

Finanzspritze

Fakt ist, dass für die Gruppe eine sogenannte Fortbestehensprognose erarbeitet wurde, die aber eine Finanzspritze seitens Steinhoff vorsieht. Ohne positive Prognose droht die Insolvenz. Laut George sind aber erst 30 von 100 Mio. Euro geflossen.

Kika/Leiner hat nun mehrere Möglichkeiten. Zum einen verhandelt George mit anderen Kreditversicherern. Diese müssten, meinen Insider, aber erst die Bücher prüfen, das dauere bis zu einem Monat. Ein möglicherweise zu langer Zeitraum, um finanziell durchzuhalten.

Zum anderen könnte der Konzern auf Vorkasse Waren bestellen, die laut George schlechtere Lösung. „Wir sind erst am Rechnen, wie hoch der Liquiditätsbedarf wäre.“ Laut Branchenkennern sind es monatlich rund 50 Millionen Euro, die in der jetzigen Phase schwer aufzustellen wären. Von den Banken darf sich Kika/Leiner eher keine Finanzierung erwarten.

Immobilien

Dritte Möglichkeit wäre der Verkauf von Immobilien, fast alle sind George zufolge noch im Besitz der Gesellschaft. Allerdings: Sie gehören einer Immobilientochter, ein Transferieren von Verkaufserlösen zur Handelsgesellschaft wäre nicht so leicht möglich. Außerdem sollen diese schon im Vorjahr Investoren erfolglos angeboten worden sein, wie Insider versichern.

Letzte Möglichkeit wäre ein Teilverkauf. Die gesamte Gruppe, so ist zu hören, werde aber eher schwierig zu verkaufen sein, möglicherweise könnte Kika an eine Diskontkette gehen. George bleibt positiv und glaubt, eine Lösung zu finden. Schließlich geht es auch um rund 5000 Mitarbeiter. Was erschwerend hinzukommt: Dass Ende Juni zusätzlich die Urlaubsgelder ausbezahlt werden müssen. „Ursprünglich hatten wir bis August ausreichend Liquidität.“