Wirtschaft
06.01.2018

Blitz-Deal: Die kuriosen Details des Verkaufs der Wiener Leiner-Zentrale

Wie dem Investor René Benko am 24. Dezember ein Weihnachtsangebot unterbreitet wurde und wie mit hoher Hilfe der Kauf rechtzeitig über die Bühne gebracht wurde.

Das diesjährige Weihnachtsfest hat sich der Immobilien-Investor und Chef des Signa-Konzern, René Benko, auch anders vorgestellt. Am Abend des 24. Dezember klopften Finanzberater bei Benko an und boten ihm die Top-Immobilie in der Wiener Mariahilfer Straße 18 für rund 80 Millionen Euro zum Kauf an.

Es gab aber zwei Bedingungen: Benko hatte nur drei Tage Bedenkzeit und der Deal musste vor Jahresende in trockenen Tüchern sein. Oder anders gesagt: Der Kaufpreis musste binnen weniger Tage fließen. Es handelte sich dabei nämlich um einen Notverkauf der mehrstöckigen Wiener Zentrale der Möbelhandels-Kette Kika-Leiner samt Lager und Parkgarage. Grundfläche: 7371 Quadratmeter.

Im obersten Stock hat die frühere Leiner-Eigentümerfamilie Koch noch eine Wohnung mit einem verbücherten Nutzungsrecht (Gebrauchsrecht). Dazu muss man wissen, dass die Kochs im Herbst 2013 ihre Kika-Leiner-Kette für kolportierte 800 Millionen Euro an die südafrikanische Steinhoff-Gruppe verkauft hatte.

Hier schließt sich der Kreis. Die börsennotierte und verschuldete Steinhoff-Gruppe ist aufgrund geschönter Bilanzen massiv in Schieflage geraten. Sie hat ihre Österreich-Tochter Kika-Leiner aufgrund der zentralen Konzernfinanzierung auch in die Bredouille gebracht. Ziel des Notverkaufs an Benkos Laura Privatstiftung war, der Kika-Leiner-Kette die nötige Liquidität zur Bezahlung der Löhne und Gehälter von mehr als 5000 Mitarbeitern zu verschaffen.

Immobilien-Reserve

Ansonsten wäre Kika-Leiner möglicherweise selbst an den gefährlichen Rand einer Insolvenz geraten. Vor allem das umfangreiche Liegenschaftsvermögen, das der Leiner Immobilien GmbH gehört, gilt aber als wichtige finanzielle Reserve.

Für einen Blitz-Verkauf bot sich diese Leiner-Immobilie deshalb an, weil sie nicht mit Pfandrechten von Banken belastet ist. Doch der Deal hatte noch einen Haken: Er musste auch formell im Wiener Grundbuch eingetragen werden. Dazu brauchte man den Leiter des zuständigen Wiener Grundbuchamtes. Der war aber auf Urlaub.

Laut dem Magazin Trend wurden deshalb Bundeskanzler Sebastian Kurz und Justizminister Josef Moser um Unterstützung gebeten. "Das stimmt", sagt ein Insider. "Die haben den aus dem Urlaub zurückgeholt." Auch Benkos Anwälte haben über die Weihnachtsfeiertage durchgearbeitet.

Unterschrift im Krankenhaus

Dabei passierte noch ein Unfall: Eine Leiner-Managerin brach sich beim Verlassen einer Anwaltskanzlei in der Nacht vom 28. auf den 29. Dezember einen Fuß und wurde ins Wiener AKH eingeliefert. Ihre Operation musste ein paar Stunden aufgeschoben werden, damit sie im Beisein eines Notars im AKH die Verträge unterschreiben konnte. Am 29. Dezember 2017 wurde das Gebäude offiziell gekauft – für etwas weniger als 70 Millionen Euro. Signa und Leiner bestätigen den Deal. Signa-Sprecher Robert Leingruber sagt knapp: "Es handelt sich um eine attraktive Top-Immobilie am Beginn der Fußgängerzone der Mariahilfer Straße."