Die Bundes-ÖH spricht von zahlreichen Betroffenen

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Wirtschaft
06/15/2020

Kein Praktikum wegen Corona: Was das für Studierende bedeutet

Kein Geld, keine Berufserfahrung, kein Abschluss: Betroffene berichten von corona-bedingten Praktika-Absagen.

von Caroline Ferstl

Eigentlich hätte Martin nach seinem Sozioökonomie-Bachelor mit 1. April ein sechsmonatiges Praktikum bei einem Energieversorger beginnen sollen. Aufgrund der Corona-Krise wurde die Stelle kurzerhand gestrichen. „Mit der Öffnung Anfang Juni habe ich die Nachricht bekommen, dass ich zumindest vier Monate lang arbeiten darf“, berichtet der 23-Jährige, sichtlich erleichtert. Auf zwei Monatsgehälter muss er trotzdem verzichten – damit wollte er sich ursprünglich sein Masterstudium finanzieren.

Covid-19 hat auch der 22-jährigen Laura einen Strich durch die Rechnung gemacht: Die Studentin der Lebensmittel- und Biotechnologie auf der BOKU hätte ein einmonatiges Pflichtpraktikum in der Wasseranalyse einer Metallindustriefirma absolviert. Sie hofft, dieses im nächsten Sommer nachholen zu können. Ihr Abschluss verzögert sich dadurch um ein Semester.

Julia, 19 Jahre alt, studiert Tourismusmanagement auf der FHWien der WKW. Ihr Praktikum im Bereich Kongress- und Tagungsmanagement ist ebenfalls abgesagt, „jetzt fehlt mir die Berufserfahrung“, klagt sie.

Hohe Dunkelziffer

Studenten fallen derzeit nicht nur im Härtefonds um Hilfe um – als oft geringfügig Beschäftigte bekommen sie nichts aus dem Topf. Vielen wird nun auch die Möglichkeit der Berufserfahrung genommen: Bereits zugesagte Praktika wurden kurzerhand abgesagt. Kein Bedarf, keine finanziellen Ressourcen und nicht derselbe Erfahrungswert wie während Normalbetrieb, so die Gründe. Die Bundes-ÖH erklärt auf Nachfrage, dass sich immer mehr Studierende deswegen an ihre Hochschulvertretung wenden. Wie viele Betroffene es genau gibt, weiß man allerdings nicht.

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Studierende des Zweiges Tourismusmanagement an der FH Wien der WKW müssen zudem im vierten Semester ein Praktikum im Ausland absolvieren. Der betroffene Jahrgang kann sich dafür heuer einen bereits in Österreich absolvierten Job im selben Zeitausmaß anrechnen lassen. Rund 70 Studierende sind davon betroffen. Selbiges gilt auch für die rund 80 CEMS-Masterstudierenden von International Management an der WU Wien.

Auch Schüler von berufsbildenden Schulen sind von der Situation nicht ausgenommen. Die Arbeiterkammer spricht von gut 50.000 Schülern in Österreich, die im Lehrplan ein verpflichtendes Praktikum stehen haben.

Etwa jene der Tourismusschule Semmering: „Unsere Schüler haben gleich zu Beginn der Krise Absagen erhalten. Wir empfehlen ihnen jetzt, sich umzuhören und die Ohren offen zu halten. Falls wir merken, dass ein Schüler trotz mehrmaliger Versuche keinen Praktikumsplatz bekommen hat, belassen wir es für heuer natürlich“, erklärt Direktor Jürgen Kürner. Auf nächstes Jahr verschoben wird nichts.

Und die Studenten? Laura hat Ersatz gefunden, sie wird im Sommer als Tutorin bei Laborübungen unterstützen. Julia sucht nach einer Alternative, „es sieht aber schlecht aus“. Sie hofft, dass die Eventfirma im nächsten Sommer auf sie zurückkommen wird.

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