THEMENBILD: WETTER / HITZE / EIS

© APA/HANS PUNZ / HANS PUNZ

Wirtschaft
06/15/2020

Ferien ohne Arbeit: Sommerjobs heuer rar gesät

Bis zu 80 Prozent weniger Angebot als im Vorjahr – Aber Chance auf Last-Minute-Plätze.

von Anita Staudacher, Irmgard Kischko

Ein Sommer ohne Job? Für viele Jugendliche, die Berufspraxis schnuppern oder einfach nur Geld verdienen wollen, sieht es heuer düster aus. Der Ferialjob-Markt ist Pandemie-bedingt nahezu völlig eingebrochen. „In den vergangenen Wochen lagen wir bei einem Angebot von zirka zehn Prozent vom Vorjahr“, berichtet Thomas Doppelreiter, Leiter der größten steirischen Jugendinfo- und Jobbörse Logo, dem KURIER.

Seit Anfang Juni gebe es aber einen kleinen Aufschwung und es kämen vermehrt Last-Minute-Angebote aus der Gastronomie sowie für technische Berufe. „Insgesamt schätze ich, dass wir es damit auf zirka 20 Prozent des Vorjahresniveaus schaffen können“, so Doppelreiter. Auch andere Jobplattformen berichten Ähnliches.

Außergewöhnliche Umstände

Die Gründe dafür sind nachvollziehbar: In vielen Betrieben kann von einer Rückkehr zum gewohnten Alltag noch keine Rede sein. Die Büros werden erst nach und nach wieder bezogen, es gelten Abstands- und Hygienevorschriften, insbesondere was Fremdpersonal betrifft.

Nach Monaten im Homeoffice haben die wenigsten Zeit und Lust, sich auch noch um Auszubildende zu kümmern. Urlaubsvertretungen werden weniger benötigt, da schon während des Lockdowns Urlaubstage aufgebraucht wurden. Zudem hat die Wiedereinstellung zuvor arbeitslos gewordener eigener Mitarbeiter Vorrang. Und: Ferialjobs im Ausland fallen heuer fast völlig aus.

Tourismus lässt aus

Ganz schlecht sieht es beim größten Sommer-Arbeitgeber, dem Tourismus, aus. Ferienhotellerie und Gastronomie konnten schlecht vorausplanen und sagten vielen Aushilfen vorzeitig ab. „Die Hotels haben viele Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Wenn sie jetzt doch Bedarf haben, stellen sie diese zuerst auf Vollzeit um“, bestätigt Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung. Praktisch keine Chance sieht sie für Praktikanten in der Stadthotellerie. In den Ferienregionen dagegen könnte in den nächsten Wochen hingegen doch noch kurzfristig Bedarf entstehen.

Die Post nimmt heuer nur ein Drittel der sonst üblichen Zahl an Sommerersatzkräften auf. Das sind österreichweit rund 800 bis 1.000 jungen Menschen, meist Studenten. Post-Sprecher Michael Homola betont, dass die Post keine Pflichtpraktika annehme. Wer in den Ferien bei der Post arbeite, muss mindestens 18 Jahre alt sein.

Ein Postmitarbeite in Wien.

Besser ist die Situation bei Pflichtpraktika etwa bei Banken, Versicherungen oder im Öffentlichen Dienst. So hat etwa die Bank Austria die Zahl der Ferialpraktikantenstellen wegen Corona nicht gekürzt und bietet etwa 300 jungen Menschen Sommerjobs an. Die Stellen bei der Bank Austria sind wie bei anderen Instituten aber schon vergeben.

Die Corona-Pandemie hat aber auch neue Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen. Gesucht werden nach wie vor Aushilfskräfte im Lebensmittelbereich wie etwa Erntehelfer. Auch im gemeinnützigen Umfeld – etwa in der Kinder- und Jugendbetreuung – wird noch personelle Verstärkung für den Sommer gesucht. Nähere Infos auf der eigens eingerichteten Seite lebensmittelhelfer.at

Aufschub möglich

Für Schüler und Studierende sorgt das mangelnde Angebot an Pflichtpraktika für Probleme, insbesondere bei den Abschluss-Jahrgängen. Ein Erlass der Bildungsministeriums stellt klar: An berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMS, BHS) können Pflichtpraktika heuer entfallen. Schüler müssen aber glaubhaft darlegen, dass sie trotz mehrerer Bewerbungen keine Stelle bekommen haben. Ist dies der Fall, können sie vom Praktikum befreit und trotzdem zu abschließenden Prüfungen zugelassen werden.

Möglich ist auch eine Verkürzung des Praktikums. Es müsse auch niemand fürchten, dass er in den kommenden Sommerferien zwei Praktika machen muss, heißt es im Ministerium. An den Unis und Fachhochschulen gelten zumeist ähnliche Regelungen. Wer Pflichtpraktika Corona-bedingt heuer nicht absolvieren kann, erhält einen Aufschub.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.