Wirtschaft | Karriere
15.11.2018

„Smileys finde ich oft hilfreich“

Was bedeuten Etikette und Umgangsform heute für Unternehmen und wie verändern sie sich im Zuge der Digitalisierung?

Der renommierte Benimm-Routinier Thomas Schäfer-Elmayer klärt auf.

KURIER: Laut einer Studie finden 65 Prozent der Manager und 46 Prozent der Arbeitnehmer, dass ein guter Ton im Unternehmen eine Beförderung begünstigt. Stimmen Sie zu?

Thomas Schäfer-Elmayer: Das finde ich selbstverständlich – insbesondere der höfliche Umgang mit Assistentinnen und Sekretärinnen ist oft entscheidend für die Karriere.

Was genau bedeutet guter Ton zwischen Chef und Arbeitnehmer?

Wenn beide die gleichen Unternehmensziele verfolgen und über ihre persönlichen Interessen stellen, gibt es eine gute Basis für Respekt, Kompromissbereitschaft, Verständnis und den entsprechenden angenehmen Ton.

Welche Bedeutung haben Manieren für Unternehmen und für welche gelten sie besonders?

Ein großer, sehr erfolgreicher US-Konzern gibt seinen Teams Prioritäten in der folgenden Rangfolge nach ihrer Wichtigkeit mit – erstens: Sicherheit. Zweitens: Höflichkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft. Drittens: Erscheinungsbild und erst viertens: Effizienz, Kompetenz. Fast jede Firma, die mit Kunden zu tun hat, sollte sich überlegen, auch nach diesem Prinzip zu handeln.

Ist Benehmen in der Führungsetage wichtiger?

Führungspersönlichkeiten können nicht erwarten, dass sich ihre Teammitglieder besser benehmen als sie selbst. Sie sind – ob sie es wollen oder nicht – Vorbilder und sollten sich entsprechend vorbildhaft benehmen.

Welche Konsequenzen kann das Fehlen von Manieren für ein Unternehmen haben?

Manieren helfen uns, Botschaften richtig zu deuten sowie klare zu senden. Ihre Pflege in einem Team schafft eine kultivierte Atmosphäre: die vielgesuchte Unternehmenskultur. Sie ist unbezahlbar und für den Unternehmenserfolg sehr förderlich. Ihr Fehlen ist daher riskant.

Verändert sich Etikette mit der Digitalisierung?

Die Foren in sozialen Medien sind für die Einstellung mancher Menschen heute prägend. Die Versuchung scheint sehr groß zu sein, sich in diesem Umfeld gehen zu lassen.

Was sagen Sie zu Smileys in der Online-Kommunikation?

Smileys finde ich als positives Signal oft hilfreich, auch wenn ich sie selbst kaum einsetze.

Kann man mit Etikette auch übertreiben?

Wer dieses Thema tierisch ernst betreibt, hat noch zu wenig Übung darin. Es gehört schon ein Augenzwinkern dazu und ein Schmunzeln, wenn etwas schiefgeht.