Wirtschaft | Karriere
19.07.2018

Für mehr Haltung am Arbeitsplatz

Arbeitnehmer, die acht oder demnächst bis zu zwölf Stunden am Schreibtisch sitzen, belasten ihren Rücken. Die Tricks.

Knapp jeder vierte Österreicher über 15 leidet laut Statistik Austria an einem chronischen Rückenleiden. Ursache für diese Volkskrankheit Nummer Eins ist laut Experten in vielen Fällen die schlechte Haltung beim Arbeiten im Sitzen oder in einer anderen monotonen Position. Je länger wir sitzen, desto schlechter. Als Antwort wollen kreative Chefs die Stehkonferenz erfunden haben. Zum Leidwesen der Teilnehmer, wie Forscher der Brunel University London nun herausgefunden haben wollen. Sie ließen Studierende, die an Meetings in klassischen Konferenzzimmern mit Sesseln teilnahmen, die Wahl: sitzen oder freiwillig stehen. Viele der Studienteilnehmer berichteten im Anschluss, sich stehend weniger wohl gefühlt zu haben als sitzend. Das Gefühl im Stehen: unangenehm exponiert und gegen die gewohnte Norm.

Im passenden Rahmen

„Eine Stehkonferenz ist eine gute Alternative zu Sitzungen. Es ist aber natürlich eine Gewöhnungssache“, sagt Sabine Seyfriedsberger, ärztliche Leiterin des Arbeitsmedizinischen Dienstes AMD. Hier gelte es einerseits, Mitarbeiter über den Nutzen aufzuklären. Andererseits müsste der Arbeitgeber den passenden Rahmen schaffen. „Ein hoher Tisch bietet den Teilnehmern Halt und die Möglichkeit, ihre Papiere abzulegen oder sich Notizen zu machen“, so die Betriebsärztin. Sie selbst habe, abgesehen von gesundheitlichen Vorteilen die Erfahrung gemacht, dass Stehungen auch effizienter seien. Und sonst? „Versuchen Sie generell, mehr Bewegung in den Arbeitsalltag einzubauen. Nehmen Sie die Stiege statt den Lift und den Stellplatz ganz weit hinten am Parkplatz. Oder nutzen Sie die Mittagspause zum Gehen“, rät Seyfriedsberger. Wer außerdem viel Wasser trinkt, muss zwangsweise öfter vom Schreibtisch aufstehen und hydriert nebenbei seine Bandscheiben.

Richtige "Einstellung"

Sportbeuge zusätzlich schlechter Sitzhaltung vor, sagt die Ärztin. Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, nach Feierabend eine Runde schwimmt oder spaziert, stärkt vom Sitzen verspannte Muskeln und bekommt nebenbei den Kopf frei. Untertags helfen bewusst gesetzte Übungen gegen Verspannung: „Dehnen Sie den Nacken indem Sie Ihre Schultern nach hinten schieben. Die Lendenmuskeln trainieren Sie, wenn Sie das Becken kippen.“ Und was nutzen ergonomische Produkte wie Keilkissen, Rückengurte oder verstellbare Bildschirmvorrichtungen? „Ein bisschen etwas bringen die bestimmt.“ An sich aber wäre schon viel gewonnen, würden Mitarbeiter ihre Bildschirme (der Blick darauf sollte schräg nach unten fallen) und Bürosessel (Rückenlehne auf dynamisch) richtig eingestellt bekommen, so Seyfriedsberger. Sie selbst ist ein Fan verstellbarer Schreibtische. Die Variation in der Höhe sei gesund. Von reinen Stehpulten rät sie hingegen ab: Zu groß die Gefahr beim Dauerstehen, die Hüfte einseitig zu belasten.