Wirtschaft | Karriere
06.06.2018

Frauen an der Spitze: Immer noch Erste

Zu emotional. Zu weich. Zu harmoniebedürftig. So werden die von Frauen rar besetzten Chefsessel oft begründet.

„Kein Land kann je wahrhaft florieren, wenn es das Potenzial seiner Frauen unterdrückt.“ Michelle Obama kennt den wirtschaftlichen Wert von Frauen an der Spitze. Die Norm sind sie noch lange nicht, doch es gibt Fortschritte. Laut Statista bekleiden bei den 200 umsatzstärksten Unternehmen in Österreich zwar nur 7,2 Prozent der Frauen den Geschäftsführerposten – 2007 waren es jedoch nur fünf Prozent. Gemäß des „Frauen. Management. Report. 2018“ der AK hat das weibliche Geschlecht rund ein Viertel der Positionen in Aufsichts- und Verwaltungsräten der größten börsennotierten Unternehmen innerhalb der EU inne.

In den USA machten Frauen 2017 erstmalig 20 Prozent der Geschäftsleitungen und Vorstandsetagen aus – ein Rekord. Bis zur totalen Gleichberechtigung kann es Forschern zufolge aber noch bis zu 100 Jahre dauern. Dabei legen Studien nahe, dass Frauen in der Chefetage einen positiven Einfluss auf Unternehmen haben. Sie steigern die Motivation, können ordentlich mit Kritik umgehen und wirken positiv auf junge Mädchen ein. Experten sehen den Grund für die rare Besetzung in eingesessenen Vorurteilen. Hier sind die Ersten, die sie aufbrechen.

Christine Asperger

Christine Asperger: OMV. Erste Frau an der Spitze des Konzernbetriebsrates

Begonnen hat Asperger vor 39 Jahren als Lehrling bei der OMV, Österreichs  größtem Konzern im Leitindex ATX der Wiener Börse. Nun ist sie Betriebsratschefin der OMV, obwohl der Vorstand des heimischen Öl- und Gaskonzerns nur Männer zählt. Seit Jahren setzt sie sich für die Rechte  und Bedürfnisse der Arbeitnehmer im Betrieb ein und ist zudem Mitglied des AK-Vorstandes, Landesfrauenvorsitzende des ÖGB in Niederösterreich und in der Gewerkschaft gut verankert.

Gina Haspel: CIA. Erste Direktorin der Central Intelligence Agency

Gina Haspel war 33 Jahre lang beim CIA tätig, verbrachte die meiste Zeit davon undercover. Unlängst wurde sie zur neuen Chefin des US-Auslandsgeheimdienstes ernannt. Ein umstrittener Beschluss. Haspel führte ein illegales Foltergefängnis in Thailand und soll nach 9/11 peinigende Verhörmethoden toleriert haben, die heute verboten sind. Ähnliche Foltermethoden würde sie jedoch nicht wieder einführen – auch nicht, wenn Donald Trump sie dazu auffordern würde.

Stacey Cunningham: NYSE. Erste Frau als Chefin der  New Yorker Börse

In ihrer 226 Jahre langen Historie wird die New Yorker Börse zum allerersten Mal alleine von einer Frau geleitet.  Stacey Cunninghams Karriere begann dort vor 24 Jahren als Händlerin, seit 2015 war sie für das operative Geschäft als COO tätig. Nun hat sie Tom Farley abgelöst und lässt auf große Entwicklungen hoffen. Die New York Stock Exchange hatte mit Catherine Kinney in der Vergangenheit bereits eine weibliche Führungskraft – die Position musste sie allerdings teilen.

Cressida Dick: Scotland Yard. Leiterin der Londoner Polizei

Seit ihrer Gründung – vor 188 Jahren – hat sich die berühmte Londoner Polizei Scotland Yard unlängst erstmalig eine Frau in den Chefsessel geholt: Cressida Dick (links im Bild). Bei  ihrer Ernennung sagte sie, Scotland Yard sei die beste Polizei der Welt. Ihr Schwerpunkt ist die  Terrorbekämpfung, daneben muss sie Betrugsfälle und Cyber-Kriminalität entgegenwirken. Ihr Jahresgehalt ist übrigens um 40.000 Pfund  niedriger als das ihres Vorgängers Bernard Hogan-Howe.

Becky Hammon: NBA. Mögliche nächste Cheftrainerin der NBA

Die Spekulationen laufen heiß: Becky Hammon könnte der allererste weibliche Cheftrainer der weltweit besten und von Männern dominierten Basketballliga werden. Die Spekulationen rühren darauf, dass sie bereits zum zweiten Mal von den Milwaukee Buck zum Job-Gespräch geladen wurde. Sie selbst spielte für die russische Nationalmannschaft und war aufgrund ihrer Wurf- und Spieltechnik eine der besten Basketballspielerin ihres Jahrgangs.