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Wirtschaft Karriere
06/25/2012

Die Spielregeln der Großen

Erfolgreiche Unternehmen haben drei Prämissen: Sie verstehen Social Media, haben keine Angst vor Konkurrenz, sondern gehen Partnerschaften ein. Und sie haben eine offene und wertschätzende Unternehmenskultur. Jetzt geht es an die Umsetzung.

von Andrea Hlinka

Wer  für   ein Lächeln, ein glockenhelles "Guten Morgen" oder  den besonderen  Zugang zu einem Projekt  den bösen Blick vom Vorgesetzten kassiert, kann nicht in einem erfolgreichen Unternehmen arbeiten. Zumindest  nicht mehr lange.         

Das besagt eine aktuelle  IBM-Studie.  1700 CEOs wurden  einzeln gefragt, wie  sie auf veränderte Marktsituationen reagieren und welche Pläne sie  haben.   Die Zusammenfassung:   Marktsituation und  Marktentwicklungen kommen weniger Bedeutung zu als bisher,  CEOs werden sich darauf konzentrieren, ihr  Unternehmen offener zu gestalten.  IBM   hat aus den Antworten drei Handlungsfelder definiert: Soziale Medien spielen im Kundenkontakt eine große Rolle, erfolgreiche Unternehmen  gehen mehr und intensivere Kooperationen ein und schaffen es dadurch, weit innovativer zu sein als kooperationsscheue Unternehmen. Ebenfalls entscheidend: eine offene Unternehmenskultur.

 Schon im Jahr 1992 hat eine Studie gezeigt, dass  eine positive Unternehmenskultur  starken Einfluss auf die Performance des Unternehmens hat.  Die Harvard-Professoren John Kotter und James Heskett  stellten in  einer Langzeituntersuchung fest, dass wertorientierte Unternehmen  ein vier Mal höheres Umsatzwachstum in elf Jahren hatten, ein um  sieben Mal höheres Mitarbeiterwachstum, einen zwölf Mal höher ansteigenden Aktienkurs  und einen  756-mal höheren Zuwachs im Jahresreingewinn hatten.

Überzeugende Argumente –  nur Mut zum Lächeln. 

Die Fähigkeit zur Vernetzung

Social-Media-Plattformen spielen im Umgang mit den Kunden eine große Rolle.  Erfolgreiche Unternehmen werden  auf eine noch intensivere Nutzung sozialer Medien setzen. Laut der IBM-Studie werden in fünf Jahren bereits mehr als die Hälfte der Unternehmen (57 Prozent) Social Media nutzen, um sich mit ihren Kunden auszutauschen.   

Nun  stellt sich aber für viele die   Frage, wie sie den Weg in die Welt der Communities, Kommentare und Tweets angehen. Soll man etwa  Werbung in Facebook schalten oder  einen Twitter-Account eröffnen und wild draufloszwitschern?  

"Der erste Schritt  ist, Fans zu  gewinnen, dann müssen die Fans gehalten und  begeistert werden. Der letzte Schritt ist, dass  die Fans zu multiplizieren beginnen, dass sie zu Botschaftern der Marke werden", sagt Sabine Hoffmann. Als Geschäftsführerin von  Ambuzzador und  im Vorstand des DMVÖ  ist sie ein Profi in  Buzz-Marketing (Anm.: das Erzeugen von Schneeballeffekten durch Mundpropaganda) und Social Branding.

Für den KURIER hat sie die  Social Media Dos und Donts  für Unternehmen  formuliert:

Werte Bleiben Sie Ihrer Marke treu!

Buzz Potenzial Beobachten Sie im Alltag, was Ihre Kunden wirklich interessiert – emotional.

Strategie     Identifizieren Sie: wer sind Ihre Dialoggruppen auf Social Media und entwickeln  Sie vor dem Start ein Konzept für Ihr Social-Media-"Magazin".

Ressourcen Stellen Sie Ressourcen für Trainings  und   für die Pflege des Webauftritts zur Verfügung.

Integration Nutzen Sie Social Media als integralen Bestandteil Ihrer Kommunikation.

Motiv Betreiben Sie Social Media nicht, "weil das jetzt jeder macht".

Zwang "Weil mich der Chef gezwungen hat …": Zwingen Sie niemanden zur Social-Media-Reaktion.

Kompetenz "Das macht bei uns der Praktikant": Nur weil jemand Facebook  privat nutzt, heißt das noch lange nicht, dass er das auch im Business-Umfeld kann.

Anreiz Gewinnspiele sollen nicht der einzige Anreiz sein, Fan auf Ihrer Brandpage zu werden.

Content  Die Presseaussendung ist für die Pressearbeit geeignet, nicht aber für Social Media. Kreieren Sie neuen Content!

Innovation durch Partnerschaft

Einst war Nokia Weltmarktführer. Lange ist es her, seit  Jahren schon  strauchelt  der finnische Handy-Riese.  Manche sagen, dass  die Management-Strategie  die falsche war. Klar ist, dass Trends  verschlafen wurden und nicht auf  die Bedürfnisse der Kunden eingegangen wurde.  Vergangene Woche wurde bekannt, dass Nokia  weitere  10.000 Stellen streichen wird – die neuen Smartphones verkaufen sich nur mäßig. Nokia steckt in roten Zahlen fest und muss dringend die Kosten senken.

Aber Nokia ist noch nicht tot:   Im Februar 2011 verkündete man die enge Zusammenarbeit mit Microsoft an. Auf Nokia   Smartphones ist  nun Windows Phone das primäre Betriebssystem. Dumm nur, dass die Hardware  Microsofts neue Version Windows Phone 8 scheinbar nicht unterstützt.    Im Herbst sollen die ersten Windows-Phone-8-Geräte in den Handel kommen –   vielleicht ist das der lang ersehnte Erfolg.  Ob die Allianz den Partnern   einen gleich großen  Nutzen bringt, ist fraglich. Im Idealfall sollte sie das, denn Partnerschaften machen  langfristig nur dann Sinn, wenn beide Parteien einen wirtschaftlichen Vorteil daraus ziehen.  Dann sind sogar Partnerschaften sinnvoll, die in anderen Bereichen  als Wettbewerber gelten.   "Gemeinsam mit Partnern Innovationen voranzutreiben, ist eine  kluge Strategie – nicht zuletzt deshalb, weil sich dadurch auch neue Geschäftsfelder erschließen lassen" schreibt auch IBM in der Studie.  

Auch in der Autobranche  geht es umtriebig zu, wenn es um Kooperationen geht: Der kleine Fiat 500 etwa entstand in Kooperation  mit Ford Motors, der Fiat Punto mit General Motors  und der Fiat Seidici mit Suzuki. So mussten  die   Entwicklungskosten von einer Milliarde Euro pro Auto nicht alleine getragen werden.

Ein Meister der Partnerschaften ist auch der Soft- drinkhersteller Red Bull: Beim derzeitigen   Projekt  Red Bull Stratos  (Felix Baumgartner wird aus  36.576 Metern von einem Heliumballon abspringen und als erster Mensch die Schallmauer durchbrechen)  ist etwa  Riedel Communications  (Hersteller von Kommunikationstechnik) als Partner mit an Bord.   Die  Kommunikationslösungen stammen laut der Stratos-Webseite allesamt  von Riedel –  einem Unternehmen aus dem Wuppertal.

Offenheit und Unternehmenswerte

Die Wirtschafts- und Organisationspsychologin Sabine Lengyel-Sigl hat soeben das  Buch "Corporate Awareness. Werte und die (R)Evolution der Arbeit" veröffentlicht.

KURIER: Der Begriff  positive Unternehmenskultur ist  sehr schwammig.

Sabine Lengyel-Sigl: Weil es  nicht die eine perfekte Kultur gibt. Sondern es gibt für den Zweck der Organisation eine Variante ist, die gut passt, die leistungs- und kreativitätsförderlich ist.

Gibt es Eckpfeiler, die für alle gelten?

Ja.  Wir wollen uns in der Arbeit wie Menschen fühlen,  geachtet werden,  nicht beschimpft oder angeschrien werden. Es beginnt aber schon bei den Arbeitsmitteln. Wir müssen die  Arbeitsumgebung so gestalten, dass alle Rahmenbedingungen erfüllt sind, die  Mitarbeiter brauchen. Die  positiven Werte sind das i-Tüpfelchen.    

Wieso kennen nur wenige  ihre Unternehmenswerte?

Oft werden  sie nur  irgendwo plakatiert.   Aber   niemand denkt darüber nach,  wie das auf Handlungsebene auszusehen hat und wie  man es auch einfordern kann.

Muss die positive Unternehmenskultur vom Management  ausgehen?

Ja, sie sind dafür verantwortlich, wie eine Kultur sich gestaltet. Am Ende des Tages kann ich  aber  für mich  persönlich Werte leben. Es geht um  Eigenverantwortung und Selbstreflexion. Wenn ich nach  x Bemühungen  vom Chef höre: "Das  interessiert mich nicht, das ist nicht deine Aufgabe", dann  muss ich mir überlegen, ob das  die Unternehmenskultur   ist, in der ich mich einbringen möchte.

Wir haben all das schon öfter gehört.

Richtig. Wir haben hier aber kein Wissensproblem, sondern  eine  Glaubenskrise. Viele Manager glauben,  das Konkurrenzprinzip ist besser als das Kooperationsprinzip. Und, dass  Zielsetzungen eine  Vision ersetzen können. Das dritte Problem ist, dass scheinbar nur  das  Sachliche  zählt,  nicht aber die Emotionen.  Das ist Humbug.  Wir  erleben nun einmal Gefühle. In der Werbung und bei Hochleistungsteams  ist das jedem klar, wenn es ums pure Arbeiten geht, offenbar nicht.  Wenn es  um  Außergewöhnliches geht,  auch in Bezug auf Leistung, dann reicht das Prinzip "Bleiben wir sachlich"  nicht aus. 

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