Neues Zentrum für Lehrerbildung

© Bild: Universität Wien

Das neue Zentrum wird vom Berliner Physikdidaktiker Lutz-Helmut Schön geleitet. Sein Ziel: "Lehrer müssen hohe Fachkompetenz haben".

Wer das Schulsystem reformieren will, muss auch die Ausbildung der Pädagogen auf neue Beine stellen. In Wien, wo die meisten AHS-Professoren ausgebildet werden, macht man die ersten Schritte in Richtung Reform.

Bisher schien es so, dass die Lehramtsstudenten an der Universität beim Stellenwert nicht mit anderen Studierenden mithalten konnten. Rektor Heinz W. Engl sieht das naturgemäß etwas anders. Er nennt diese jungen Menschen „Grenzgänger, weil sie zwei Fächer und Pädagogik zu bewältigen haben.“

Die aktuelle Diskussion um die Lehrerausbildung helfe der Uni, „das Hauptaugenmerk wieder auf die Lehrerbildung zu legen.“ Diese müsse an der Hochschule bleiben, sagt Vizerektorin Christa Schnabl. „Wir stellen weiterhin den Führungsanspruch, weil wir wissenschaftlich arbeiten.“

Mit dem neuen Lehrerbildungszentrum der Uni Wien, das Anfang März in der Porzellangasse eröffnet wurde, gibt es nun eine gemeinsame Anlaufstelle für alle Lehramtsstudenten. Hier her übersiedeln alle Fachdidaktiker, und die gesamte Lehrerbildung wird koordiniert. Dazu wird ein Netzwerk von Praxisschulen aufgebaut, damit Studenten frühzeitig Kontakt zu Schülern bekommen. Die Zusammenarbeit mit den Pädagogischen Hochschulen soll enger werden. Diese bilden weiterhin Pflichtschullehrer aus.

Schüler begeistern

Neuer Leiter des Zentrums ist Lutz-Helmut Schön, Physikdidaktiker von der Berliner Humboldt-Universität. Er hat sich für seine Arbeit in Wien ein Ziel gesetzt: „Wir wollen Lehrer so ausbilden, dass sie in ihrem Fach hochkompetent sind. Denn Schüler lassen sich vom Lehrer anregen, wenn er in seinem Bereich ein Profi ist. “

Einen guten Lehrer zeichne übrigens auch aus, dass er einen Perspektivenwechsel vollziehen kann. Schön nennt ein Beispiel: „Junge Physikstudenten können im ersten Semester oft einfache Aufgaben nicht lösen und müssen sich das Wissen erst aneignen. Stehen diese Studenten dann das erste Mal in der Klasse, verstehen sie nicht, dass Schüler genau an diesen Aufgaben scheitern, die sie selbst vor ein paar Semestern nicht lösen konnten.“ Im Klartext: „Ein Lehrer muss sich vorstellen können, dass ein Schüler von einer Sache keine Ahnung hat.“

Wichtig ist Schön auch, dass „Lehrer nicht nur einfach Stoff vermitteln. Viel wichtiger ist es, dass Schüler verstehen, wie es zu bestimmten Entdeckungen kam: Wie kamen Naturwissenschaftler auf die Quantenphysik?“ Für den Lehrer-Beruf sei nicht jeder geeignet. „Ich wünsche mir deshalb Eignungsprüfungen“, sagt Schön.

Ob die kommen werden, wird man sehen. Für die Reformen in der Lehrerausbildung brauche die Uni grünes Licht von der Politik. Rektor Engl ist optimistisch, dass „die Reform noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet wird.“

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Erstellt am 11.03.2013