Ab 30 kann man sich nicht mehr verändern? Humbug.

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Foto: Getty Images/iStockphoto/Bulat Silvia/istockphoto Wir sind niemals vollendet.

Ab einem gewissen Alter kann man sich nicht mehr verändern? Es ist Zeit, dieses unrichtige Bild abzuschütteln. Denn wir sind niemals vollendet.

Kinder lernen täglich etwas Neues, verändern sich ständig. Plötzlich drehen sie sich auf den Bauch, krabbeln, brabbeln, gehen, stapeln einen Turm, reden, trotzen und so weiter. Dann Pubertät und Erwachsenwerden. Mit 30 Jahren ist man auch damit fertig. Dann hat man einen fertigen Charakter, man bleibt fürs restliche Leben, wer man ist, ein bald moosiger Fels in der Brandung. Große Veränderungen im Leben sind dann auch nicht mehr willkommen. Zwar beginnen die Hummeln immer wieder mal zu tanzen, aber wer hat schon Zeit, sie zu füttern, wenn der Alltag alle Energie auffrisst. Die scheinbar unabänderliche Gleichung lautet daher: Je älter man wird, desto schwieriger wird die Veränderung eines selbst und der eigenen Lebensumstände. Davon ging man auch in der Psychologie lange aus. Neuere Ergebnisse zeigen allerdings: Wir können uns bis ins hohe Alter verändern. Wenn wir wollen.

Angekommen sind diese Erkenntnisse im Alltag jedoch nicht. Auch, wenn es vielen gut tun würde den Sprung zu wagen: Immerhin sind laut einer Studie von Stepstone 40 Prozent aller Mitarbeiter mit ihrem aktuellen Job unzufrieden. Auch, wenn man laufend die ermutigenden Worte von Arbeitsmarktforschern hören, man solle flexibel bleiben, sich sein Leben lang weiterbilden und man werde mehr als nur einen Job im Leben haben, sind in der Praxis eher solche Bemerkungen üblich, wenn man sich tatsächlich verändert: "Mutig, in dem Alter". Das sagte jemand zu Gabi Kuhn, der langjährigen KURIER-Lebensart-Chefin, als sie sich mit knapp 57 Jahren für die Selbstständigkeit entschlossen hatte (ihr Essay über diesen Schritt ist auf den nachfolgenden Seiten zu lesen). Klar, es ist nicht immer alles rosenrot und eitel Wonne, wenn man sich verändert – auch davon berichtet Gabi Kuhn sehr ehrlich.

Wer wagt, wird zufriedener sein

Aber wer wagt, wird zufriedener sein. Das zeigt eine Studie von Steven Levitt von der University of Chicago aus 2016: Er untersuchte, wer glücklicher ist: Menschen, die dem Drang zur Veränderung gefolgt sind und den Job gekündigt haben oder eine Beziehung beendet haben oder diejenigen, die alles beim Alten belassen haben. Das Ergebnis war eindeutig: Jene, die sich verändert hatten, waren sowohl zwei Monate, als auch sechs Monate nach der Veränderungen glücklicher. Es fällt leicht das zu glauben. Wer wagt, ist zumindest stolz auf sich und das stimmt schon mal glücklich.

Trotzdem verharren viele Unzufriedene und Hummelhirten in ihrem bekannten Umfeld. Wieso ändern sie nichts? Die Antwort liegt in den Genen und in der Sozialisation des Einzelnen, in seiner Persönlichkeitsstruktur. Klar erforscht ist: Menschen, die sich Veränderung selbst zuschreiben, tun sich damit leichter. Auch dann, wenn sie älter werden. Denn es ist tatsächlich so, dass die Offenheit für neue Erfahrungen bereits ab dem mittlerwen Erwachsenenalter von 40 Jahren abnimmt.

Das ist jedoch kein endgültiges Urteil. Die Offenheit, die bei Kindern und in den jungen Erwachsenenjahren so selbstverständlich ist, lässt sich auch bei Erwachsenen wieder steigern. Das sagt die renommierte Altersforscherin und New Yorker Psychologin Ursula Staudinger in einem Interview im Der Spiegel. Das könne man durchaus auch üben. "Wenn man feststellt, dass man sich oft ausgeliefert fühlt, kann man versuchen, sich mit Zetteln am Spiegel immer wieder zu erinnern, dass man mitentscheidet, wie man die Welt sieht."

Doch nicht nur wir selbst sollten immer wieder die Offenheit für Neues üben. Auch die Gesellschaft könnte viel mehr Anreiz schaffen, sich im Alter weiterzuentwickeln. Ursula Staudinger etwa ist überzeugt: "Wenn wir es im Beruf und in der Gesellschaft für den Einzelnen auch in der zweiten Lebenshälfte attraktiv machen, sich mit neuen Dingen zu beschäftigen, und gleichzeitig die dafür nötigen Fähigkeiten vermitteln, dann verändert sich dieses scheinbar naturgesetzliche Muster der Persönlichkeitsentwicklung."

Zeitempfinden und Alter

Tatsache ist, dass sich neue Erfahrungen lohnen. Denn sie dehnen sie Zeitwahrnehmung und lassen uns eine Zeitspanne erfüllter empfinden. Genau an den ersten Malen mangelt es aber in den mittleren Erwachsenenjahre, die sich eher anfühlen, als hinge der Zeitraffer-Knopf fest. Das ist kein Humbug, wie eine breit angelegte europäische Studie zeigt. Es gibt tatsächlich einen Zusammenhang zwischen dem gefühlten Zeitempfinden und dem Alter: Je älter, desto schneller vergeht ein Lebensjahrzehnt. Mit rund 60 Jahren ist hier allerdings der Zenit erreicht und die Geschwindigkeit des subjektiven Verlaufes der Zeit nimmt nicht mehr zu. Der Psychologe Marc Wittmann erklärt in seinem Buch "Gefühlte Zeit" wieso das so ist: Die Anzahl der im Gedächtnis behaltenen Ereignisse und die Anzahl der erlebten Veränderungen während eines Zeitraumes würde dessen subjektive Dauer bestimmen. Das heißt: " Aufregende und neuartige Erlebnisse dehnen die Zeit. Wird das Neuartige aber Routine, vergeht die Zeit wieder schneller."

Im Leben eines Kindes geschieht in drei Jahren viel Neues, drei Jahre im Leben eines Erwachsenen sind meist unaufregend monoton: Aufstehen, Zur-Arbeit-Gehen, Kinder abholen, Schlafen und so weiter und so weiter. Doch jeder kann die Zeit bremsen, in jedem Alter, wenn er sich wieder vermehrt auf erste Male einlässt. Neues zu erleben, bedeutet ja auch nicht zwangsläufig die Scheidung oder Kündigung vom Zaun zu brechen. Erste Male, Veränderungen, müssen nicht immer groß sein.

Wie man Veränderungsprozesse startet

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Foto: /Simon Sinek

Irgendwann stellt sich jeder die Frage: „War’s das?“.  Man hat einen guten Job, mag die Kollegen, doch etwas fehlt. So war es auch bei  Simon Sinek.   Bei ihm war es der Enthusiasmus, der  in den Jahren abhanden gekommen ist.  Und er  fragte sich: „Warum tue ich das, was sich tue, eigentlich?“
Das war die alles entscheidende Frage für seinen Erfolg.  Für jeglichen Erfolg, wenn es nach Simon Sinek geht. Denn: Wer weiß, warum er etwas tut und daran glaubt, wird  sein bestes Ich  und Erfüllung finden. Mit diesem simplen Konzept  begeistert der britisch-amerikanische Autor Millionen. In der so eben erschienenen  deutschen Ausgabe des Bestsellers „Finde dein Warum“ beschreiben er und seine Co-Autoren David Mead und Peter Docker, wie man dorthin gelangt, wie man Veränderungsprozesse startet.

Die Schritte

Geschichten sammeln und mitteilen Sinek geht davon aus, dass wir unser Warum in unserer Biografie finden. Daher rät er, seine Vergangenheit nach  bedeutsamen Geschichten zu durchforsten, um den  roten Faden im Leben zu finden.  Dann finden Sie einen Partner – er wird dabei helfen, den roten Faden zu finden,  da er  Distanz zu Ihrem Leben hat. Erzählen Sie ihm Ihre  Geschichten.

Themen identifizierenIm Laufe des ersten Schritts werden sich Konstanten zeigen,   wiederkehrende Ideen, Wörter, Phrasen und Gefühle.  Einsichten, die wichtiger sind als die anderen. Sinek schreibt: „Sie strahlen so hell, dass Sie darauf zeigen und sagen werden: Das ist es – so bin ich.“

Formulieren und verfeinern Sie schreiben die Essenz  in einem Satz nieder.  Er sollte „einfach und klar sein, umsetzbar sein, fokussiert auf Ihren Einfluss auf andere sein und in positiver Sprache abgefasst sein, die Sie direkt anspricht.“

Redline Verlag… Foto: /Redline Verlag

(kurier) Erstellt am
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