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Wirtschaft
10/14/2020

Kantinenbetreiber Eurest: Jeder 6. Job wackelt

50 Prozent Umsatzminus hat Corona Eurest beschert. Take-away-Konzepte sollen helfen.

von Anita Kiefer

Die Corona-Krise zwingt auch Kantinenbetreiber in die Knie. Einer der größten Kantinenbetreiber Österreichs, die Firma Eurest, hat übers Jahr rund 50 Prozent Umsatzminus zu verzeichnen. Zwischen März und Mai lag der Umsatzrückgang überhaupt bei 70 Prozent. Auch die Kurzarbeit für die 1.400 Mitarbeiter hat dem Unternehmen nicht genug Entlastung gebracht – jetzt wurden 227 Mitarbeiter unter Einbindung der Sozialpartner beim Frühwarnsystem des AMS angemeldet.

„Das heißt aber nicht, dass auch wirklich alle gekündigt werden“, sagt Georg Hirsch-Stronstorff, Geschäftsführer des Unternehmens, im KURIER-Gespräch. Mit dem Rest der Belegschaft geht Eurest jetzt in die dritte Kurzarbeitsphase. Der Grund für die Rückgänge liegt auf der Hand. Homeoffice bedeutet weniger Mitarbeiter im Büro und damit in den Betriebskantinen – und deren Betreibern brechen die Umsätze weg. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben, denn ein Ende der Pandemie ist nicht in Sicht – und damit werde wohl sowohl das Homeoffice beibehalten als auch große Events vorläufig nicht stattfinden.

Umsatzeinbruch für 2020

Im Vorjahr erwirtschaftete Eurest (das Unternehmen gehört zur Compass Group, Anm.) 102 Millionen Euro Umsatz. 108 Millionen Euro waren für das per Ende September abgelaufene Geschäftsjahr eigentlich prognostiziert. Geworden sind es rund 78 Millionen Euro. Im nächsten Jahr wird sich der Umsatz laut Einschätzung von Hirsch-Stronstorff zwischen 75 und 78 Millionen Euro einpendeln.

Wiewohl die Gemeinschaftsgastronomie rund drei Viertel des Eurest-Gesamtumsatzes ausmacht, fehlt auch ein anderer, wichtiger Teil des Geschäftsbereiches – das Catering bzw. Eventcatering. Immerhin fallen sowohl Events als auch Meetings und Kongresse innerhalb von großen Firmen heuer völlig weg, ebenso wie Weihnachtsfeiern. Dasselbe gilt für Großevents wie die Bregenzer Festspiele, ebenfalls ein Eurest-Kunde. Einige Bereiche – Schulen und Healthcare/Senior Living – haben sich zwar wieder vollständig erholt, machen aber nur einen vergleichsweise geringen Umsatzanteil bei Eurest aus.

Hoffnung schöpft Hirsch-Stronstorff für die Zukunft aber dennoch. Immerhin seien zu den rund 80 Firmenkunden mit in Vor-Corona-Zeiten rund 55.000 Essen pro Tag auch in der Corona-Krise der ein oder andere dazugekommen, beispielsweise die Firma Novartis in Kundl (Tirol). Außerdem will man mit Take-away-Services für Mitarbeiter im Homeoffice punkten. Dieses Konzept wurde bereits getestet, die Firma Siemens geht damit jetzt in den Regelbetrieb.

Das Grundprinzip: Speisen – zum Teil noch im Rohzustand, aber etwa vorgegart und/oder vorgeschnitten – stehen Mitarbeitern zum Abholen und Mitnehmen zur Verfügung. Dass die Menschen in Bälde wieder gerne in Großkantinen zurückkehren wollen, glaubt Hirsch-Stronstorff nicht. Deshalb wolle man sich auf Take-away-Konzepte konzentrieren. Er hofft, dass Eurest im Jahr 2022 ein ähnliches Umsatzniveau wie vor Corona erreichen wird. Generell will man sich mit Eurest breiter aufstellen und sowohl dem Facility Management, das aktuell eine untergeordnete Rolle spielt, als auch dem Healthcare bzw. Senior Living-Bereich mehr Bedeutung beimessen.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich die Eurest-Mitbewerber Gourmet und SV Group zu ihrem Umgang mit und der Geschäftsentwicklung in der Corona-Krise nicht äußern wollten. Ein weiterer, Sodexo, hat auf Mailanfrage nicht reagiert.

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