© Getty Images/iStockphoto/DisobeyArt/iStockphoto

Wirtschaft
10/29/2020

Juristen üben Kritik an Austria Limited

Die Regierung plant eine neue Gesellschaftsform: die Austria Limited. Die Start-up-Szene jubelt. Juristen bezweifeln aber den Sinn dahinter.

von Wolfgang Unterhuber

Wirtschafts- und Justizministerium planen derzeit eine neue Kapitalgesellschaft. Arbeitstitel: Austria Limited. Das Thema ist wegen der Krise brisant. Denn  eine Pleitewelle droht. Mit der Austria Limited will man  die Gründung von sogenannten Start-ups erleichtern.

Die Causa wird in der Gründerszene und unter Juristen heiß diskutiert. Und hat – laut Gerüchten auf dem „Wiener Parkett“ – Potenzial für einen Koalitionskrach.

Zustimmung

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) will die Limited früher als später. Unterstützung erhält sie aus der Start-up-Szene. Investor Michael Altrichter etwa, Start-up-Beauftragter der Regierung, macht auf digitalen Kanälen wie Linkedin Stimmung für die neue Gesellschaftsform. 

Er erntet Zustimmung. Die GmbH sei bei der Gründung zu bürokratisch und dauere zu lang, so die Meinung in der Szene.

Alma Zadic prüft

Die Führung des Themas liegt aber bei Justizministerin Alma Zadic (Grüne). Die lässt sich Zeit. Österreich habe schließlich einen Ruf als transparenter und rechtssicherer Standort für Gründer zu verlieren.

Genau da setzt die Kritik von Anwälten und Notaren ein. „Wenn man sich auf eine völlig neue Gesellschaftsform einlässt, ist die Frage, ob der Schuss nicht nach hinten losgeht“, so Michael Umfahrer, Präsident der Notariatskammer ÖNK.

Ein Flop

Einen  „Flop“ habe man vor einigen Jahren schon erlebt. „Wir haben neun Monate lang eine 10.000-Euro-GmbH gehabt und sind dann wieder auf die normalen 35.000 Euro zurückgegangen, weil der Finanzminister dann nicht auf die Mindest-KöSt verzichten wollte. Das war im Ausland eine Lachnummer und bei uns ein politischer Bauchfleck.“

Bei der Gründung einer Limited sollen  nur  5.000 Euro Mindeststammkapital reichen.   Mitarbeiterbeteiligungen und der Ein- und Ausstieg von Investoren (Anteilsverschiebungen)  sollen erleichtert werden. Und das alles unbürokratisch, digital und auch auf Englisch.

"Steuerrechtliche Frage"

Umfahrer zum KURIER:  „Die Frage der Mitarbeiterbeteiligung ist eine steuerrechtliche Frage und keine gesellschaftsrechtliche.“ Und er warnt vor falscher Euphorie. Wer internationale Investoren in sein Start-up hole, müsse wissen, dass diese mit besten Rechts- und Steuerberatern gerüstet seien.

„Dem steht der heimische Gründer dann schutzlos gegenüber. Denn einem internationalen Investor geht es nur um die Rendite.“

Eine rasche  Anteilsübertragung sei übrigens auch in der GmbH  möglich. „Der digitale Notariatsakt ermöglicht dem Investor, wo immer er auf der Welt sitzt, zu unterzeichnen.“

Umfahrer schlägt aber überhaupt einen neuen Weg vor: „Man könnte sich überlegen, das Mindest-Stammkapital der normalen GmbH generell auf 10.000 Euro abzusenken.“

Die „gründungsprivilegierte“ GmbH könne man auch in diese aufgehen lassen. „Denn die ist rechtlich nicht ideal. Niemand weiß bisher, was passiert, wenn nach zehn Jahren ein Gründer da nicht auf 35.000 € aufstocken kann. Das Thema könnte man sich so also sparen. Und zusätzlich kann man über Adaptierungen im Gesellschaftsrecht den Gründern entgegenkommen.“

Kein "Markt" für die Limited

Unterstützung dürfte Umfahrer dabei von Anwälte-Vizepräsident Bernhard Fink erhalten. „Es wäre viel vernünftiger, man erleichtert die Gründung der bestehenden Kapitalgesellschaften. Die Austria Limited wird der Markt nicht annehmen“, so Fink unlängst im KURIER.

Dass die Dauer  einer GmbH-Gründung zu lange dauere  weist Umfahrer zurück: „Bei der Gründung einer seriösen Firma gibt es  eine Vorbereitungsphase, um Konsens über den Gesellschaftervertrag  zu erzielen. Da ist Geschwindigkeit nicht das richtige Thema.“ Danach würde die Dauer der  GmbH-Gründung zwischen drei und fünf Tagen liegen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.