Teuerung: Hälfte der Jugend spart bei Grundbedürfnissen
Zusammenfassung
- Die Teuerung belastet junge Menschen in Österreich weiter stark: Fast die Hälfte der 16- bis 29-Jährigen spart bei Grundbedürfnissen, und für 30 Prozent reicht das Geld nicht zum Leben.
- Besonders groß sind die Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen bei Bildung, Zufriedenheit und Zukunftszuversicht: 44 Prozent der ärmsten Befragten konnten Aus- oder Weiterbildung nicht beginnen oder mussten abbrechen.
- Die Studie zeigt zudem einen hohen Wunsch nach gesellschaftlicher Teilhabe, während AK und Gewerkschaftsjugend politische Maßnahmen bei Bildung, Arbeitsmarkt und Wohnen fordern.
Die Auswirkungen der Teuerung haben sich seit 2024 für junge Menschen verfestigt. Wie der am Dienstag präsentierte zweite „Jugendmonitor“ der Arbeiterkammer Wien (AK) zeigt, gibt es auch weiterhin große Unterschiede zwischen dem obersten und untersten Einkommensdrittel. Demnach sind vor allem Zufriedenheit, Zuversicht und Ausbildungschancen abhängig von der finanziellen Situation der 16- bis 29-Jährigen. Fast die Hälfte der 1.500 Befragten muss etwa beim Einkauf sparen.
Das Umfrageinstitut Foresight erhob zwischen Februar und März im Auftrag der AK zum zweiten Mal die Lebenssituation der 1,4 Mio. jungen Menschen mit Wohnsitz in Österreich. Gemäß der repräsentativen Studie können 30 Prozent „gut leben“. Für die mittleren vierzig Prozent reicht das Geld zum Leben aus, für die untersten 30 Prozent nicht.
Gravierende Lücke bei Bildungschancen
Während sich mit ihrem Leben insgesamt rund drei Viertel zufrieden zeigten, bewertete nur die Hälfte ihre finanzielle Situation als zufriedenstellend. Fast jeder Zweite sparte in den letzten zwölf Monaten beim Einkauf (47 Prozent) und beim Urlaub (44 Prozent), vier von zehn Befragten brauchten ihre Ersparnisse auf. Rund ein Drittel schränkte sich beim Fortgehen ein, arbeitete mehr oder konnte sich das Freizeitangebot nicht leisten. Ihr Bankkonto überzogen 18 Prozent.
Besonders beim Thema Bildung klafft die Lücke zwischen dem untersten und obersten Drittel auseinander. Aufgrund ihrer finanziellen Situation konnten 44 Prozent der ärmsten jungen Menschen ihre Aus- oder Weiterbildung nicht beginnen oder mussten sie sogar abbrechen. Dagegen betrafen Einschnitte bei der Bildung über alle Gruppen hinweg nur durchschnittlich 19 Prozent der Befragten, unter den Reichsten gar nur zwei Prozent.
Soziales Umfeld, berufliche Perspektiven entscheidend
Auch bei der Zuversicht gibt es je nach Einkommen große Unterschiede. Während nur 38 Prozent des untersten Drittels ihrer persönlichen Zukunft optimistisch entgegenblicken, sind es im obersten Drittel ganze 82 Prozent. Durchschnittlich vertreten zwei Drittel eine optimistische Haltung. Deutlich negativer schätzen die jungen Österreicherinnen und Österreicher die Zukunft des Landes ein: Nur 56 Prozent der obersten und 24 Prozent der untersten Schicht sind hier positiv gestimmt.
Vor allem Faktoren wie sozialer Rückhalt und stabile Rahmenbedingungen, etwa ein funktionierender Sozialstaat, stimmen die Befragten grundsätzlich zuversichtlich. Im Gegensatz dazu bereiten die finanzielle Situation und fehlende berufliche Perspektiven fast jedem Zweiten Sorgen. Studienautorin Martina Zandonella zufolge sind aus dem unteren Drittel am ehesten noch jene Menschen optimistisch eingestellt, die berufliche Perspektiven für sich selbst erkennen. Beim obersten Drittel ist vor allem das soziale Umfeld ausschlaggebend.
Junge wollen mehr gesellschaftliche Teilhabe
Zandonella sieht zwischen der allgemeinen Zufriedenheit mit dem eigenen Leben und finanziellen Möglichkeiten „den bei weitem stärksten Zusammenhang“. Weniger Einfluss als Geld hätten Geschlecht, Wohnort oder Migrationshintergrund.
Außerdem sei aus demokratiepolitischer Sicht bemerkenswert, dass sich in den letzten 20 Jahren der Anteil der Jungen ohne österreichische Staatsbürgerschaft und Wahlrecht österreichweit auf 27 Prozent verdoppelt habe. Entgegen der weitverbreiteten Annahme, junge Menschen würden sich nicht an der Gesellschaft beteiligen wollen, gaben 72 Prozent an, sich mehr Beteiligungsmöglichkeiten zu wünschen. Rund die Hälfte der Befragten ist bereits in Vereinen oder Interessensvertretungen aktiv.
Plädoyers für arbeitsmarkt- und wohnpolitische Maßnahmen
Angesichts der Studienergebnisse forderte Ilkim Erdost, Bereichsleiterin für Bildung der AK Wien, einen Fokus auf Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Wohnpolitik. Die seit April geltende Mietpreisbremse sei „ein erster Schritt“, sie plädiere aber für ein einheitliches Mietrecht, um auch den privaten Wohnungsmarkt entsprechend zu regulieren und Befristungen abzuschaffen. Die stellvertretende Vorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend, Laura Zandonella, appellierte an Politik und Unternehmen, für Maßnahmen zur Schaffung von fair bezahlten Lehrstellen, leistbarem Wohnraum und systematischer Einbeziehung junger Menschen zu sorgen.
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