Jugendliche kehren Social Media zunehmend den Rücken
Zusammenfassung
- Nutzung sozialer Netzwerke durch Jugendliche in Österreich geht laut Jugend-Internet-Monitor 2026 bei fast allen Plattformen deutlich zurück.
- KI-Chatbots gewinnen massiv an Bedeutung, während klassische Social-Media-Plattformen wie WhatsApp, YouTube, Snapchat, TikTok und Instagram Nutzer verlieren.
- Die Nutzungsmotive verschieben sich hin zu Kurzvideos und Berieselung, während Kritik an Werbung, ähnlichen Inhalten und belastenden Beiträgen zunimmt.
Mit einem durchaus überraschenden und bei der Diskussion um Social Media-Verbote besonders relevanten Ergebnis wartet der Jugend-Internet-Monitor 2026 auf: Praktisch alle Plattformen der sozialen Netzwerke verlieren Userinnen und User. Dagegen nimmt die Beliebtheit von KI-Chatbots massiv zu, wie die von saferinternet.at initiierte Umfrage des Instituts für Jugendkulturforschung ergab. Befragt wurden 500 Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 17 Jahren, hieß es am Montag.
Die repräsentative Studie wurde zum bereits elften Mal durchgeführt. In der Reihenfolge der beliebtesten Plattformen blieb WhatsApp an der Spitze. 82 Prozent der Befragten verwenden den Messenger-Dienst, 84 Prozent von ihnen wiederum täglich. Allerdings büßte WhatsApp im Vergleich zum Vorjahr fünf Prozentpunkte ein. An zweiter Stelle folgte YouTube mit 76 Prozent Nutzung (davon jeder und jede zweite täglich) und einem Minus von vier Prozentpunkten.
User-Rückgang bei allen Plattformen
Dritte war die Messenger-App Snapchat mit 65 Prozent Nutzung (davon 85 Prozent täglich), knapp vor TikTok und Instagram, die jeweils von 64 Prozent der Jugendlichen angewendet werden. TikTok wurde dabei mit 83 Prozent täglicher Nutzung vor Instagram mit 77 Prozent täglicher Anwendung. Sechster wurde Microsoft Teams mit 31 Prozent Usern. Gegenüber dem Vorjahr verloren alle Plattformen deutlich an Usern: Snapchat und Instagram je neun Prozentpunkte, TikTok acht Prozentpunkte und Teams vier Prozentpunkte.
Weitere genutzte Apps sind Pinterest (31 Prozent), die Spieleplattform Roblox (23 Prozent) und die Kommunikationsplattform Discord (18 Prozent). Der Streamer Twitch kam auf 14 Prozent. Alle genannten mussten Einbußen hinnehmen - Ausnahmen waren nur der Messenger Signal und das Forum Reddit (je neun Prozent User). Die Instant-Foto-App BeReal war der größte Verlierer: 2024 noch von knapp einem Drittel der Befragten verwendet, verlor sie kontinuierlich an Bedeutung und wird nun nur noch von sieben Prozent genutzt.
Geschlechtsspezifische Unterschiede immer weniger
Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es immer weniger: YouTube (79 zu 73 Prozent) und TikTok (67 zu 61 Prozent) werden etwas häufiger von Burschen genannt, bei WhatsApp, Snapchat und Instagram gab es heuer keine Differenzen mehr. 2025 dominierten bei Snapchat noch die Mädchen, die heuer noch bei Teams deutlich häufiger als ihre männlichen Pendants zu finden sind. Einen deutlichen männlichen Überhang gab es noch bei Discord (28 Prozent Burschen gegenüber acht Prozent Mädchen) und Twitch (23 zu fünf Prozent), bei Roblox war dies deutlich weniger ausgeprägt (25 Prozent bei den Burschen bzw. 21 Prozent bei den Mädchen). Umgekehrt nutzen deutlich mehr Mädchen als Buben Pinterest (55 gegenüber acht Prozent). Reddit und X werden wiederum mehr von Burschen genutzt.
Darüber hinaus hat sich das Motiv der Nutzung deutlich verschoben: Statt direkter Kommunikation mit Freundinnen und Freunden, bestimmten Menschen gezielt folgen oder über das eigene Umfeld informiert bleiben, stehen nun Kurzvideos im Vordergrund. Das war zunächst ein vor allem von TikTok geprägtes Konzept, bestimmt mittlerweile aber die Funktionsweise fast aller großer Plattformen, so Saferinternet.at. Berieselung stehe im Vordergrund, viele der Befragten konnten demnach kaum mehr benennen, welchen Content-Kreatorinnen und -Kreatoren sie folgen.
KI-Chatbots und Kritik
Weil KI-Chatbots im Alltag der Kinder und Jugendlichen verankert sind, hat Saferinternet.at dazu eine zusätzliche Erhebung gestartet. 94 Prozent nutzen sie. Dies und die Vielfalt anderer Angebote - zum Beispiel Streamingdienste wie Spotify, Netflix oder Disney+ - dürften den Rückgang zum Teil erklären. Und es scheint sich auch ein Sättigungsgefühl einzustellen.
Laut Saferinternet.at äußern junge Menschen in Fokusgruppengesprächen zunehmend Kritik, wobei hier die große Menge an Werbung und die ähnlichen Inhalte im Vordergrund stehen. Auch belastende Inhalte und Hasskommentare machen demnach soziale Netzwerke für viele Jugendliche unattraktiv. Details der KI-Chatbot-Studie werden am 9. Februar veröffentlicht.
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