Social–Media-Verbot für alle unter 16 Jahren: Wann kommt es bei uns?

Ein Mädchen schaut ins Smartphone.
Australien zeigt vor, dass es möglich ist. Die Reaktionen vom anderen Ende der Erde sind überwältigend positiv.
Claudia Stelzel-Pröll

Claudia Stelzel-Pröll

Es trudeln erste Erfahrungsberichte vom anderen Ende der Welt ein. Sie sind überwältigend positiv. Am 10. Dezember ist in Australien das weltweit erste Verbot sozialer Medien für alle unter 16 Jahren in Kraft getreten. Das bedeutet, dass mit diesem Datum 4,7 Millionen Konten von Kindern und Jugendlichen gelöscht, deaktiviert oder eingeschränkt wurden. Australische Familien wurden mit den langen Weihnachtsferien gleich einem echten Härtetest unterzogen – den nur die allerwenigsten als solchen empfanden.

Natürlich gab und gibt es geschickte Umgehungsversuche, Tricksereien und Lücken im System, aber der Großteil der Kinder und Jugendlichen hat plötzlich wieder etwas sehr Wertvolles zur Verfügung: Zeit abseits von Bildschirmen.

Das goutieren nicht nur Eltern, sondern auch die Kinder und Teenager selbst. Plötzlich wird wieder gelesen, Freunde treffen einander, Familien unternehmen proaktiv Gemeinsames. Die Reaktionen lassen eines glauben: Dieses Verbot ist ein absoluter Gewinn für alle, die es betrifft.

Riesiges Suchtpotenzial

Was zeigt uns dieses Beispiel? Das Projekt ist ein riesiger gesamtgesellschaftlicher und politischer Kraftakt, der nicht den Eltern überlassen werden darf. So traurig es ist, aber wir schaffen das alleine nicht. Viel zu groß ist das Suchtpotenzial, viel zu gnadenlos sind die Algorithmen, deren einziges Ziel es ist, die Hirne unserer Kinder möglichst schnell süchtig zu machen. Deswegen der Appell an die heimische Politik: Was Australien kann, bringt Österreich bestimmt auch hin. Aber bitte schnell, jeder Tag zählt.

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