"Fachkräfte-Katastrophe": Handwerksbetriebe können sich Lehrlinge kaum noch leisten

Spartenobmann schlägt Alarm: Für Lehrbetriebe sei der Aufwand kaum noch zu stemmen, aber der Staat will die Lehrstellenförderung kürzen.
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Die heimischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe sind die Stütze der Lehrlingsausbildung in Österreich. Sie bilden derzeit rund 44.000 Jugendliche aus, insgesamt sind es knapp 103.000. Doch die vielen Klein- und Mittelbetriebe stießen allmählich an ihre finanziellen Grenzen, schlägt Manfred Denk, zuständiger Spartenobmann in der Wirtschaftskammer (WKO) Alarm. Das Problem: Der Aufwand pro Lehrling ist massiv gestiegen – sowohl finanziell als auch zeitlich und personell. So wurden die Lehrlingseinkommen zuletzt kräftig erhöht, um die Ausbildung attraktiver zu machen. Ein Betrieb kostet die ein Lehrling zwischen 32.000 und 40.000 Euro im Jahr.

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Manfred Denk, Spartenobmann Gewerbe und Handwerk in der WKO

Lehrstellenförderung hängt in der Luft

Zugleich will der Staat aus Budgetgründen bei der betrieblichen Lehrstellenförderungen sparen. Derzeit wird die Auszahlung der Förderung – die 10 bis maximal 15 Prozent der Ausbildungskosten deckt – vom Sozial- und Finanzministerium wegen Unterdeckung blockiert. Lösung ist noch keine in Sicht, die WKO fürchtet eine dauerhafte Kürzung. Denk will das keinesfalls hinnehmen und malt eine düstere Zukunft. „Der Aufwand wird für die Betriebe viel zu viel. Wenn sich der Staat aus der Verantwortung stiehlt, steuern wir auf eine Fachkräfte-Katastrophe zu“, warnt der Spartenobmann. 

Nur noch einige wenige Großbetriebe könnten sich dann Lehrlinge leisten, die betriebliche Ausbildung würde weiter zurückgehen. Die Branche rechnet mit 10 Prozent weniger Lehrlingen, wenn sich nichts ändere. Die Jugendlichen würden dann statt im Ausbildungsbetrieb beim AMS oder in der Mittelschule landen, was dem Staat noch viel mehr kostet.

Die Lehre dürfe nicht länger als Stiefkind des Bildungsbudgets betrachtet werden. „Ein Student ist dem Staat vier bis fünf mal so viel wert wie ein Lehrling.“ Denk fordert neben einer dauerhaften und nachhaltigen Lehrlingsförderung auch eine verpflichtende Berufsinformation in den Schulen und mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem, um etwa mehr Schulabbrecher für die Lehre zu gewinnen. Von einem Bonus-Malus-System, in dem Betriebe einzahlen müssen, die keine Lehrlinge ausbilden, hält er hingegen nichts. „Das wäre der falsche Weg. Es gibt viele Gründe, warum ein Betrieb nicht ausbildet“.

Kaum Neueinstellungen in der Branche

Aktuell halten sich die Gewerbe- und Handwerksbetriebe ob der unsicheren Konjunkturlage mit Neueinstellungen zurück, die Frühjahrsbelebung etwa im Bau- und Baunebengewerbe fällt schwächer aus als im Vorjahr, geht aus der Umfrage der KMU Forschung Austria hervor. „Die Betriebe versuchen, ihr Personal zu halten, stocken es aber nicht auf“, fasst Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria zusammen. 

Kostensteigerungen größtes Problem

Der Fachkräftemangel zählt daher aktuell nicht zu den größten Problemen in der Branche, sondern viel mehr die Kostensteigerungen bei Steuern und Abgaben, Rohstoffen und Energie. Spartenobmann Denk fordert daher, dass nicht nur der Industrie, sondern auch energieintensive Gewerbebetriebe bei den Kompensationszahlungen nach dem Stromkosten-Ausgleichsgesetz (SAG) berücksichtigt werden. Zudem brauche es mehr Wettbewerbskontrollen in der Lieferkette. Im Vorjahr mussten die Gewerbe- und Handwerksbranche das sechste Jahr in Folge ein reales Umsatzminus von 3,3 Prozent hinnehmen, allerdings bremste sich der Rückgang etwas ein und das Jahr „fiel „besser aus als wir es erwartet haben“, so Denk.

Das größte Minus gab es im Bauhilfsgewerbe mit 6,7 Prozent sowie den Malern und Tapezierer mit 5,4 Prozent. Etwas besser lief es bei den Gärtnern und Floristen, Kosmetikern und Masseuren. Im ersten Quartal 2026 zeichnete sich ein leichter Aufwärtstrend ab, der aber durch den Irankrieg wieder infrage gestellt wird.

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