Lehrlinge: Abgabe für ausbildungsfaule Betriebe gefordert

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Fachkräftemangel: Betriebe, die keine Lehrlinge ausbilden, sollen in einen Fonds einzahlen müssen, fordert die Gewerkschaft.

Um mehr Gerechtigkeit in die Lehrlingsausbildung zu bringen, fordert die Produktionsgewerkschaft ProGe die Einrichtung eines eigenen Ausbildungsfonds. Dieser solle von jenen Betrieben gespeist werden, die sich nicht an der Lehrlingsausbildung beteiligen. „Ausbildungsfaule Betriebe müssen künftig an den Kosten beteiligt werden. Für die bereits jetzt vorbildlichen Unternehmen wird so mehr Gerechtigkeit geschaffen und das duale Lehrausbildungssystem wieder attraktiver werden“, erläutert ProGe-Vorsitzender Reinhold Binder in einer Aussendung.

NR-WAHL: PRÄSENTATION SPÖ WAHLPROGRAMM - BINDER

ProGe-Vorsitzender Reinhold Binder

Binder verweist auf die WKO-Lehrlingsstatistik für 2025, wonach die Anzahl der Lehrbetriebe in Österreich gegenüber dem Vorjahr um 3,8 Prozent zurückgegangen ist. „Wir haben mehr als 1.000 Ausbildungsbetriebe verloren. Das ist in Zeiten eines steigenden Bedarfs an Facharbeitskräften alarmierend. Wer heute nicht ausbildet, wird morgen umso lauter nach Fachkräften rufen müssen“, so Binder.

14 Prozent weniger Lehrlinge in der Industrie

Allein in der Sparte „Industrie“ gab es im Vorjahr einen Rückgang an Lehrlingen im ersten Lehrjahr um 14 Prozent. „Jede 7. Lehrstelle in Österreichs Industriebetrieben wurde 2025 gestrichen. Mit diesem Verhalten sägt die Wirtschaft an dem Ast, auf dem sie eigentlich sitzt“, betont Binder und kritisiert die Kurzsichtigkeit vieler Unternehmen: „Jeder Fußballverein, jede Blasmusikkapelle oder jede andere Organisation weiß, warum sie Nachwuchsarbeit betreibt. Ohne Jugend, keine Zukunft. Ohne Lehrstellen, keine Fachkräfte!“

Wirtschaftskammer erteilt "Strafsteuer" eine klare Absage

Wirtschaftskammer-Generalsekretär Jochen Danninger erteilt  der Idee einer „Strafsteuer“ für Betriebe eine klare Absage und wies die Vorwürfe, die Betriebe würden sich vor der Ausbildung drücken, scharf zurück. 

Es gebe Betriebe, die aufgrund ihrer Branchenzugehörigkeit oder eingeschränkter Gewerbeberechtigungen gar keine Lehrlinge ausbilden dürfen. Viele fänden keine ausbildungswilligen Jugendlichen und müssten deshalb die Lehrlingsausbildung vorübergehend aussetzen. „Es wäre absurd, sie dafür noch zu bestrafen.“ 

Jochen Danninger, Generalsekretär WKO

WKO-Generalsekretär Jochen Danninger

Die heimischen Betriebe würden in die Ausbildung der jungen Fachkräfte in Summe 3 Mrd. Euro pro Jahr aufwenden. Die Lehrlingseinkommen, die von den Betrieben bezahlt werden, sind deutlich über den (hohen) KV-Abschlüssen gestiegen, um die Lehre attraktiver zu machen. Die betriebliche Lehrstellenförderung, die zur Abfederung der Ausbildungskosten für die Betriebe gedacht ist, hingegen ist mit 280 Millionen Euro gedeckelt.

Demografische Gründe für Rückgang

Der massive Rückgang der Lehrlinge seit 1980 erklärt die WKO mit der Demografie. In Österreich gebe es laut Statistik Austria aktuell um 220.000 weniger Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren als noch vor 45 Jahren. Diese jungen Menschen würden in der Lehrausbildung fehlen. Laut AMS waren Ende Jänner 2026 österreichweit 17.564 offene Lehrstellen gemeldet. Diesen standen 13.507 junge Lehrstellensuchende gegenüber. Es gibt also mehr offene Lehrstellen bei den Betrieben als Suchende.

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