Fachkräftemangel bleibt größte Herausforderung für Mittelständler
Der Fachkräftemangel bleibt trotz leichter Entspannung das größte Risiko für den österreichischen Mittelstand. 62 Prozent der Betriebe sehen darin eine zentrale Gefahr, 72 Prozent finden nur schwer geeignetes Personal, geht aus einer aktuellen Befragung des Beratungsunternehmens EY unter 500 mittelständische Unternehmen hervor. Besonders betroffen sind wie schon in der Vergangenheit die Industrie sowie die Bau- und Immobilienwirtschaft. „Der Fachkräftemangel ist nach wie vor der größte Wachstumsbremser und wird uns auch noch in den nächsten Jahren beschäftigten“, sagt EY-Mittelstandsexperte Erich Lehner.
Der Mangel an geeigneten Personal zeigt bereits spürbare wirtschaftliche Folgen: 41 Prozent der Betriebe berichten von Umsatzeinbußen oder nicht realisierten Geschäftschancen. Gleichzeitig sind die Such- und Rekrutierungskosten in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt um rund neun Prozent gestiegen. Besonders betroffen sind Finanzdienstleister, Transport, Energie und Tourismus.
Sinkende Bereitschaft zur Vollzeit als Ursache
Als wichtigste Ursachen nennen die Unternehmen die sinkende Bereitschaft zu Vollzeit sowie Qualifikationsdefizite bei den Bewerbern. Entsprechend setzen viele Betriebe auf Weiterbildung, flexible Arbeitszeiten und Zusatzleistungen. Von der Politik wünschen sich die Mittelständler vor allem bessere Bildungsförderung, stärkere Unterstützung bei Weiterbildungsmaßnahmen und gezielte Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte. Die bisherigen staatlichen Maßnahmen stoßen jedoch überwiegend auf Skepsis.
Künstliche Intelligenz wird bislang nur von einer Minderheit als Entlastung gesehen: 70 Prozent erkennen darin aktuell keine wirksame Lösung gegen den Fachkräftemangel, einzelne Branchen wie Finanzdienstleister und Tourismus sind hier etwas weiter.
Silberstreif am Horizont bei der Beschäftigung
Was generell die Beschäftigung anbelangt, senden viele Betriebe vorsichtig positive Signale: Laut Umfrage planen 24 Prozent der Betriebe in den kommenden sechs Monaten Neueinstellungen, während nur 13 Prozent Stellen abbauen wollen.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede: Das Tourismusland Tirol zeigt sich am einstellungsfreudigsten, Kärnten und Salzburg verzeichnen hingegen die meisten offenen Stellen, während Vorarlberg und das Burgenland die einzigen Bundesländer mit einem negativen Beschäftigungsausblick sind. Unterm Strich dürfte die Beschäftigung lediglich um 0,4 Prozent wachsen, was Lehner zumindest als "Trendumkehr" und "Silberstreif am Horizont" interpretiert.
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