Traditionsbranchen in Not: Hier drohen jetzt die meisten Pleiten

Immer mehr Unternehmen sind nicht einmal mehr in der Lage, ein ordentliches Insolvenzverfahren zu finanzieren, so der AKV.
Stempel "Insolvenz" auf Papier

Zwar zeigen die ersten beiden Monate des Jahres Anzeichen einer leichten Stabilisierung, doch die aktuelle Insolvenzstatistik des AKV für das erste Quartal 2026 macht deutlich: Von einer nachhaltigen Erholung kann keine Rede sein. Vor allem der starke Anstieg der Insolvenzabweisungen und ein auffälliger März lassen die Alarmglocken wieder schrillen.

In den ersten drei Monaten des Jahres wurden österreichweit 1.045 Firmeninsolvenzen eröffnet. Das sind zwar um 7,77 Prozent weniger als im Rekordpleitenjahr 2025, dennoch bleibt das Niveau historisch hoch. Im Schnitt mussten wöchentlich mehr als 80 Unternehmen Insolvenz anmelden. Besonders der März 2026 sticht negativ hervor: Mit 413 eröffneten Verfahren lag er deutlich über dem Durchschnitt der Vormonate und nährte Zweifel an einer wirtschaftlichen Trendwende.

Hinter den nüchternen Zahlen stehen massive wirtschaftliche Unsicherheiten. Der anhaltende Nahost-Konflikt, geopolitische Spannungen, steigende Energiepreise und eine erhöhte Inflation dämpfen Investitionen und Konsum gleichermaßen. Die Nachfrage nach österreichischen Industriegütern bleibt schwach, während viele Betriebe mit hohen Kosten und sinkenden Margen kämpfen, so der AKV.

Die Insolvenzstatistik des ersten Quartals 2026 zeigt damit ein widersprüchliches Bild: erste Anzeichen einer Stabilisierung, überlagert von strukturellen Problemen und neuen Risiken. Ob sich die Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf tatsächlich erholt oder die Pleitewelle erneut an Fahrt gewinnt, bleibt offen. Sicher ist nur eines: Die Krise ist noch nicht überwunden.

Abgewiesene Insolvenzen deutlich gestiegen

Noch gravierender fällt der Blick auf die sogenannten Verfahrensabweisungsbeschlüsse aus. Insgesamt 891 Insolvenzanträge wurden mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesen – ein Plus von 26,56 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit steigt die Zahl der Gesamtinsolvenzen, also Eröffnungen und Abweisungen zusammen, auf 1.936 Fälle und liegt um 5,39 Prozent über dem Wert des ersten Quartals 2025. Experten sehen darin ein Warnsignal: Immer mehr Unternehmen sind nicht einmal mehr in der Lage, ein ordentliches Insolvenzverfahren zu finanzieren.

Spitzenreiter ist die Laura Privaststiftung

Die eröffneten Firmeninsolvenzen betrafen im ersten Quartal 2026 insgesamt 4.252 Dienstnehmer. Damit liegt die Zahl leicht unter dem Vorjahreswert, die sozialen Auswirkungen bleiben jedoch erheblich. Besonders betroffen ist die Automobilzulieferindustrie. Die Insolvenz der WOLLSDORF LEDER SCHMIDT & Co. Ges. m. b. H. mit 361 Beschäftigten sowie jene der EITEK GmbH mit 319 Mitarbeitern zählen zu den größten Arbeitgeberfällen des Quartals. Trotz laufender Sanierungsverfahren droht in mehreren Fällen der Verlust nahezu aller Arbeitsplätze.

Auch finanziell haben die Firmenpleiten ein enormes Gewicht. Die Gesamtpassiva der eröffneten Unternehmensinsolvenzen belaufen sich auf 2,29 Milliarden Euro. Allein eine Insolvenz erreicht dabei Milliardenhöhe: Die Laura Privatstiftung meldete Verbindlichkeiten von 1,071 Milliarden Euro an. Während im Jahr 2025 noch neun der zehn größten Insolvenzen nach Passiva aus der Immobilienbranche stammten, zeigt sich 2026 ein deutlich breiteres Schadensbild.

Besonders häufig betroffen sind derzeit die Braubranche mit 261 Insolvenzen, der Handel mit 250 sowie die Gastronomie mit 180 Fällen. Auffällig ist zudem, dass drei der zehn größten Insolvenzen nach Passiva auf Zulieferbetriebe der Automobilindustrie entfallen. Mehr als die Hälfte aller Firmeninsolvenzen – konkret 54,16 Prozent – wurden durch Gläubigeranträge eröffnet, was auf eine zunehmende Zahlungsunfähigkeit und sinkende Bereitschaft zur Stundung hindeutet.

Sanierungsquote sank deutlich

Besorgniserregend ist auch die sinkende Sanierungsquote. Nur 20,72 Prozent der Insolvenzverfahren endeten im ersten Quartal 2026 mit einem abgeschlossenen Sanierungsplan. Damit liegt Österreich deutlich unter den Erfolgsquoten der vergangenen Jahre und kratzt an seinem internationalen Ruf als Sanierungsstandort mit hohen Auszahlungsquoten. Der AKV rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit mehr als 4.100 eröffneten Firmeninsolvenzen.

Die Privatkonkurse

Im Bereich der Privatinsolvenzen zeigt sich hingegen ein differenzierteres Bild. Mit 2.242 eröffneten Schuldenregulierungsverfahren liegt die Zahl um 1,06 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Wöchentlich wurden im ersten Quartal durchschnittlich 172 Privatkonkurse eröffnet. Regional verzeichnen Wien, Oberösterreich und Vorarlberg Zuwächse, während in allen anderen Bundesländern die Zahlen rückläufig sind.

Deutlich gestiegen sind jedoch die Verbindlichkeiten der privaten Schuldner. Die Gesamtpassiva erhöhten sich auf 349 Millionen Euro, die durchschnittliche Verschuldung kletterte von 113.200 Euro im Vorjahr auf nunmehr 155.600 Euro. Hauptursache ist die Insolvenz eines geschäftsführenden Gesellschafters einer Immobiliengruppe mit Schulden von rund 54,6 Millionen Euro. Rund 63 Prozent der Privatkonkurse entfallen auf Männer, deren durchschnittliche Verschuldung mit 184.900 Euro deutlich über jener der Frauen liegt.

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