Insolvente Transportfirma kämpft mit 36 Millionen Euro Schulden um Sanierung
Symbolbild
Die Nothegger Transport Logistik GmbH steht laut AKV mit Verbindlichkeiten von über 36 Millionen Euro vor einer schwierigen Sanierung. Bei der Berichts- und Prüfungstagsatzung am Landesgericht Innsbruck wurden am Montag 388 Gläubigerforderungen in Höhe von exakt 36.415.270,66 Euro geprüft – allerdings erkannte die gerichtlich bestellte Insolvenzverwalterin vorerst nur 15.437.407,20 Euro als berechtigt an. Die restlichen Forderungen wurden bestritten und müssen nun gegebenenfalls im Wege von Feststellungsklagen durchgesetzt werden.
Das 1992 gegründete Transportunternehmen beschäftigt 191 Mitarbeiter, in verbundenen Unternehmen arbeiten weitere 270 Personen. Mit über 300 geleasten oder gemieteten Zugfahrzeugen und ebenso vielen LKW-Aufliegern und -Anhängern, die zum überwiegenden Teil im Fremdeigentum stehen, gehört Nothegger zu den größeren Akteuren der Transportbranche in Tirol. Diese Größenordnung erklärt auch den enormen täglichen Liquiditätsbedarf, der dem Unternehmen nun zum Verhängnis wurde.
Fortführung unter schwierigen Rahmenbedingungen
Trotz der angespannten finanziellen Lage wird das Unternehmen seit der Insolvenzeröffnung fortgeführt. Die Geschäftsführung hat einen Sanierungsplan angekündigt und konnte den Mitarbeiterstand bisher im Wesentlichen halten – ein wichtiges Signal sowohl für die Belegschaft als auch für die Kunden des Unternehmens. Doch die Rahmenbedingungen für die Fortführung sind äußerst herausfordernd.
Ein zentrales Problem stellt die Liquiditätssituation dar: Kundenforderungen für Leistungen, die vor der Insolvenzeröffnung erbracht wurden, sind aufgrund einer bestehenden Factoring-Vereinbarung bereits an die Bank abgetreten. Dadurch flossen lange Zeit keine Einnahmen in die Insolvenzmasse, was die Handlungsfähigkeit der Insolvenzverwaltung erheblich einschränkte. Das Unternehmen musste quasi bei null anfangen, während die laufenden Kosten weiterliefen.
"Trotz aller Widrigkeiten gelang es der Insolvenzverwalterin bisher, den operativen Betrieb aufrecht zu erhalten. Rechtsanwalt Mag. Walter Rupprechter und Rechtsanwalt Mag. Ing. Stefan Rass von der Insolvenzverwalterin berichteten dem KSV1870, dass von Seiten der Familie Nothegger eine Fortführungskaution in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro kurzfristig beigebracht wurde. Zudem gelang es, Liquidität im Ausmaß von einer Million Euro durch eine rasche Abschichtung einer Beteiligung zu generieren. Parallel dazu wurden diverse Verrechnungskonten, welche Ansprüche der Insolvenzschuldnerin in Höhe von mehreren hunderttausend Euro gegen Personen im Nahbereich der Eigentümer der Insolvenzschuldnerin aufwiesen, zügig ausgeglichen", so der KSV1870.
Treibstoffpreise als zusätzliche Belastung
Verschärft wurde die Situation durch einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Etwa mit der Insolvenzeröffnung stiegen die Treibstoffpreise stark an. "Eine umgehende Anpassung der Preise für bereits zugesagte Leistungen war nicht möglich", berichtete die Insolvenzverwalterin bei der Tagsatzung. Das Transportunternehmen musste also Aufträge zu den alten, nicht mehr kostendeckenden Konditionen abwickeln, während die Spritkosten explodierten – eine Situation, die die ohnehin angespannte Liquidität zusätzlich belastete.
Mittlerweile hat sich die Lage in diesem Punkt etwas entspannt: Bei neuen Vertragsabschlüssen können nun angepasste, marktgerechte Preise vereinbart werden, die die gestiegenen Treibstoffkosten berücksichtigen. Dies dürfte die operative Situation des Unternehmens spürbar verbessern und ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Sanierung.
Komplexes Prüfungsverfahren läuft noch
Die heutige Prüfungstagsatzung befasste sich ausschließlich mit den fristgerecht angemeldeten Forderungen. Von den geprüften 36,4 Millionen Euro wurden zunächst weniger als die Hälfte anerkannt – ein durchaus übliches Vorgehen in Insolvenzverfahren, bei dem die Verwaltung die Forderungen kritisch hinterfragt. Gläubiger, deren Forderungen bestritten wurden, haben nun einen Monat Zeit, um Feststellungsklagen einzubringen und ihre Ansprüche gerichtlich durchzusetzen.
Erschwerend kommt hinzu, dass nach Ablauf der Anmeldefrist noch zahlreiche weitere Forderungen eingegangen sind, die bei der heutigen Tagsatzung noch nicht geprüft werden konnten. Diese werden in einer erst noch anzuberaumenden nachträglichen Prüfungstagsatzung behandelt werden müssen. Die tatsächliche Schuldensumme könnte sich also noch erhöhen.
Sanierungsplan braucht externe Unterstützung
Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) geht aufgrund der Ergebnisse der heutigen Tagsatzung davon aus, dass die Schuldnerin einen Sanierungsplan vorlegen wird. Das österreichische Insolvenzrecht sieht für einen solchen Plan eine Mindestquote von 20 Prozent vor, die innerhalb von zwei Jahren an die Gläubiger ausgezahlt werden muss. Bei anerkannten Forderungen von 15,4 Millionen Euro würde dies bedeuten, dass rund 3,1 Millionen Euro aufgebracht werden müssten.
Die Crux dabei: Nach aktuellem Stand dürfte diese Quote nicht aus dem operativen Geschäft zu erwirtschaften sein. Das Unternehmen wird daher auf finanzielle Unterstützung von dritter Seite angewiesen sein – sei es durch Investoren, durch die Eigentümer selbst oder durch andere Geldgeber. Ob und in welcher Form diese Unterstützung kommen wird, ist derzeit noch offen.
Für die 191 Mitarbeiter und die zahlreichen Gläubiger bleibt die Situation angespannt. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob es gelingt, einen tragfähigen Sanierungsplan zu präsentieren und die notwendige externe Finanzierung zu sichern. Nur dann hat das seit über 30 Jahren bestehende Transportunternehmen eine realistische Chance, die Krise zu überstehen.
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