Insolvente Stiftung Benkos: Jetzt beginnt die Schwerstarbeit

Masseverwalter der Laura Privatstiftung kann Vermögensverschiebungen ein Jahr rückwirkend prüfen. Auch Gutachten sollen laut Creditreform erstellt werden.
SIGNA: REPUBLIK PFÄNDET RENE BENKOS VILLA IN INNSBRUCK

Mit der milliardenschweren Konkurseröffnung über die Laura-Privatstiftung am Mittwoch wird die Zerschlagung dieser gut gefüllten Schatztruhe der Familie Benko eingeleitet.

Fakt ist, dass René Benko sich mit Gründung der Laura-Privatstiftung im Jahr 2006/2007 eine lukrative Parallelwelt geschaffen hat, die er offenbar mit seinen üppigen Einnahmen aus dem Signa-Konzern gespeist hatte.

Jetzt bemüht sich der Signa-Gründer und U-Häftling in der Justizanstalt Innsbruck um eine Tätigkeit als Tischler. Das berichtete jedenfalls das Magazin Trend. Ob Benko dafür aber überhaupt Talent hat, ist nicht bekannt.

Vermögen fast halbiert

Wie berichtet, ist seine Laura-Privatstiftung mit Forderungen in Höhe von insgesamt 1,59 Milliarden Euro konfrontiert. Zwar verfügt sie auch über ein beträchtliches Vermögen, die Forderungen der Gläubiger können damit aber nicht annähernd bedient werden. Die Buchwerte (Anschaffungswerte) der Beteiligungen an Gesellschaften und die Forderungen gegen Gesellschaften inklusive Wertpapierdepots werden zwar mit 628,33 Millionen Euro beziffert. Aufgrund von hohen Wertberichtigungen bleiben unterm Strich aber nur Verkehrswerte in Höhe von 327,21 Millionen Euro übrig.

Ob diese Vermögenswerte am Ende belastbar sind und entsprechende Erlöse für die Gläubiger erzielt werden können, wird sich im Laufe dieses komplexen Konkursverfahrens zeigen.

Für Experten ist das vorgelegte Zahlenwerk aber zu hinterfragen. Die Kernfrage lautet: Hat die Laura-Privatstiftung im zurückliegenden Jahr Vermögenswerte in andere Sphären verkauft oder verschoben?

Geschäfte anfechten

„Zumindest ein halbes bis ein Jahr zurück können diese Rechtsgeschäfte angefochten werden“, sagt Gerhard Weinhofer von Creditreform zum KURIER. „Wenn man hier den Eindruck gewinnt, dass diese Geschäfte zu einem Schaden der Gläubiger geführt haben, kann man dagegen rechtlich vorgehen.“

Den größten einzelnen Vermögenswert stellt die Laura Asset GmbH dar, wobei der Wert des Vermögens von 213 Millionen Euro auf 84,5 Millionen Euro geschrumpft ist. Kein Geheimnis ist, dass sich diese mit dem Erwerb und der Bewirtschaftung von Immobilien beschäftigt. Auffällig sind die vielen weiteren Wertberichtigungen.

Unabhängige Gutachter

So wurde eine Forderung gegenüber der Immobiliengesellschaft BER, Charlotten-Straße 61 KG (in Berlin) von 59,3 Millionen auf 24,51 Millionen Euro abgewertet und die Forderung gegen die Gesellschaft Villa Sphere Ovest (Gardasee-Villen) um 10,47 Millionen Euro reduziert.

„Mir ist dieses Papierl mit den Anschaffungswerten und den Verkehrswerten generell egal, weil wir im Insolvenzverfahren sicher eigene unabhängige Gutachter beauftragen werden, die das Vermögen bewerten“, sagt Weinhofer. „Die Gläubiger erwarten eine genaue Prüfung und Auflistung der tatsächlichen Vermögenswerte.“ Nachsatz: „Ich rechne damit, dass die ganzen Beteiligungsgesellschaften in die Insolvenz schlittern werden. Damit werden diese auf mehreren Ebenen geprüft werden.“

Die Finanz ermittelt auch

Indes ist die insolvente Laura-Privatstiftung auch im Visier der Finanz. Laut Aktenlage hat das Amt für Betrugsbekämpfung des Finanzministeriums kürzlich ihrem Anwalt mitgeteilt, dass sie gegen die Laura-Privatstiftung ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hat. Bereits am 3. Februar hat die Soko Signa die Finanz ersucht, sämtliche Akten im Zusammenhang mit der Nutzung der Villa N, der Nobelvilla der Familie Benko in Innsbruck-Igls, zu übermitteln. Wie aus dem Ermittlungsakt hervorgeht, hat die Finanz Haftungsbescheide zur Kapitalertragssteuer (KESt) für Dezember 2021 bis Februar 2025 erlassen. Allein die nachgeforderte KESt für die Villa N beträgt rund 4,5 Millionen Euro. Der Fall ist laut Aktenlage strittig. Indes soll die gesamte Steuerforderung in Österreich rund 30,5 Millionen Euro betragen.

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