Warum die Laura Privatstiftung der Familie Benko in Konkurs schlitterte

Die Laura Privatstiftung wurde rechtskräftig zur Zahlung von insgesamt rund einer Milliarde Euro verurteilt.
FILE PHOTO: Austrian former property tycoon Rene Benko arrives in the courtroom as a second insolvency fraud trial starts in Innsbruck

Die Insolvenz der Laura Privatstiftung hat sich in den vergangenen Wochen schon abgezeichnet – seit gestern, Mittwoch, ist sie offiziell. Die Stiftung, gegründet von René Benko und seiner Mutter Ingeborg, hat am Landesgericht Innsbruck einen Antrag auf Konkurseröffnung gestellt. 

Ausschlaggebend waren zwei rechtskräftige Schiedssprüche des International Court of Arbitration (ICC) in Genf, in denen die Stiftung zu Zahlungen von insgesamt 938,24 Millionen Euro und zu 65,2 Mio. Euro in einem weiteren Verfahren verurteilt wurde, wie aus dem Insolvenzantrag hervorgeht. Die Urteile betreffen Haftungen im Zusammenhang mit der Signa-Gruppe. Erstritten haben das gewichtigste Schiedsurteil drei Gesellschaften aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, darunter der Signa-Investor und -Großgläubiger Mubadala aus Abu Dhabi. 

Insgesamt 1,59 Milliarden Euro

Außerdem sollen noch weitere Schiedsverfahren bzw. Anfechtungsverfahren mit Forderungen in Höhe von 486,42 Millionen Euro geltend gemacht worden sein. 

Unterm Strich beziffert die Stiftung die aktuell fälligen Verbindlichkeiten mit 1,071 Milliarden Euro. Unter Berücksichtigung der strittigen Forderungen   summiert sich der Schuldenstand auf  bis zu 1,59 Milliarden Euro.

„Die Insolvenz der Laura Privatstiftung wird eine Kaskade an weiteren Insolvenzen nach sich ziehen“, sagt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform.

Reißleine gezogen

Der im Jahr 2025 neu eingesetzte Stiftungsvorstand hatte noch versucht, die Laura Privatstiftung zu stabilisieren und neu aufzustellen. Eine nachhaltige Restrukturierung sei angeblich bereits „greifbar“ gewesen, heißt es. 

Die  Schiedssprüche machten diese Pläne jedoch zunichte. „Die vom Stiftungsvorstand veranlassten Prüfungen haben ergeben, dass gegen diese Schiedssprüche keine ausreichenden Erfolgschancen eines Rechtsmittels bestehen“, teilt die Stiftung mit. Zudem wären weitere Verfahren mit Millionenkosten verbunden gewesen. Der Vorstand entschied sich daher gegen einen neuen Rechtszug und zog die Reißleine. Mit den Urteilen ist die Privatstiftung nicht nur zahlungsunfähig, sondern auch rechnerisch überschuldet. Die gesetzlichen Insolvenzgründe sind somit erfüllt. Der Vorstand kündigte an, den künftig bestellten Insolvenzverwalter bei der Aufarbeitung zu unterstützen, um eine bestmögliche Gläubigerbefriedigung zu erreichen. 

327 Millionen Euro Vermögen

Geklärt ist erstmals, wie viel Vermögen tatsächlich noch vorhanden ist. „An Vermögenswerten bestehen rund 327,21 Millionen Euro“, so Creditreform. Die Stiftung hält österreichische und deutsche Beteiligungen mit komplexen Unterstrukturen. Den höchsten Einzelwert mit 84,5 Millionen Euro betrifft die Beteiligung an der Laura Asset GmbH. 

In ihrem mittelbaren Eigentum stehen die private Nobelvilla N in Innsbruck-Igls, die aktuelle Familienvilla auf der Innsbrucker Hungerburg, das Hotel Chalet N in Lech, das private Jagdrevier Stüblergut in der Steiermark, diverse Zinshäuser-Pakete im Osten Deutschlands, darunter Chemnitz und Dresden, sowie Zinshäuser in Innsbruck. 

Mammutaufgabe für den Insolvenzverwalter

Die Villa N soll zumindest 60 Millionen Euro wert sein, das Jagdgut wird auf 30 Millionen Euro geschätzt und das Chalet N auf 20 Millionen Euro. Spannend wird, wie viele die zahlreichen Zinshäuser einbringen werden. Die Verwertung im Insolvenzverfahren wird nicht einfach werden. 

Spannend wird, wie viele die zahlreichen Zinshäuser einbringen werden. Die Verwertung im Insolvenzverfahren wird nicht einfach werden. „Insgesamt wird es eine Mammutaufgabe für den Insolvenzverwalter werden, das Firmengeflecht im Besitz der Laura Privatstiftung aufzudröseln“, so Tristan Prem von Creditreform.
 

Verflechtungen mit Signa-Gruppe

Die Stiftung war im Jahr 2006 gegründet worden, mit dem Zweck der Versorgung der Begünstigten – der Familie von René Benko. Später wurde der Stiftungszweck erweitert, unternehmerische Risiken und Beteiligungen ausdrücklich erlaubt. In der Folge entwickelte sich eine enge Verflechtung mit der Signa-Gruppe samt wechselseitiger Abhängigkeiten.

Die Laura Privatstiftung hält 27 Beteiligungen, unter anderem an die Gesellschaften, mit denen Benko Immobilien in Ostdeutschland und Zinshäuser in Innsbruck gekauft hat

Laut Firmencompass sind es folgende Gesellschaften:

·  RB Immobilienverwaltungs GmbH (Anteil: 100 %) 

·  RB Immo Mitteldeutschland Finance GmbH (Anteil: 100 %) 

·  Laura Invest GmbH (Anteil: 100 %) 

·  Laura Bacchus GmbH (Anteil: 100 %) 

·  Laura Demeter GmbH (Anteil: 100 %) 

·  RB Immo Mitteldeutschland Beteiligung GmbH (Anteil: 100 %) 

·  RB Immo Mitteldeutschland GmbH (Anteil: 100 %) 

·  Laura Galene GmbH (Anteil: 100 %) 

·  Laura Asset GmbH (Anteil: 100 %) 

·  Sevelt Resort Beteiligung GmbH (Anteil: 100 %) 

·  Laura Harmonia GmbH (Anteil: 100 %) 

·  Satalia Beteiligungsverwaltungs GmbH (Anteil: 100 %) 

·  SiRe Beteiligung GmbH in Liqu. (Anteil: 100 %) 

·  Objekt Speckbacherstrasse 4 Management GmbH in Liqu. (Anteil: 100 %) 

·  Licca Immobilien GmbH (Anteil: 100 %) 

·  APIC Zwei GmbH (Anteil: 100 %) 

·  Fleischmarkt 1-5 Immobilien GmbH (Anteil: 100 %) 

·  Laura AT 2019 Drei GmbH (Anteil: 100 %) 

·  Laura AT 2019 Zwei GmbH (Anteil: 100 %) 

·  Laura AT 2019 Eins GmbH (Anteil: 100 %) 

·  Forstgut Holding GmbH (Anteil: 100 %) 

·  Laura AT 2020 Eins GmbH (Anteil: 100 %) 

·  Laura AT 2020 Zwei GmbH in Liqu. (Anteil: 100 %) 

·  Laura AT 2020 Drei GmbH in Liqu. (Anteil: 100 %) 

·  Laura Heli GmbH in Liqu. (Anteil: 100 %) 

·  BDLC Immo GmbH (Anteil: 95 %) 

·  APIC Investments GmbH (Anteil: 85 %) 

·  Dolce Vita Gastro GmbH (Anteil: 51 %) 

·  Herkules Holding GmbH (Anteil: 42,1 %) 

·  Sevelt Resort Immobilien GmbH (Anteil: 6 %)

ss

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