Spritpreise halten Inflation niedrig

Die hohen Preise fĂŒr Energie treiben die Inflation.

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft

Inflation auf Zehn-Jahres-Hoch gestiegen

Nach 3,2 Prozent im August stieg die Teuerungsrate im September auf 3,3 Prozent.

10/20/2021, 09:35 AM

Die Preise ziehen weiter an: Die Inflation stieg im September auf 3,3 Prozent, nach 3,2 Prozent im August. Damit stieg die Teuerung im September 2021 auf den höchsten Wert seit November 2011, teilte die Statistik Austria am Mittwoch mit. GegenĂŒber dem Vormonat August 2021 stieg das durchschnittliche Preisniveau um 0,5 Prozent.

Dabei wirkten sich vor allem die im Vorjahr niedrigen Treibstoff- und Energiepreise aus. Die Treibstoffpreise stiegen im September um 23,6 Prozent.

Wohnung, Wasser und Energie verteuerte sich durchschnittlich um 3,9 Prozent. Dazu trugen vor allem Teuerungen fĂŒr Heizöl (+34,1 Prozent) sowie fĂŒr Strom (+7,4 Prozent) und Gas (+11,7 Prozent) bei. Preissteigerungen bei Bekleidung durch Eintreffen der Winterware verursachten die hohe VerĂ€nderungsrate zum August.

Preissteigerungen bei Bekleidung durch Eintreffen der Winterware verursachten die hohe VerÀnderungsrate zum August. Auch das Ende der SommerschlussverkÀufe habe sich hier ausgewirkt. Kleidung und Schuhe waren im September um 17,4 Prozent teurer als im August.

Die Preissteigerungen zum Vorjahr fielen beim tĂ€glichen Einkauf geringer aus als die Gesamtinflation. DafĂŒr wurde der Wocheneinkauf ĂŒberdurchschnittlich teurer. Das Preisniveau des Mikrowarenkorbs, der ĂŒberwiegend Nahrungsmittel, aber auch Tageszeitungen oder den Kaffee im Kaffeehaus enthĂ€lt und den tĂ€glichen Einkauf widerspiegelt, stieg im Jahresvergleich um 2,5 Prozent. Das Preisniveau des Miniwarenkorbs, der einen wöchentlichen Einkauf abbildet und neben Nahrungsmitteln und Dienstleistungen auch Treibstoffe enthĂ€lt, stieg im Jahresabstand um 6,8 Prozent.

Verkehr und Wohnen treiben die Preise

Ohne die höheren Ausgaben fĂŒr Verkehr und Wohnen hĂ€tte die Inflation im September nur 1,3 Prozent betragen. Der Verkehr war stĂ€rkster Preistreiber im Jahresabstand: Zu den um fast ein Viertel gestiegenen Treibstoffpreisen kommen noch die Verteuerungen bei Kfz-Reparaturen um 4,3 Prozent. Gebrauchte Kraftwagen kosteten um 4,6 Prozent mehr, neue um 3,7 Prozent. Flugtickets wurden sogar um 43,4 Prozent teurer.

Im Bereich Wohnung, Wasser und Energie stiegen die Haushaltsenergiepreise im Schnitt um 10,3 Prozent. Strom wurde um 7,4 Prozent teurer, FernwĂ€rme um 3,5 Prozent und feste Brennstoffe um 4,1 Prozent. FĂŒr die Instandhaltung von Wohnungen musste man im Schnitt um 6,1 Prozent mehr ausgeben, hauptsĂ€chlich wegen der um 6,9 Prozent gestiegenen Materialkosten. Wohnungsmieten sanken zum Vorjahr leicht um 0,7 Prozent.

In Restaurants und Hotels musste im Schnitt um 3,3 Prozent mehr bezahlt werden: Die Gastronomie wurde um 3,4 Prozent teurer, die Hotellerie erhöhte die Preise im Schnitt um 4,3 Prozent.

Nahrungsmittel und alkoholfreie GetrĂ€nke kosteten mit 0,6 Prozent etwas mehr. Nahrungsmittel allein verteuerten sich insgesamt um 0,9 Prozent, wozu ĂŒberwiegend teureres GemĂŒse beitrug (+6,8 Prozent). Nur etwas teurer wurden Fleisch sowie Brot und Getreideerzeugnisse (beide +0,9 Prozent). Obst kostete um 0,5 Prozent mehr. Milch, KĂ€se und Eier wurden insgesamt um 2,0 Prozent billiger. Die Preise fĂŒr alkoholfreie GetrĂ€nke sanken um 1,1 Prozent.

Billiger wurde auch die NachrichtenĂŒbermittlung, und zwar im Schnitt um 3,3 Prozent. Telefon- und Telefaxdienste wurden um 2,5 Prozent gĂŒnstiger. Übernachtungen im Ausland kosteten um 8,4 Prozent weniger.

Eurozone

Die Inflation ist im September im gesamten Euroraum so stark gestiegen wie seit 13 Jahren nicht mehr. Angetrieben von massiv gestiegenen Kosten fĂŒr Öl und Gas kletterten die Verbraucherpreise binnen Jahresfrist um 3,4 Prozent, wie die europĂ€ische Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch mitteilte und damit eine erste SchĂ€tzung von Anfang Oktober bestĂ€tigte. Das ist der höchste Wert seit September 2008.

Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) strebt mittelfristig eine Teuerung von 2,0 Prozent an. Schon im August hatte die Inflation mit 3,0 Prozent deutlich darĂŒber gelegen. Energie verteuerte sich im September um 17,6 Prozent zum Vorjahr. Klammert man Energie aus, lag die Inflationsrate nur bei 1,9 Prozent.

Warnung vor Lohn-Preis-Spirale

In Deutschland warnt das Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW), dass die Angst vor steigenden Preisen die Inflation noch zusĂ€tzlich anheizen könnte. Nach einer Studie des DIW werden die Verbraucherpreise derzeit vor allem von vorĂŒbergehenden Effekten angetrieben, die im kommenden Jahr auslaufen dĂŒrften. "Gefahr droht eher von den Erwartungen", warnte DIW-Ökonomin Kerstin Bernoth.

Gehen Verbraucher und Unternehmen davon aus, dass die Preise weiter steigen, "werden die Menschen KĂ€ufe vorziehen und höhere Löhne fordern. Die Unternehmen wiederum werden auf ihre Preise aufschlagen, wenn sie damit rechnen, höhere Löhne und höhere Erzeugerpreise zahlen zu mĂŒssen", erlĂ€uterte Bernoth.

Dies könnte eine klassische Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen, die weniger auf tatsĂ€chlichen strukturellen Faktoren als auf einer psychologischen Dynamik basiere. "Höhere Inflationserwartungen könnten dann zu einer sich selbst erfĂŒllenden Prophezeiung werden und die tatsĂ€chliche Inflation ankurbeln", warnte Bernoth.

 

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