IV-Chef Georg Knill

© Kurier/Juerg Christandl

Interview
10/01/2020

Industrie-Chef Knill: "Das Tal der Tränen liegt hinter uns"

Der Unternehmer und Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Knill, überrascht trotz Krise mit optimistischen Aussagen.

von Wolfgang Unterhuber

Was sagen Sie zu den ganzen Reisewarnungen in Europa?

Georg Knill: Es müsste auf EU-Ebene koordiniert vorgegangen werden. Es müsste überall die gleichen Standards und gleichen Berechnungen der Fallzahlen geben. Das würde mehr Plansicherheit schaffen. Gerade für die Wirtschaft.

Wien ist etwa für viele EU-Länder quasi rote Zone. Was machen Sie, wenn Sie von Wien aus nach Deutschland reisen.

Dann fahre ich erst gar nicht nach Wien, sondern direkt nach Schwechat. Das liegt bekanntlich in Niederösterreich. Das zeigt, dass punktuelle Reisewarnungen in ihrer Sinnhaftigkeit zu hinterfragen sind.

Der Tourismus kämpft ums Überleben. Könnte das auch auf den Produktionssektor ausstrahlen?

Die Wirkung ist eher umkehrt. Durch die generelle Schwäche der Wirtschaft und Industrie verstärkt das die Krise im Tourismus. Man denke an den ganzen Geschäfts- und Seminartourismus, der jetzt komplett wegfällt.

Das Wifo spricht von eine halben Million Arbeitslosen im Winter. Realistisch?

Wir gehen von minus acht Prozent beim BIP und einem Schaden von 30 Milliarden Euro aus. Der Arbeitsmarkt wird sicher angespannt bleiben. Da halte ich die Prognosen vom Wifo leider für realistisch. Aber es gibt auch Hoffnung.

Wirklich? Welche?

Wir sind in der Industrie durch das Tal der Tränen durch. Das Tal, das war im zweiten Quartal. Jetzt sehen wir wieder einen leichten Aufwärtstrend. Die Auftragslage stabilisiert sich auf niedrigem Niveau.

Trotz all der Beschränkungen?

Ja. Die Industrie hat sich quer durch viele Länder auf diese neue Normalität eingestellt.

China ist einer unserer wichtigsten Wirtschaftspartner. Wie sieht es dort aus?

Dort fährt die Industrie schon wieder auf Vorkrisenniveau. Nur: China hat die Krise sehr rigoros mit starker Einschränkung der persönlichen Freiheit bekämpft. Solche Einschränkungen wünsche ich mir hier keinesfalls.

Und Italien? Unser zweitwichtigster Partner.

Da gab es im Frühjahr in den Warenströmen Unterbrechungen. Das ist aber behoben.

Die Lieferketten funktionieren wieder?

Ja. Und das generell. Deshalb sollten aber auch die Reisebeschränkungen so rasch wie möglich fallen. Der Tourismus lebt von internationalen Gästen und die Industrie vom Export. Die Kunden wollen zu uns wir wollen zu unseren Kunden.

Welchen Industriesektoren geht es in Österreich gut, welchen schlecht? 

Wenig überraschend gut geht es der Pharmaindustrie, aber auch den Branchen Logistik. Schwer getroffen sind hingegen der ganze KfZ-Bereich und die Flugindustrie.

Wieviel Krise ist Corona und wieviel ist hausgemacht?

Jede Krise verstärkt positive als auch negative Entwicklungen. Der meiste Schaden ist aber natürlich coronabedingt. Es gibt aber Bereiche, wo es vorher schon Verwerfungen gab. Stichwort: deutsche Automobilindustrie. Aber in Summe steht die deutsche wie auch die österreichische Industrie gut da.

Das klingt ungewöhnlich positiv?

Mag sein. Aber wir haben in den vergangenen Jahren viel in Forschung und technologische Innovationen investiert. Das bewährt sich jetzt.

Zurück zur Autoindustrie. Politiker fordern da durchaus populistisch die große E-Mobil-Revolution. Ist das neben der Krisenbewältigung denn zu stemmen?

Zunächst sollte den Politikern klar sein, dass allein in Österreich die Branche 315.000 Beschäftigte zählt und eine Wertschöpfung von 23 Milliarden Euro generiert. Natürlich muss man in Sachen Antriebstechnologie vom Verbrennungsmotor über Hybrid bis zum Chip in der E-Mobilität offen für jede Innovation sein. Letztendlich wird aber der Markt entscheiden, welche Antriebsform sich durchsetzen wird. 

Aber schafft die Branche die Ökowende?

Ja. Das schaffen wir.

Öko-Bewegungen fordern von der Wirtschaft Krisenbewältigung in Form einer ökologischen Trendwende. Unterstützen Sie das?

Absolut. Hierzulande investiert die Industrie schon lange massiv in den technologischen Wandel. Bei der Erzeugung von einer Tonne Stahl wird in Österreich nur halb so viel CO2 ausgestoßen wie sonstwo und bei einer Tonne Zement ist es nur halb soviel wie etwa in Italien. Österreichs Industrie ist da technologisch weit voran.

Schafft die Ökowende die dringend benötigten neuen Jobs?

Zuerst muss man die Unternehmen stärken. Wie etwa durch die jetzige Investitionsprämie. Die erste Milliarde hat elf Milliarden an Investitionen durch die Unternehmen ausgelöst. So etwas sichert oder schafft Jobs. Wir müssen also Arbeit fördern und nicht Arbeitslosigkeit. Und natürlich braucht es für die Arbeitslosen massiv Umschulungsprogramme.

Was würde bei einem zweiten Lockdown passieren?

Das würde die Wirtschaft nicht mehr verkraften.

Danke für das Gespräch

 

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