© Alpbachtal Tourismus/Gabriele Grießenböck

Wirtschaft
10/20/2021

In Wintersportorten fehlen Tausende Mitarbeiter

Die ersten Hoteliers überlegen bereits, ihr Angebot zu reduzieren. Besonders Ein-Saison-Betriebe stehen ohne Personal da.

von Simone Hoepke

Die Beherbergungsbranche muss bis Dezember noch bis zu 20.000 Stellen für die diesjährige Saison besetzen“, schlägt Hotelierssprecherin Susanne Kraus-Winkler Alarm. Speziell Saisonbetriebe finden kaum noch Personal. Es würde Hoteliers geben, die für die Wintersaison 200 Mitarbeiter suchen, aber erst 20 fix unter Vertrag haben. Kraus-Winkler: „Ende Oktober haben sie üblicherweise bereits rund 140 Mitarbeiter unter Vertrag.“

Niedrige Quote

Der akute Mitarbeitermangel beschäftige ganze Täler. „Im Ötztal, Paznauntal oder Zillertal fehlen jeweils noch immer Tausende Mitarbeiter.“ Die ersten Betriebe überlegen bereits, mangels Personal das Angebot runterzufahren, etwa A-la-carte-Menüs zu streichen oder generell weniger Gäste zu beherbergen, ist aus der Branche zu hören.

Beim Arbeitsmarktservice sind im Bereich Beherbergung aktuell rund 7.900 Arbeitslose gemeldet. Selbst wenn all diese Jobsuchenden vermittelt werden können, – realistisch ist laut Branchenkennern allerdings eher eine Quote von 60 Prozent – fehlen den Hoteliers noch immer gut 12.000 Beschäftigte.

Kontingent öffnen

Kraus-Winkler fordert daher eine Öffnung des Saisonnierskontingents, um mehr Arbeitnehmer aus europäischen Drittstaaten einstellen zu können. Aktuell gilt ein Kontingent von 1.263 Beschäftigten, das um maximal 20 Prozent überschritten werden darf. Die Aussetzung dieser Regel könnte unter anderem im Reinigungsbereich und in der Küche Entspannung bringen, heißt es.

Denn aufgrund mangelnder Deutsch-Kenntnisse seien Arbeitssuchende etwa aus der Ukraine, Serbien oder Bosnien nicht immer im Service oder an der Rezeption einsetzbar. „In der Küche sind Sprachbarrieren weniger Problem, da so gut wie jeder Englisch spricht“, sagt Kraus-Winkler.

Internationale Branche

Ohne ausländische Mitarbeiter geht im heimischen Tourismus gar nichts. Kommt in Deutschland jeder dritte Tourismus-Mitarbeiter aus dem Ausland, ist es in Österreich jeder zweite. Doch der Zuzug aus Deutschland, der Slowakei, Tschechien oder Ungarn nimmt ab. Viele haben sich in der Pandemie einen Job in ihrer Heimat, oft in einer anderen Branche gesucht, in der die Arbeitszeiten attraktiver sind.

Kraus-Winkler: „Die Branche muss sicher neue Arbeitsmodelle aufsetzen. Ich denke, es wird in den nächsten zwei, drei Jahren auch bei der Entlohnung mehr Richtung ,Revenue Management’ gehen, wie beim Verkauf von Flugtickets oder Hotelzimmern. Zeiten, zu denen kaum jemand arbeiten will, werden deutlich höher bezahlt werden. Es wird Mitarbeiter geben, die dann nur bestimmte Dienstzeiten, wie vormittags oder abends, machen wollen.“ Dass sich der Fachkräftemangel verschärft, ist gesetzt. Schon allein, weil die Zahl der Lehrlinge um ein Drittel eingebrochen ist.

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