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Wirtschaft Immo

Wohnungspreise: Ende des Steilflugs in Sicht

Die Kaufpreise werden in guten Lagen auch 2022 steigen, aber nicht mehr so ungebremst wie bisher. Denn die Leistbarkeit sinkt.

von Ulla GrĂŒnbacher

09/28/2021, 05:04 AM

Wie lange kann sich dieser preisliche Steilflug bei österreichischen Wohnimmobilien noch fortsetzen? 2020 sind die Kaufpreise fĂŒr Wohnungen um sieben Prozent gestiegen, heuer sollen es laut Matthias Reith, Ökonom von Raiffeisen Research, sogar zehn Prozent sein. Corona hat den Preisanstieg also einmal mehr befeuert. Begonnen hat es im Jahr 2005, seit mittlerweile 15 Jahren legen die Kaufpreise fĂŒr Eigentumswohnungen und EinfamilienhĂ€usern stetig zu.

Demographischer RĂŒckenwind nimmt ab

„Die nĂ€chsten zehn Jahre werden anders verlaufen, denn der demografische RĂŒckenwind nimmt ab“, betont Matthias Reith. Auch die gesunkene Leistbarkeit von Wohnraum spreche gegen einen ungebremsten Anstieg. Allerdings: Ein Sturzflug zeichne sich nicht ab, vielmehr ein Anstieg ĂŒber der Inflationsrate. Andererseits sind die Zinsen so tief, „tiefer geht es nicht mehr“, sagt Peter Brezinschek, Chefanalyst von Raiffeisen Research. Diese Niedrigzinsen erleichtern den Immobilienerwerb. Bei Kreditzinsen von 1,5 Prozent können sich KĂ€ufer heute teurere Wohnungen leisten als noch vor zehn Jahren. Die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen ist deshalb groß. Die durchschnittlich aufgenommene Kreditsumme hat sich erhöht und betrĂ€gt aktuell rund 330.000 Euro.

Eine Stunde Fahrtzeit

Zwei BundeslĂ€nder profitieren von dem Zuzug aus anderen Teilen Österreichs, das ist Niederösterreich und das Burgenland. Sowohl im SpeckgĂŒrtel rund um Wien als auch im Hinterland sind Wohnimmobilien in lĂ€ndlichen Regionen gefragt, auch als Zweitwohnsitze oder WochenendhĂ€user. Dazu hat der pandemiebedingte Trend zum Homeoffice beigetragen: Denn wenn man nicht tĂ€glich, sondern nur zwei oder dreimal die Woche ins BĂŒro pendeln muss, werden auch Lagen in der Peripherie wie das Waldviertel interessant. „Je kleiner der Wohnort, desto grĂ¶ĂŸer ist die Überzeugung vom Landleben“, sagt Peter Weinberger, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Raiffeisen Immobilien. Eine Stunde Fahrzeit rund um Wien nehmen Interessenten im Kauf, wenn die nötige Infrastruktur vorhanden ist. „Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist nicht mehr so wichtig wie eine gute Internetverbindung“, so der GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Raiffeisen Immobilien. Auch zu dieser Entwicklung habe das Homeoffice beigetragen.

Gewinner und Verlierer dieser Entwicklung

Gewinner des Wohnimmobilien-Booms sind BaugrundstĂŒcke, die vermehrt auch zur Geldanlage gekauft werden, sowie Wohnimmobilien im SpeckgĂŒrtel. Verlierer sind hingegen Wohnimmobilien in stĂ€dtische Lagen ohne FreiflĂ€chen (Balkon, Terrasse oder Eigengarten). Auch Grundrisse könnten sich in Folge der Pandemie verĂ€ndern: Wohn-KĂŒchen könnten kleiner werden und im Gegenzug Platz fĂŒr einen zusĂ€tzlichen (Arbeits-) Raum machen.

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