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Wirtschaft Immobiz
01/09/2021

Leichter Knick in der Immobilien-Preiskurve

Während sich Baugründe und Einfamilienhäuser weiter verteuern, geben Wohnungsmieten am Stadtrand, Lofts, und Penthäuser nach.

von Ulla Grünbacher

Das Jahr 2021 bringt einige Veränderungen am österreichischen Immobilienmarkt. Das Angebot am Markt wird – aufgrund der regen Neubautätigkeit – deutlich größer, die Kaufpreise und Mieten erleben bis auf einige Ausnahmen keine Höhenflüge mehr. „Die Preise bremsen sich ein“, bringt es Anton Nenning, Experte bei Maklernetzwerk Remax, auf den Punkt. Für die Marktanalyse wurden im Dezember bundesweit 560 Experten des Consulters durchgeführt. Da es 80 bis 100 Tage vom Maklerauftrag bis zum Kaufanbot dauere, so Nenning, und rund ein halbes Jahr vergehe, bis die Transaktion im Grundbuch verbüchert ist, sei absehbar, wie sich der Markt in den nächsten Monaten entwickeln wird.

Angebot steigt, Leistbarkeit sinkt

Der Grund für den leichten Knick in der Preiskurve nach unten: Die Leistbarkeit sinke, weil Banken mehr Eigenkapital verlangen und wegen der hohen Arbeitslosen- und Kurzarbeitszahlen restriktiver mit der Kreditvergabe sind, so Remax-Geschäftsführer Bernhard Reikersdorfer. Es gibt viele Kunden, die jetzt Probleme haben, Kredite zu bekommen, obwohl sie vor Corona sehr wohl Finanzierungen erhalten hätten.

Baugründe verteuern sich

Ausgenommen von der moderaten Entwicklung der Kaufpreise sind wie schon in den Jahren zuvor Baugrundstücke. Sie sind Mangelware, sehr gefragt, das treibt die Preise in die Höhe. Heuer werden sie, so die Remax-Prognose, im österreichischen Durchschnitt um 5,4 Prozent steigen. Auch die Kaufpreise für Einfamilienhäuser legen in allen Bundesländern zu, denn Wohnen am Land gilt als deutlich attraktiver als noch vor ein, zwei Jahren.

Renaissance der Wochenendhäuser

„Wochenendhäuser waren viele Jahre lang am unteren Ende der Beliebtheitsskala“, sagt Anton Nennnig. Nun werden sie stark nachgefragt, die Preise für Wochenendhäuser ziehen erstmals wieder an. Von dieser Entwicklung profitieren Lagen, die binnen einer Stunde von der Stadt erreichbar sind.

Nachfrage verlagert sich an den Stadtrand

Generell lässt sich sagen, dass der Nachfragedruck bei Eigentum und Miete in besten Lagen etwas nachlässt – im Gegenzug verlagert sich die Nachfrage nach Wohnraum an den Stadtrand und ins Grüne. So werden die Preise von Einfamilien- und Wochenendhäuser heuer stärker anziehen als Eigentumswohnungen im Zentrum.

Nachfrage eher im niedrigpreisigen Segment

Vor allem im niedrigpreisigen Segment ziehen die Preise stärker an – da hier die Nachfrage größer ist als im hochpreisigen Segment. Das bedeutet, dass die Wohnpreise im obersten Preissegment unverändert bleiben, im mittleren Segment rechnen die Remax-Experten mit einem Preisanstieg von 1,7 Prozent und im untersten Segment mit einer Verteuerung um 3,2 Prozent – da hier die Nachfrage besonders stark wächst.

Mieten stagnieren

Freie Marktmieten, die nicht der gesetzlichen Preisdeckelung unterliegen, stagnieren heuer. Leicht sinken werden Wohnungsmieten in Landgemeinden und am Stadtrand. Was das für wohnungssuchende Mieter bedeutet? Sie sollen die Angebote am Markt vergleichen, denn das Angebot steigt und drückt auf die Preise, so die Experten. 2020 wurden sehr viele Immobilien in Österreich fertiggestellt – vor allem Mietwohnungen. Da aber durch Lockdowns geprägten Jahr 2020 weniger neue Wohnungen bewilligt wurden, wird das Angebot in den Jahren 2023 und 2024 stark sinken, ist Sandra Bauernfeind von EHL Immobilien überzeugt.

Gewerbeimmobilien im Minus

Deutlich im Minus sind Gewerbeimmobilien – siehe Grafik. Hier sind die Aussichten für das aktuelle Jahr so schlecht wie zuletzt 2015, betont Anton Nenning. Die Mieten und Kaufpreise für Geschäftslokale, Büroflächen, Gewerbeobjekte und Betriebsgrundstücke sinken im Österreich-Durchschnitt je nach Kategorie zwischen 2,6 und 5,9 Prozent. Die Ausnahme von dieser Entwicklung sind Logistikimmobilien, sie werden aufgrund des erstarkten Onlinehandels vermehrt nachgefragt – von Nutzern und Investoren, die Preisentwicklung ist deutlich positiver.

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