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Wirtschaft Immobiz
08/29/2021

Im Talk: Das Duo hinter dem Instagram-Kanal "Wie Wien wohnt"

Marie Louise Gahleitner und Hannah Doppel zeigen mit ihrem Fotoprojekt „Wie Wien wohnt“ mehr reales Leben auf Instagram. Das dynamische Duo im Gespräch.

von Nicole Zametter

KURIER: Was motiviert die Menschen, derart private Einblicke zu gewähren?

Marie Louise Gahleitner: Zum Einen sicher die Neugierde. Wir schauen gerne anderen zu, holen uns Anregungen aber gleichzeitig wollen wir auch andere inspirieren.

Hannah Doppel: Jeder hat seinen eigenen Stil. Möbelkataloge sind zwar schön, aber eben vorbei an der Lebensrealität. Die Bilder, die die meisten Likes erhalten, sind auch nie die perfekten Wohnungen, sondern immer die ungewöhnlichen. Wir wollen Unerwartetes sehen, den Menschen irgendwie kennenlernen. Vor allem in Lockdown-Zeiten war das ein Antrieb.

Nach über 200 Bildern und Wohngeschichten: Wie wohnt Wien? Gibt es Verbindungen, Ähnlichkeiten?

Gahleitner: In den Wohnungen der Leute meiner Generation stehen sehr viele Zimmerpflanzen. Aber sonst findet man mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. Das hat mich eigentlich überrascht. Ich dachte, dass jede Wohnung im Prinzip gleich aussieht, weil wir alle ähnliche Inspirationen erhalten.

Doppel: Das Überraschendste ist, dass wirklich jeder in seiner Wohnung eine Ecke hat oder einen Gegenstand, der einfach supercool ist. Die Bewohnerinnen sehen das Besondere oft gar nicht mehr, weil sie ja täglich damit leben. Aber uns fällt das dann auf. Wir sehen viele DIY-Projekte, viel Kunst und Reisemitbringsel. Ich habe das Gefühl, dass bewegliche Stücke wichtiger sind, als die Räume. Wir ziehen alle oft um, da hat man lieber schöne Gegenstände, die man leicht mitnehmen kann. Das neue Nomadenleben.

Druid Mac Tire, 1150

Amjad, 1200

Fartun, 1210

Viktor, 1010

Wie alt sind die jüngsten und ältesten Teilnehmer?

Doppel: 19 und 92. Der Großvater einer Freundin, der niemals von dem Projekt erfahren hätte. Aber er fand es total spannend. An die ältere Generation ranzukommen ist im Moment noch ein Problem für uns. Einerseits durch Corona, andererseits wissen sie natürlich auch nicht von uns. Da gehen wir oft aktiv vor. Wir freuen uns aber über jede Lebensrealität.

Wen würdet ihr gerne besuchen?

Gahleitner: Raf Camora steht ganz oben auf unserer Wunschliste. Wir würden uns aber auch sehr über Alexander van der Bellen freuen. Der wäre aber genauso nur der Alexander bei uns. Wir wollen keine Influencer, nichts Inszeniertes, aber gerne Prominente, die private Einblicke gewähren und sich zeigen wie du und ich. Niemand bekommt ein Special Treatment, alle sind gleichberechtigt bei uns.

Welche Wohngeschichten beeindrucken euch am meisten?

Gahleitner: Da gibt es sehr viele. Menschen, die nach Wien kommen, sie haben oft die interessantesten Geschichten. Ein syrischer Flüchtling, der in seinem winzigen Wohnbereich glücklich war, hat mich besonders berührt.

Doppel: Die Vielfalt in Wien liegt uns am Herzen. Zwischenstopps oder Lebensphasen, wo man vielleicht kein Zuhause hat. Das sind natürlich auch sensible Themen, die hart anzusprechen sind. Bei all den schönen Bildern und den spannenden Einrichtungen ist uns vor allem wichtig zu sagen: Wohnen ist ein Menschenrecht. Ob schicker Altbau, Gemeindewohnung oder Studenten-WG – all das sind Reflexionen von den Lebensphasen, in denen sich die Menschen gerade befinden.

Über das Projekt: Wie Wien wohnt

Im Herbst 2019 starteten Marie Louise Gahleitner und Hannah Doppel nebenberuflich damit, Freunde und Familie in ihren Wohnungen zu fotografieren. Pandemiebedingt erhielt das Projekt ab März 2020 Aufschwung. Der Blick  in andere Lebenssituationen wurde zum wichtigen Teil des Alltags in Lockdown-Zeiten. Die Bilder werden  mit Vornamen und Wohnbezirk hochgeladen. Inzwischen haben mehr als 200 Menschen private Einblicke gewährt, über 7000 folgen dem Projekt, Tendenz steigend. 
Aufgrund der hohen Nachfrage haben die Projektleiterinnen eine weitere Plattform gegründet: Wie Österreich wohnt steht noch in den Startlöchern, aber auch diese Seite folgt demselben Prinzip. Pläne für die Projekte gibt es viele: Interviews und Videocontent könnten bald folgen, auch Kooperationen wären wünschenswert.  

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