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Wirtschaft Immobiz
01/24/2021

Im Homeoffice und dann ständig dieser Lärm?

Wenn Lärm zur psychischen Belastung wird, kann er uns krank machen. Psychoakustiker Bernhard Laback über Schutzmaßnahmen.

von Nicole Zametter

KURIER: Herr Laback, was genau ist Lärm?

Bernhard Laback: Die Einschätzung, was wir als Lärm empfinden, hängt ganz stark von der Einstellung des Betroffenen zum Signal ab. Ein Motorradfahrer wird sich nicht am Geräusch des Motors stören, während ein Umweltaktivist eventuell damit ein sehr großes Problem hat. Und das bei physikalisch gleichem Lärmpegel.

Also ist Lärm eine individuelle Größe?

Ja, es gibt keine konkrete Definition. Schon sehr leise Geräusche können als Lärm empfunden werden, wenn man zum Beispiel den tropfenden Wasserhahn hernimmt. Das ist ein sehr geringer Schalldruckpegel, wenig Signal. Trotzdem kann das gerade in der Nacht als extrem störend empfunden werden. Ganz allgemein gilt: Ein schrilles Geräusch mit vielen hochfrequenten Anteilen, wie etwa eine Kreissäge wird störender empfunden als Wellenrauschen. Neben den rein physikalischen Signalaspekten, kommen auf der zweiten Ebene auch psychologische Faktoren wie Assoziation und Erfahrung hinzu. Diese können ein Geräusch dann mehr oder weniger störend erscheinen lassen.

Psychologisch betrachtet geht es also um die Beziehung zum Geräusch?

Korrekt. Nehmen Sie Bahnfahrer und Autofahrer her. Für Autofahrer ist Autolärm bei gleichem Schalldruckpegel deutlich weniger störend als Bahnlärm und umgekehrt. Die psychologischen Faktoren wirken allerdings primär im Wachzustand. Auch im Schlaf wirkt Schall aber auf den Körper. Es gibt einen gewissen Anregungspegel neuronal, der dann zu Stressreaktionen führen kann. Wenn das länger anhält, kann das auch zu ernsthaften Herz-Kreislaufproblemen führen.

Wie passiert das genau?

Der Lärm sorgt für einen erhöhten Stresspegel. Tagsüber verstärkt durch Ärger oder Aggression dem Geräusch gegenüber. Aber auch nachts steigt der Cortisolspiegel im Körper an durch Lärmbelastung. Das führt dann zu Bluthochdruck, Arteriosklerose und anderen Folgeerkrankungen. Aber natürlich sind das Langzeiteffekte. Gerade in Bezug auf Baustellenlärm kann das zur großen Belastung werden.

Bernhard Laback arbeitet am Institut für Schallforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 

Diese Maßnahmen können helfen

Kann man lernen, mit Lärm umzugehen?

Das ist schwierig. Denn es ist in etwa so, wie zu sagen: denk nicht an den rosa Elefanten. Aber natürlich kann man die Umstände ändern.

Was kann man effektiv tun?

Besser lärmisolierende Fenster könnten ein erster Schritt sein. Für Menschen an stark befahrenen Straßen oder anderer Dauerlärm-Belastung, gibt es auch städtische Förderungen für den Lärmschutz. Wer nicht auf das offene Fenster im Schlaf verzichten will, der kann sich mit Lüftungsanlagen helfen. Ohrstöpsel sind auch hilfreich, da gibt es schon so viele verschiedene Modelle. Selbst direkt ans Ohr angepasste Stöpsel gibt es. Oder Kopfhörer, die Nebengeräusche ausblenden. Die helfen natürlich, wenn man sich konzentrieren muss. Dafür hört man natürlich auch nicht, wenn man aus dem Nebenzimmer gerufen wird.

Können wir uns auch mit psychischen Tricks helfen?

Die Überlegung „Woher kommt der Lärm und welchen Zweck hat er?“ kann durchaus hilfreich sein. Wenn der Lärm etwa auch nützlich ist, was er etwa beim Ausbau einer U-Bahn ja ist, kann das schon helfen, um sich weniger zu ärgern. Das funktioniert leider nicht mit jeder Lärmquelle, aber sich psychisch auszutricksen hilft oft.

Manche bekämpfen Lärm mit eigenem Lärm, wie lauter Musik. Ist das nicht paradox?

Störenden durch positiven Lärm überlagern ist auch eine Möglichkeit des Schutzes. Durch Musik oder Geräuschsimulatoren zum Beispiel. Der Störfaktor des Lärms hängt auch damit zusammen, wie stark er mit dem interferiert, was ich machen möchte. Wenn ich an einer Textaufgabe arbeite, fühle ich mich von Gesprächen sehr gestört. Musik in derselben Lautstärke würde aber die Konzentration nicht beeinträchtigen.

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