© Eduard Hueber, archphoto/ Baumschlager Eberle Architekten

Wirtschaft Immobiz
05/20/2020

Heilsame Architektur: Moderner Spitalsbau

Wie muss ein Krankenhaus gestaltet sein, dass es ein angenehmer Ort wird? Vier Beispiele zeigen, wie ein modernes Behandlungsumfeld aussieht.

Eigentlich ist der Spitalsbau kein Thema, das die breite Öffentlichkeit beschäftigt. Doch die Corona-Krise führt uns vor Augen, welche Anforderungen an Krankenhäuser und damit an deren Bauweise gestellt werden. Einerseits müssen der reibungslose Ablauf aller Behandlungen und hygienische Standards gewährleistet sein. Andererseits benötigen Patienten und Personal eine angenehme Atmosphäre, in der sie arbeiten und genesen können.

Architekten müssen all diese Aspekte in Einklang bringen. „Es ist eine Symbiose von medizinischer Funktionalität und guter Aufenthaltsqualität“, sagt Paul Katzberger. „Schon der erste Eindruck, den man beim Betreten hat, kann zum Untersuchungs- und Heilerfolg beitragen. Das Gebäude sollte Behaglichkeit vermitteln und Orientierung bieten.“ Gemeinsam mit Habeler & Kirchweger Architekten realisierte er das Klinikum in Mödling. Der Neubau beherbergt 350 Betten und ist in drei Pavillons mit unterschiedlichen Schwerpunkten angelegt.  

 

Multiresistente Erreger, gegen die keine Antibiotika mehr helfen, sind in Kliniken immer häufiger ein Problem. Insbesondere in Mehrbettzimmern werden Bakterien schnell übertragen und zur Gefahr für die Patienten. Diese müssen dann häufig im Einzelzimmer isoliert werden - was mit mehreren Nachteilen und höheren Kosten verbunden ist. 

Im Rahmen des Projekts "Karmin" forscht ein Team aus Architekten der TU Braunschweig gemeinsam mit Molekularbiologen und Medizinern, ob Krankheiten mithilfe von Architektur verhindert werden können. Das Team entwickelte dazu ein infektionssicheres Zweibettzimmer inklusive zwei Nasszellen. Getrennte Bäder würden mehr Hygiene zu gewährleisten, die Mehrkosten würden sich durch wegfallende Behandlungskosten gegenrechnen. Darüber hinaus zeigt sich, dass besser leicht zu reinigende Oberflächen statt antimikrobieller Materialien eingesetzt werden sollten. Letztere würden nämlich auch nützliche Mikroorganismen abtöten. 

Auf dem Boden wurde der Kautschuk-Bodenbelag Noraplan sentica verlegt. Im Unterschied zu anderen elastischen Böden kommt dieser Belag aufgrund seiner extrem dichten Oberfläche ohne Beschichtung aus. Ein Absperren der Bereiche während der Reinigung und Desinfektion entfällt daher, der Betrieb muss nicht unterbrochen werden.

Der Prototyp für das zukunftsweisende Patientenzimmer soll im Oktober 2020 beim „WorldHealth Summit“ in Berlin präsentiert werden.

www.karmin.info/patientenzimmer

 

Damit Patienten und Personal von einem guten Umfeld profitieren, muss so geplant werden, dass sich Blickbezüge nach draußen ergeben. Katzberger: „Patienten brauchen einen Tagesrhythmus, der im ganzen Haus spürbar ist. Und die Räume sollten Außenbezüge haben und die Natur oder das Stadtbild hereinholen.“ Ein kleines Detail, das viel bewirkt: Der Blick auf grüne Freiräume wirkt beruhigend und fördert die Heilungschancen. Positiv wirkt sich auch aus, wenn die technischen Geräte im Verborgenen bleiben. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Erfolge besser sind, wenn die Maschinen nicht sichtbar sind. 

Nicht immer kann ein Krankenhaus neu gebaut werden, sondern muss bei laufendem Betrieb modernisiert werden - eine logistische Herkulesaufgabe. Wie etwa in Vorarlberg in Bregenz, wo der Bestand aus den 1970er-Jahren erweitert und auf den neuesten Stand gebracht werden sollte. Über eine Bauzeit von 18 Jahren ergänzten Baumschlager Eberle Architekten das Haupthaus um zwei neue Anbauten. Sie optimierten interne Abläufe, schufen neue Verbindungen, kürzere Wege und werteten die Patientenzimmer auf. Das Ganze umhüllten sie mit einer Fassade aus hellem, opaken Glasscheiben. „Die Herausforderung war, den optisch-haptischen Gestaltungsanspruch mit den medizintechnischen, pflegerischen und hygienischen Vorgaben zu vereinbaren“, so die Architekten.

Auch in Dornbirn wird das städtische Krankenhaus in Etappen saniert und erweitert: Marte.Marte Architekten realisieren einen neuen OP-Bereich mit sieben Sälen, zentraler Einleitung, Umbett- und Aufwachraum und einem Fast-Track-Bereich für kleine operative Eingriffe. Auch die angrenzende Zentralsterilisation des Krankenhauses wird komplett erneuert.

Gelöst wurde die Aufgabe mit einem L-förmigen Zubau auf V-Stützen, der den Bestandsbau aus den 1970er-Jahren umgibt. Eine Fassade aus schwarzem Streckmetall schützt vor Einblicken. Zugleich lässt sie Licht herein und gibt den Blick nach draußen auf die vorbei fließende Ach frei. Die Beleuchtung trägt zum freundlichen Raumklima bei: Sie bildet den Verlauf der Sonne von früh bis spät nach und ergänzt so das Tageslicht auf eine natürliche Art und Weise. So kann  selbst der OP-Saal zum Ort mit Wohlfühlcharakter werden.