Göttliche Architektur: Sechs gigantische Sakralbauten

Göttliche Architektur: Sechs gigantische Sakralbauten
Zum Beten oder einfach nur Anschauen: In aller Welt werden Sakralbauten erweitert, renoviert oder neu errichtet

Ein Turm aus Glas, ein kleiner Wald, um die Biodiversität in der Stadt zu fördern, und ein öffentliches Schwimmbecken – der verheerende Brand am Dach der Pariser Kathedrale Notre-Dame 2019 war gerade erst gelöscht, da kursierten bereits Vorschläge für den Wiederaufbau der Kirche im Internet.

Göttliche Architektur: Sechs gigantische Sakralbauten

Der Entwurf vom Stockholmer Büro „Ulf Mejergren Architects“ zeigt einen Pool am Dach der Kathedrale Notre Dame – realisiert wird er nicht

Wiewohl die Ideen kreativ waren, konnte sich eine modernisierte Restaurierung nicht durchsetzen. Nach längerem Hickhack versicherte nun Präsident Emanuel Macron einen originalgetreuen Wiederaufbau der bedeutenden Pariser Dame – mit einem Kompromiss an alle Modernisten.

Immerhin: der Vorplatz der Kathedrale soll modernem Zeitgeist angepasst werden. Dafür lädt die Stadt Paris nun zum Architekturwettbewerb. Der Empfang müsse viel besser sein, als vor dem Brand, ließ der Verwaltungschef der Pariser Erzdiözese die zukünftigen Teilnehmer wissen. Die Gewinner sollen 2021 feststehen.

Sakralbauten im Stadtbild wichtig

„Im Stadtbild nehmen sakrale Bauten einen besonderen Platz ein. Die Identität der Bevölkerung misst sich an diesem Punkt“, erklärt Harald Gnilsen, Baudirektor der Erzdiözese Wien.

Daher sei die Gestaltung von Glaubenshäusern auch heute noch eine besondere Herausforderung für Architekten. Das zeigt der Architekturwettbewerb des Campus der Religionen, bei dem Sakralbauten für acht Weltreligionen sowie den Neubau der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) in der See-stadt Aspern zusammengefasst werden. „Wir haben das Siegerprojekt von Burtscher-Durig aus über 40 Vorschlägen ausgewählt“, sagt Gnilsen, Initiator des Projekts.

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Leerstand und Umnutzung

Während in neuen Stadtteilen wie der Seestadt Aspern Kirchen erst errichtet werden müssen, ist in bestehenden Häusern das „Bedürfnis für Religionsausübung sehr schwankend“, erklärt der Bauamtdirektor. Konkret: Wenn Kirchen nicht besucht werden, ist ihr Erhalt sehr schwierig.

Gnilsen: „In diesen Fällen können Kirchen an andere Konfessionen vereignet oder verliehen werden, auch eine Profanisierung, sprich eine komplett neue Nutzung, ist nicht auszuschließen.“ Dies sei aber der allerletzte Ausweg. „Das Haus Gottes gibt man nicht so schnell her.“

Ob Architektur dazu beitragen kann, dass die Besucherzahlen wieder steigen? „ Es wird mehr auf den Inhalt als auf die Hülle ankommen“, sagt Kirchen-Planer Stefan Puschmann von f2p Architekten. „Aber moderne Architektur kann dazu beitragen, wieder mehr Menschen für die Kirche zu interessieren.“ Das beweisen die folgenden sechs Bauten.

1. Wotruba Kirche - Ikone des Brutalismus

Gelegen auf dem Georgenberg im 23. Bezirk in  Wien, ist die Architekturikone nur zu Fuß über einen Hang erreichbar. „Eine barrierefreie Erschließung stand schon lange im Raum. Zudem ergab  sich eine Platznot“, sagt Architekt Stefan Puschmann.

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„85 Prozent der Nutzung passiert im Geschoß unter der Kirche. Dort gab es keinen einzigen Raum mit Tageslicht.“ Entwurfsgedanke war die Beziehung von Alt und Neu. Der Zubau wurde im Hügel integriert, ohne die Oberkirche zu beeinflussen.

Nur der gläserne Kubus des Lifts  befindet sich auf dem  Niveau der Kirche. Der neue Mehrzweckraum öffnet sich zum vorgelagerten Hof, daneben sind WCs und Lagerräume  entstanden. Gebaut wurde   mit den  Materialien der Kirche,    Beton und Glas, innen  mit Lärchenholz ausgekleidet. 

2. Kirche in Lausanne

Klare Linien haben die bestehenden Bauelemente der Neuapostolischen Kirche (NAK) in Lausanne geprägt. Dem Architekturbüro „Local Architecture“ mit Sitz in Zürich war wichtig, diese „diagonalen Linien, welche die Organisation der Räume und Zirkulationsströme untermauern und bestimmendes Merkmal sind“, beizubehalten.

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Im Neubau sollte zudem eine moderne Leichtigkeit und Offenheit integriert werden. „Wir wollten die bestehende Struktur erhalten und mit einer neuen Vision verbinden“, so die Architekten. Gelungen ist das, indem die Fassade mit Sichtbeton neu gestaltet und an aktuelle Energiestandards angepasst wurde.

Die Außenwände sind in Anlehnung an Flügel gestaltet, die sich öffnen, um Besucher zu empfangen.

3. Fatimakirche in Lagares, Portugal

Auf 1614 Quadratmeter steht die Fatimakirche der Architekten „FCC Arquitectura“ in der portugiesischen Stadt Felgueiras. Die Bauarbeiten dauerten insgesamt 14 Jahre. Die Kirche steht auf einem Hügel, der von Treppen begangen werden kann. Oben angekommen führen geschwungene Wände zum Haupteingang.

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Ihre Form soll einladend wirken und gleichzeitig Schutz bieten. „Das Entwerfen einer Kirche scheint uns ein ideales Instrument für die Suche nach einer mystischen und ausdrucksstarken Dimension zu sein“, so die Architekten. Auch in Inneren spiegeln sich katholische Symbole wie Fische (wundersame Vermehrung) und Wassertropfen (Reinigung und Segen) wider.

4. Punchbowl Moschee in Sydney

In Sydney, Australien, ist  eine moderne Moschee mit einem Betongewölbe-Dach entstanden. Das im Vorort Punchbowl gelegene Gebetshaus bietet Platz für 300 Gläubige. Es zeichnet sich durch einen zentralen Gottesdienstraum  aus, dessen Decke  mit halbierten Kuppeln bestückt ist.

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Davon weist jede ein  Loch auf, durch das Licht auf die Innenwände fällt. Der Grundriss sieht zudem zwei von einander abgetrennte Innenhöfe mit geschlechtsgetrennten Wegen für die erforderlichen Waschungen vor dem Gebet vor. Auf das übliche alles überragende Minarett verzichten die Architekten:  Es ist unauffällig als tonnenförmigen Vorsprung in die Fassade integriert.

5. Neue Synagoge in Regensburg

Es war eine Bauaufgabe mit Widersprüchen: Einerseits sollte sich die neue Synagoge als modernes Gebäude  im Zentrum der deutschen UNESCO-Kulturerbe-Stadt einfügen. Andererseits sollte es trotz hoher Sicherheitsanforderungen Offenheit demonstrieren. 

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Staab Architekten brachten dies mit ihrem Konzept auf einen Nenner: Sie gestalteten einen  Kubus mit einer massiven Hülle aus  Stein. Darüber wölbt sich  eine flache Kuppel. Im Kontrast dazu ist der Synagogenraum aus hellem Holz gestaltet.

Die Lamellen ragen über die Seitenwände in die Kuppel hinaus, von der Tageslicht ins Innere fällt.   Einblicke werden durch eine Glasscheibe in die Bibliothek gewährt, die öffentlich zugängig ist.

6. Religiöses Gemeinschaftszentrum

Bereits 2006 ist der Architekturwettbewerb für ein neues Kirchen und Gemeinschaftszentrum in Castel di Lama (Provinz Ascoli Piceno in Italien) ausgeschrieben worden. Eröffnet wurde der Entwurf von Studio Contini schließlich 2019.

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In diesen Jahren ist ein städtischer Raum entstanden,  der für heilige Messen genauso wie sportliche und kulturelle  Aktivitäten genutzt werden soll. Um den Menschen zudem ausreichend Platz zu bieten, wurde auf einen klassischen Tempel verzichtet.

Der Boden und die Fassade bestehen aus Travertin, einem für die Region typischen Kalkstein. Der Innenraum ist elliptisch um den Altar gebaut. Oberlichten bringen den ganzen Tag natürliches Licht.

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