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Wirtschaft Immobiz
07/24/2021

Der Expo-Architekt: Warum Gerd Erhartt mit Emotion Punkten will

Gerd Erhartt hat den Österreich-Pavillon für die Expo entworfen. Was hinter dem Konzept steckt erzählt er dem KURIER

von Sandra Baierl

Die Expo wird riesig: 190 Länder werden auf dem 440 Hektar großen Gelände in Dubai vertreten sein. Architekt Gerd Erhartt und WKO-Projektleiter Philipp Schramel erklären, wie Österreich bei der bald beginnenden Weltausstellung herausragen will.

KURIER: Herr Architekt, wir werden bei der Expo mit Ihrem Pavillon vertreten sein: 38 weiße Kegel. Was ist Ihre Idee dahinter?

Gerd Erhartt: Es ist ein sehr einfaches Konzept. Wir stellen Kegel in einem Raster auf und verschneiden sie miteinander. Das Ergebnis ist wie eine Säulenhalle. Weil die Kegel in unterschiedlichen Höhen abgeschnitten sind, entstehen verschiedene Lichtstimmungen und eine ständige Luftzirkulation durch die unterschiedlichen Druckverhältnisse. Ziel ist es, dass wir ohne künstliche Energie ein angenehmes Klima schaffen.

Warum haben Sie sich für eine lokal Bauweise entschieden?

Gerd Erhartt: Ich glaube, es ist eine gute Tradition, mit Respekt dem Gastgeberland gegenüber zu treten.

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Gerd Erhartt: Die arabische Kultur ist sehr reichhaltig, wenn man in diesem Raum baut, muss man sich damit auch auseinandersetzen. Es gibt in der arabischen Architektur das Planen mit dem Luftzug. Das haben wir übernommen.

Und Sie wissen, dass dieses Konzept funktionieren wird?

Gerd Erhartt: Früher hat man viele Versuche gebraucht, um so etwas auszuprobieren. Da konnte man nicht im Voraus berechnen. Heute braucht man viel Ingenieurskunst. Da spielt unsere gesamte Kompetenz rein im ökologischen Bauen und im Energiesparen.

Wer wird das bauen?

Gerd Erhartt: Firmen vor Ort. Es in Österreich zu bauen, wäre ökologisch nicht sinnvoll. Der Lehm kommt aus der nächsten Lehmgrube, die in Dubai vorhanden ist. Auch das Beton-Fertigteilwerk ist direkt in der Nähe des Expo-Geländes.

Man kann den Pavillon demontieren und weiter verwenden. Was könnte daraus werden?

Gerd Erhartt: Wir haben einen konkreten Nachnutzer, die Verträge werden gerade vorbereitet. Vermutlich wird er auf dem Gelände einer Universität im arabischen Raum errichtet werden.

Insgesamt also ein guter -Fußabdruck.

Gerd Erhartt: Ja, gerade durch die Nachnutzung. 50 Prozent der negativen -Emissionen entstehen in der Produktion. Wenn man ein Gebäude nur kurzfristig nutzt, ist das nicht klimafreundlich. Insofern ist der Stephansdom in Wien eines der nachhaltigsten Gebäude überhaupt.

Wann wird ein Gebäude länger oder weiter genützt?

Gerd Erhartt: Wenn es emotional berührt. Die Weiternutzung beziehungseise Längernutzung ist der wichtigste Gegenspieler der Wegwerfgesellschaft. Wir müssen zurückkommen zu Produkten, an die wir uns emotional binden.

Philipp Schramel, Sie sind Projektleiter der Expo in der WKO. Warum hat dieses Objekt überzeugt?

Philipp Schramel: Es ist eine Hommage an das Gastland. Alles, was drin ist an Know-how und Technologie kommt aber aus Österreich. Wir wollten nicht mit Klischees arbeiten, wollten aber zeigen, was wir zu bieten haben.

Es werden 190 Länder bei der Expo vertreten sein. Weiß man, was die anderen machen werden?

Gerd Erhartt: Im Vorhinein nicht. Man ist dann zum Teil überrascht, was man sieht. Der spanische Pavillon arbeitet auch mit Kegeln, sieht aber ganz anders aus.

Wird unser Pavillon herausragen?

Gerd Erhartt: Glaube ich schon, weil es etwas komplett anderes ist als eine normale Messearchitektur. Es wird für den Besucher ein ganz anderes, physisches Erlebnis sein. Letztlich ist eine Expo ein Wettbewerb der Aufmerksamkeit. Österreich als kleines Land hat weniger budgetäre Möglichkeiten. Aber wir werden mit Emotion überzeugen. Wir wollen mit dem Pavillon die Sinne ansprechen.

Philipp Schramel: Ich war schon dort, unser Pavillon ist zwischen dem mächtigen China (Gebäude in Lampion-Form, Anm.) und der Schweiz (Gebäude wie eine umgedrehte Pyramide, Anm.) aufgebaut. Wir stechen gut heraus. Unser Pavillon spiegelt sich sogar in der Fassade der Schweizer.

Österreichs Pavillon scheint durch Reduktion zu glänzen. Ich erinnere mich an die Expo in Mailand, wo man in manchen Pavillons von der Show übermannt wurde.

Gerd Erhartt: Man muss auf der Expo verknappen. Die Problematik ist immer, dass man in der Versuchung ist, alles Mögliche transportieren zu wollen. Letztlich ist man dann ein Fraktal der gesamten Informationsüberflutung. Wenn man es schafft, zu reduzieren und zu fokussieren, dann punktet man. Diesen Schritt muss man wagen und man macht sich damit auch angreifbar, weil man vieles eben nicht zeigt.

Als Architekt mit einer Expo verbunden zu werden: Etwas, das Sie immer wollten?

Gerd Erhartt: Wir sind der Überzeugung, einen Beitrag leisten zu wollen, einen kleinen Fußabdruck. Es ist die Möglichkeit, viele Menschen anzusprechen.

25 Millionen Besucher werden erwartet.

Philipp Schramel: Es sind Besuche. Die Expo hält trotz aller Corona-Wirren an dieser Zahl fest. Man wird sehen, was die Weltlage letztlich zulässt.

Weltausstellungen gibt es seit 170 Jahren. Ist so etwas wie eine Expo, wo man viel bauen muss, Menschen aus aller Welt einfliegen, im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Umwelt noch zeitgemäß?

Gerd Erhartt: Aus meiner Sicht ist es natürlich problematisch. Aber: Physische Treffen sind für die Menschen essenziell. Wir haben durch Corona gelernt, dass wir viel digital machen können. Der persönliche Austausch scheint mir aber wichtiger denn je.

Philipp Schramel: Eine Expo ist mehr als nur Ausstellung: Sie ist Inspiration und Erlebnis mit allen Sinnen. Weshalb ich glaube, dass sie ihre Berechtigung hat.

Im Interview: Architekt Gerd Erhartt und Philipp Schramel (WKO, re.)  

Licht, Schatten und viel Luft: die verschnittenen Kegel schaffen spannende, angenehme Innenräume 

Architekt Gerd Erhartt von 'querkraft architekten'  zeigt sein Konzept seines Modell für die Expo

So sieht der Pavillon Österreichs bei der Expo in Dubai (findet ab 1. Oktober statt) aus:  Abgeschnittene Kegel, die durch ihre Offenheit oben Licht und Luft ins Innere lassen (li.). 
 

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