So könnte Wohnen billiger werden

Wohnhaus, Hof, parken, Altbau…
Foto: Deutsch Gerhard

Auf niedrige Bauten noch ein paar Stockwerke drauf – so lautet einer der Vorschläge.

Der Ausblick in den Hinterhof wäre ja vielleicht noch in Ordnung. Immerhin sind die Fenster neu. Vierter Stock ohne Lift – kann immerhin das Fitnesscenter ersparen. Kein Schönreden gibt es allerdings, wenn es um die Miete geht. 15 Euro pro Quadratmeter allein Miete, dazu kommen fast noch einmal so viel für die Betriebskosten. Für das junge Paar, das die Wohnung besichtigt hat, einfach unleistbar.

Vor allem in heimischen Ballungszentren sind die Mieten in lichte Höhen geschossen. Für kleinere Einkommen gibt es viel zu wenig Wohnraum. Es gibt aber eine Reihe von Vorschlägen, wie diese Misere zumindest gelindert werden kann:

Aufstocken Bauland zu vernünftigen Preises ist rar, vor allem in Wien. Der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) schlägt vor, niedrigere Wohnbauten (mit oft nur ein, zwei Stockwerken) aufzustocken. In Wien würden sich vor allem breite Straßenzüge außerhalb des Gürtels – die ehemalige Vorstadt – dafür eignen. Wer aufstockt, soll auch die Qualität des Hauses verbessern müssen, fordern die Experten – etwa den Hof begrünen.

Einkommenskontrolle Für den sozialen Wohnbau (der gefördert wird) wird ein System der Einkommenskontrolle vorgeschlagen. Wer zu viel verdient, soll zwar nicht ausziehen, aber doch mehr Miete zahlen müssen. So könnte vermieden werden, dass jene, die jetzt um vieles mehr verdienen als beim Anmieten der Wohnung, weiter gefördert werden.

Billiger Bauen Neben den reinen Mieten sind es aber auch überschießende rechtliche Vorgaben für den Wohnungsbau und die Sanierung, die Wohnen teuer machen, kritisiert der ÖVI. Energieeffizienz, Brandschutz oder Barrierefreiheit – in vielen Punkten haben die Bundesländer ihre Bauordnungen laufend verschärft. Das heißt, dass Bauen immer teurer geworden ist, weil unzählige Auflagen zu erfüllen sind. Wirklich nötig wäre das allerdings nicht. „Wir liegen bei den Baustandards im internationalen Vergleich weit über dem Niveau anderer Länder“, sagt ÖVI-Vizepräsident Klaus Wolfinger. Dieses Musterschüler-Dasein müsse nicht sein.

Energie Aber auch die EU trägt zur Preistreiberei bei: Sie hat in einer Richtlinie vorgeschrieben, dass Gebäude spätestens in sieben Jahren so gut gedämmt sein müssen, dass sie praktisch ohne herkömmliche Energie (wie Öl oder Gas) auskommen müssen. Viel billiger wäre allerdings ein Niedrigenergie-Standard, plädiert Wolfinger für eine Änderung. „Die letzten Meter zum Passivhausstandard kosten sehr viel.“

Wartung Die Flut an vorgeschriebenen Wartungen und Überprüfungen (von Heizanlagen über Elektrik, Aufzüge bis zu Thermen) verursachen weitere Kosten. „Man kann sich mitunter des Eindrucks nicht erwehren, dass sich über diesen Weg immer mehr Branchen neue Tätigkeitsfelder sichern“, kritisiert ÖVI-Präsident Udo Weinberger. Sein Vorschlag: weniger und seltener.

Auf dem freien Wohnungsmarkt (wie vermietetes Eigentum) sind die Mieten zuletzt auf durchschnittlich 14,45 Euro pro Quadratmeter im Monat gestiegen – ohne Betriebskosten für Haus und Wohnung. Deutlich niedriger sind Mieten im reglementierten Markt (siehe Grafik). Dazu zählen Gemeinde-, Genossenschaftswohnungen und solche, die dem Mietrecht unterliegen, wie Altbauten vor 1945. Das Mietsystem zu vereinfachen, könnte dazu beitragen, Wohnbau leistbarer zu machen.

Ein verlassenes Haus im Norden Detroits im Dämmerlicht - gespenstisch und anmutig zugleich. Diese "abandoned homes" sind ein Zeichen dafür, wie sehr die Weltmacht USA derzeit mit sich zu kämpfen hat. Nicht fertiggestellt, zerstört, verlassen, unbewohnt: Abertausende Häuser dienen heute als Mahnmal der schwersten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren. Ein zerschlissenes, weißes Sofa im Vorgarten eines Rohbaus (in Davie, Florida): Vielerorts erobert sich die Natur den Raum zurück. Zwischen 2005 und 2011 gab es allein in Detroit, der größten Stadt Michigans, mehr als 70.0000 "Foreclosures" (also den Verfall des Hauses bzw. Grundstücks an den Gläubiger). Oder Youngstown (Ohio). In der gleichnamigen Hymne sang Bruce Springsteen 1995 über den Niedergang der US-Stahlindustrie, der in den 1970er Jahren den "Rust Belt" heimsuchte. Heutzutage trifft "der Boss" mit gesellschaftskritischen Liedern erneut den Nerv der Zeit. Aber es wäre nicht Amerika, wenn die Bewohner der arg gebeutelten Region nicht an eine neue Blütezeit glauben würden. Wie kam es eigentlich zu der Misere? Die US-Notenbank senkte in den Nuller Jahren die Leitzinsen, um die Wirtschaft anzukurbeln, Geld wurde immer billiger und günstige Kredite noch leichter zu haben. "Refinance your loan" (refinanziere deinen Kredit) wurde zum Slogan. Der Wunsch vieler Amerikaner nach einem eigenen Haus wurde von der Bush-Regierung gefördert. So gaben Banken auch Verbrauchern mit geringer Kreditwürdigkeit und ohne solide finanzielle Basis bereitwillig Kredit. Bis die Blase irgendwann platzte, das System kollabierte. Neben mit Fabriksschließungen einhergehende Arbeitsplatzverluste verstärkten etwa auch Verstädterung oder Überalterung die Problematik. Buffalo (Bundesstaat New York) hat heute etwa halb so viele Einwohner wie in den 1950er Jahren. Vor allem die Verschandelung der verwaisten Häuser mit Graffiti etc. wurde zum Problem. In Brightmoor, Detroit (Michigan) wurde es den Menschen zu viel. Mit einer Wandmalerei vor einem leerstehenden Haus protestierte die Nachbarschaft gegen die Verschandelung der Wohngegend. Und ebenfalls in Detroit haben bereits 2010 zwei Künstler dieses Häuschen mit Eis verkleidet, um auf die Immobilien-Misere aufmerksam zu machen. Doch nicht immer war in den vergangenen Jahren die Immobilienkrise am Zustand der Häuser schuld, der Mensch aber dennoch oftmals involviert, wie folgende Beispiele zeigen... Oben der glänzende Vollmond, unten die verseuchte Stadt. Giftiger Staub durch jahrelangen Blei-Abbau haben Picher (Oklahoma) zu einer Geisterstadt werden lassen. Surreal erscheint dieser Ort, als ob es sich um eine extra ausgeleuchtete Filmkulisse handeln würde. Dabei war es Naturgewalt Katrina, die 2005 dieses Haus am Stadtrand von New Orleans so zurückließ. Diese hochpreisigen Immobilien an der Golfküste stehen trotz der exklusiven Strandlage leer. Das Areal wurde nach der Explosion der Ölbohrinsel Deepwater Horizon im April 2010 gesperrt. Und letztlich hat Hurrikan Sandy im Herbst 2012 nicht nur dieses Haus in Shinnecock Bay in Southampton (New York) unbewohnbar gemacht. Ein Aufwind ist zu spüren, allerdings werden in den USA immer noch nur rund ein Viertel so viele Eigenheime verkauft wie im Juli 2005, hieß es Ende 2012. Auch in etlichen europäischen Ländern schlug die Immobilienkrise heftig zu, wie hier in Irland. Auch Spanien leidet massiv unter einer Immobilienkrise, deren Ende nicht abzusehen ist. 2011 ging für die Baubranche als das schlechteste Jahr seit Jahrzehnten in die Annalen ein. Spanien hatte zuvor einen Bauboom erlebt, mit einem Anstieg der Immobilienpreise um 150 Prozent. Die Baubranche stieg zeitweise zum wichtigsten Sektor der Wirtschaft auf - noch vor dem Tourismus. Doch der Boom war überwiegend auf Pump finanziert. Noch immer gelten die Immobilien als überbewertet.
Geldanlage

Investment in Immobilien boomt auch heuer wieder

Der Trend zu Immobilien hält auch 2013 an. In Österreich ist das Investitionsvolumen in gewerblichen Immobilien (Büros, Lagerhallen) im Vorjahr um etwa 150 Mio. Euro auf 1,65 Milliarden Euro geklettert, drei Viertel davon entfielen auf Wien.

Vor allem deutsche Fonds sind auf der Suche nach geeigneten Objekten, aber auch österreichische Stiftungen und Privatinvestoren.

In Deutschland wird der Immobilienboom einer Studie zufolge nicht von ausländischen Investoren getrieben. Ausländer hätten 2011 in Deutschland nur Immobilien im Wert von 685 Millionen Euro gekauft, geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hervor. „Die Angst, dass ausländische Investoren Deutschlands Immobilienmarkt fest im Griff haben, ist unbegründet“, so die Experten.

Viele Anleger fühlen sich bei Investitionen in Sachwerte besser abgesichert, die niedrigen Zinsen beflügeln den Boom.

(KURIER) Erstellt am
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