© Nandakumar S Harida/Greenpeace

Wirtschaft
02/22/2021

Illegal verschiffter Plastikmüll zurück in Österreich

700 Tonnen nicht-recycelbarer und mit Chemikalien belasteter Plastikmüll wurde aus Österreich illegal nach Malaysia exportiert. Jetzt ist ein Teil des Mülls zurück.

Rund 100 Tonnen jenes Plastikmülls, der voriges Jahr illegal nach Malaysia gelangte, ist wieder in Österreich eingetroffen.

Insgesamt wurden allein im Vorjahr 28 Container mit Plastikmüll illegal aus Österreich nach Malaysia exportiert. Da der kontaminierte Müll dort nicht recycelt werden konnte, landeten Teile davon schließlich auf einer Deponie. Vier Container mit rund 100 Tonnen Plastikmüll blieben im Zoll stecken und wurden von den österreichischen Behörden zurückgeholt.

Experten des Umweltbundesamts werden in den nächsten Wochen die Abfälle untersuchen, um festzustellen, mit welchen Chemikalien sie belastet sind und in welcher heimischen Anlage sie umweltgerecht entsorgt werden sollen.

Das Ergebnis der Analyse wird auch über ein etwaiges Strafmaß für die am Export beteiligten österreichischen Unternehmen entscheiden.

Im Oktober 2020 hatte Greenpeace gemeinsam mit einem Team von ORF ZIB 2 und orf.at aufgedeckt, dass über 700 Tonnen nicht-recycelbarer und mit Chemikalien belasteter Plastikmüll aus Österreich illegal nach Malaysia exportiert und dort teilweise deponiert wurden.

Interpol warnt, dass immer mehr Plastikmüll weltweit illegal gehandelt und in Ländern des Globalen Südens nicht fachgerecht entsorgt wird. Seit China 2018 die Einfuhr von Kunststoffmüll gestoppt hat, verlagert sich der globale Plastikmüll-Strom in südostasiatische Länder wie Malaysia.

Mit der EU-Kreislaufwirtschaft-Strategie versucht die Europäische Kommission nun, die Müllmengen in der EU zu reduzieren. Um die neuen Recycling-Vorgaben der EU ohne hohe Kosten zu erreichen, exportieren jedoch viele Unternehmen ihren Müll. Offiziell wurden 2019 aus der EU 1,7 Millionen Tonnen Plastikmüll exportiert - die inoffizielle Zahl wird noch viel höher geschätzt.

Unternehmen in Asien oder Afrika stellen dafür mitunter falsche Zertifikate aus, die vermeintlich bestätigen, dass der Müll dort recycelt wird. Ein Teil landet jedoch auf illegalen Deponien. In Boden- und Wasserproben in der Nähe von illegalen Deponien in Malaysia hat Greenpeace 2019 giftige Substanzen wie Blei, Cadmium, Phthalate, bromierte und chlorierte Flammschutzmittel gefunden.

Greenpeace fordert eine rasche und transparente Aufklärung des Falls durch die Behörden. Der Export von Abfällen in Staaten mit niedrigeren Umweltstandards als Österreich müsse verboten werden, so die Umweltschutzorganisation.

“Es ist ein ökologischer Skandal und Irrsinn, Abfälle über zehntausende Kilometer aus Österreich in ein ärmeres Land mit niedrigeren Umweltstandards zu verschiffen. Gerade aus Malaysia kennen wir viele Beispiele, wo die Verarbeitung oder Deponierung von importiertem Müll Menschen krank macht und Meere, Flüsse und die Natur verschmutzt. Wir brauchen dringend strenge Kontrollen, die sicherstellen, dass Unternehmen Verantwortung für ihren Müll übernehmen und ihre Abfälle umweltverträglich in Österreich verarbeiten”, fordert Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace in Österreich.

“Die Bundesregierung muss dem dreckigen Geschäft mit dem Müllhandel insgesamt einen Riegel vorschieben und sich auf EU-Ebene für restriktive, einheitliche Müllexport-Verbote einsetzen. Der Export von Abfällen in Staaten mit niedrigeren Umweltstandards als Österreich muss gestoppt werden und das Verbot muss streng kontrolliert werden. Um die Müllberge wirksam zu reduzieren, müssen Abfälle vermieden und die Lebensdauer von Produkten drastisch verlängert werden.

Produkte müssen so designt werden, dass sie keine Materialien enthalten, die nicht wiederverwendet oder wiederverwertet werden können. Das bedeutet zum Beispiel, dass weniger Chemikalien in Kunststoffen zugelassen werden sollen, dass wir Verpackungen wiederverwenden und Elektrogeräte reparieren können”, so Panhuber via Aussendung.

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