Der August war an der Wall Street ein toller Monat. Die neuen Arbeitslosenzahlen am Freitag werden zeigen, wie es weitergeht.

© APA/AFP/JOHANNES EISELE

Wirtschaft
09/01/2020

US-Börsen: Optimismus mit Signalwirkung

Finanzmarkt: Die Börsen sehen die Lage optimistisch. Jetzt bräuchte es nur noch einen Impfstoff.

von Angelika Ahrens

Wenn die Wall Street hustet, bekommt die Welt eine Erkältung, lautet eine alte Börsenweisheit. Momentan erfreut sich die Wall Street bester Gesundheit. Seit Wochen jagt ein Rekord den nächsten. Das S&P 500-Börsenbarometer mit den größten US-Aktien hat gerade den besten August seit mehr als drei Jahrzehnten hinter sich.

Der große Leitindex Dow Jones war Ende vergangener Woche erstmals seit Februar wieder im grünen Bereich. Und die US-Technologieaktien sind laut Bank of America Global Research mit mehr als neun Billionen Dollar (umgerechnet ca. 7.500 Milliarden Euro) mittlerweile mehr wert, als alle europäischen Aktien zusammen.

 

Einer der wesentlichen Treiber dabei sind etwa Neuanschaffungen für das Zeitalter des Homeoffice. Apple, der Goliath unter den Technologiefirmen, ist allein mehr als ungefähr 1.700 Mrd. € an der Börse wert. Das ist mehr als das BIP der Atommacht Russland.

Hohe Arbeitslosigkeit

Doch Wall Street ist nicht gleich Mainstreet. Mehr als zehn Prozent der Amerikaner sind arbeitslos. In New York City stieg die Arbeitslosigkeit im Juli sogar auf 20 Prozent, nachdem der Bürgermeister noch immer keinen Plan für das Wiederaufsperren der Restaurants hat. Die US-Wirtschaftsleistung ist von April bis Juni im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 30 Prozent eingebrochen. Und reihenweise sperren Geschäfte im ganzen Land für immer zu. Zudem steigen die Spannungen zwischen den USA und China wieder (Artikel unten).

An der Börse freilich herrscht Optimismus. „Alle Boote schwimmen auf der Welle der Hoffnung. Der Markt hofft auf einen Impfstoff und dass die Wirtschaft wieder voll aufsperrt und dass es weitere Unterstützung von der Regierung gibt“, erklärt Craig Johnson, Manager bei Piper Sandler gegenüber dem KURIER. Piper Sandler ist eine der führenden Investmentbanken an der Wall Street.

Börse glaubt ans V

Der Grund für die jüngsten Höhenflüge ist also, dass die Börse vorwegnimmt, was in sechs bis neun Monaten sein wird oder sein könnte. Derzeit geht man davon aus, dass sich die Wirtschaft am Ende rasch wieder erholen wird. Wie bei einem V. Es geht rasch runter, aber ebenso rasch wieder rauf. Die große Hoffnung an den US-Börsen ist in diesem Zusammenhang natürlich die, dass es zu Jahresende oder eben dann im Laufe des nächsten Jahres einen Impfstoff oder gar mehrere gibt.

Positiv wirkte sich zuletzt auch aus, dass die Amerikaner (auch durch die zusätzliche Arbeitslosenunterstützung von 600 Dollar pro Woche) im Juli mehr konsumiert haben, als erwartet. Der Binnenkonsum ist das Rückgrat der US-Wirtschaft. Derzeit treibt aber noch etwas ganz anderes die Börsen an: Die Angst, etwas zu verpassen. Viele Anleger haben ihr Geld noch immer in Geldmarktfonds geparkt. Laut Analysten geht es um mehr als vier Billionen Dollar. Doppelt so viel, wie im Juli vor zwei Jahren. Und die neuen Höchststände an den Börsen ziehen weitere Investoren und ihr Geld an.

Und was passiert jetzt?

Die große Frage ist: was passiert im September? Laut Piper Sandler war jedenfalls der August seit dem Jahr 1900 in einem US-Wahljahr immer der stärkste Börsenmonat. Speziell unter einem republikanischen Präsidenten. Der September war traditionell immer schwach. Der Oktober sei immer relativ neutral, November und Dezember dagegen wieder stärker. Johnson spricht auch eine Börsenwahrheit aus, die besonders in diesem Wahljahr viele Menschen vor dem Hintergrund der aktuellen Unruhen nicht gerne hören werden: Aber die Börse hat lieber einen Republikaner als Präsidenten als einen Demokraten.

„Wenn es näher in Richtung Wahl geht und Biden und die Demokraten in den Umfragen ihren Vorsprung ausbauen sollten, dann werden die Leute nervös werden“, sagt Johnson. Anleger könnten dann Aktien verkaufen und Gewinne mitnehmen, weil sie dann höhere Steuern auf ihre Gewinne im nächsten Jahr befürchten, so Johnson. „Die Demokraten wollen Krankenversicherung für alle und gratis Colleges. Um diese Versprechen einzuhalten, müssten sie die Steuern erhöhen.“

Zurück zum September. Historisch gesehen verlieren Aktien von kleineren und mittleren Unternehmen laut Johnson im September bis zu acht Prozent, Aktien größerer Unternehmen dagegen nur halb so viel. Der Experte würde das aber als reine Korrektur im Zusammenhang mit einem längerfristigen Aufwärtstrend sehen.

So oder so: Für Spannung ist gesorgt. Etwa mit dem aktuellen Aktiensplit bei Apple und Tesla. Mit der Teilung wirken diese Mega-Aktien optisch billiger und könnten weitere Anleger anziehen. Das große Event diese Woche sind die neuesten US-Arbeitslosenzahlen, die am Freitag verkündet werden. Sie sind die Schlüsselzahlen für die US-Wirtschaft und die Börse.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.