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Wirtschaft
06/04/2019

Heftige Millionenpleite eines Maschinenbauers

Asiatische Billig-Konkurrenz soll zu einem erheblichen Umsatzeinbruch geführt haben. Noch weitere Pleite im Konzern.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

„Das schuldnerische Unternehmen beabsichtigt den Betrieb den geänderten Marktverhältnissen entsprechend neu auszurichten. So soll insbesondere der Zukauf von Maschinenkomponenten auf einen asiatischen Kooperationspartner ausgelagert werden, sodass man sich in erster Linie auf die Fort- bzw. Weiterentwicklung von Lackdrahtmaschinen sowie den Vertrieb und die Projektabwicklung konzentrieren will“, heißt es im Insolvenzantrag. „Das wird auch eine Personalreduktion zur Folge haben.

Die MAG – Maschinen und Apparatebau Aktiengesellschaft mit dem Sitz in Deutschlandsberg, Wirtschaftspark, hat am Landesgericht für ZRS Graz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände AKV und Creditreform dem KURIER. Laut Creditreform sind 30 Mitarbeiter betroffen.

 

Sir Francis Heath Privatstiftung

Zugleich wurde auch über die zum Konzern gehörige Eldra Elektrodraht-Erzeugung GmbH, kurz, Eldra, welche am selben Standort tätig ist, ebenfalls ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Detaiul am Rande: MAG gehört mehrheitlich der Sir Francis Heath Privatstiftung. Stifter sind die Familien Hans-Georg und Margaretha Fuchs sowie Barbara, Gerald und Gertraud Pascher.

MAG nimmt von den Schwestergesellschaften P & F Maschinenbau und Elektrodraht-Erzeugung GmbH (Eldra) Personalleistungen in Anspruch. Über die Schwestergesellschaft AME GmbH wurde bereits im August 2018 ein Insolvenzverfahren eröffnet.

Die Pleiteursachen

Als Insolvenzursachen wird eine verstärkte geographische Marktverschiebung im Elektrogerätebau von Europa und Nordamerika nach Asien angeführt, wobei sich auch die Lackdrahtproduktion zunehmend nach Asien verlagerte. „Am asiatischen Markt treten jedoch zunehmend Produzenten von Billigmaschinen auf und diese geographische Marktverlagerung habe beim schuldnerischen Unternehmen zu einem massiven Umsatzrückgang in der Höhe von 30 Prozent geführt“, heißt es weiter. Heuer ist der Auftragseingang fast zum Erliegen gekommen. In den ersten vier Monaten gab es bloß einen Auftrag (500.000 Euro).

Schulden und Vermögen

Die Verbindlichkeiten sollen einschließlich der Eventualverbindlichkeiten 11,742 Millionen Euro betragen, davon entfallen 7,352 Millionen Euro auf Finanzierungsverbindlichkeiten, 1,682 Millionen Euro auf Lieferverbindlichkeiten und 872.000 Euro auf Rückstellungen.

Die Aktiva (Buchwerte) sollen rund 10,8 Millionen Euro betragen, im Vermögensstatus erfolgt jedoch eine Abwertung zu Liquidationswerten auf 1,19 Millionen Euro. Die Insolvenzgläubiger sollen eine Quote von 20 Prozent erhalten, zahlbar innerhalb von zwei Jahren vom Tag der Annahme des Sanierungsplans.

Die Zukunft

Das Quotenerfordernis samt Verfahrenskosten wird mit rund zwei Millionen Euro beziffert, davon sollen fünf Prozent bzw 580.000 Euro als Barquote bezahlt werden. Die Quote soll aus dem laufenden Betrieb, aus der Ausweitung der Lieferantenkredite und durch die asiatischen Kooperationspartner finanziert werden. Zugleich sollen einzelne Großgläubiger für ihre Forderungen Rückstehungserklärungen abgeben.