Hattmannsdorfer zu Energie-Krise: "Wir sind auf der sicheren Seite"

Wirtschaftsminister hat angesichts des Iran-Konflikts Task Force eingerichtet, verspricht Versorgungssicherheit und warnt vor Panik.
Hattmannsdorfer zu Energie-Krise: "Wir sind auf der sicheren Seite"

Zusammenfassung

  • Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer versichert trotz Nahost-Konflikt Versorgungssicherheit und warnt vor Panik.
  • Eine Task Force überwacht täglich die Energieversorgung und sieht aktuell keinen Handlungsbedarf.
  • Österreichs Gasspeicher sind gut gefüllt, Lieferketten diversifiziert und Preisanstiege noch moderat im Vergleich zu 2022.

Während Energiepreise durch den bewaffneten Konflikt im Nahen Osten durch die Decke gehen, plädiert Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer für Gelassenheit. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag versichert er: "Wir sind auf der sicheren Seite." Die Versorgungssicherheit des Landes mit Treibstoffen und Erdgas sei gewährleistet. Im Gegensatz zum russischen Angriff auf die Ukraine 2022 bestehe keine Abhängigkeit von Energie aus dem Iran oder anderen Ländern am Persischen Golf, wie etwa Katar.

Task Force analysiert Lage genau

Die Regierung hat eine Task Force eingerichtet, die aus Experten vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO, von der E-Control und vom Lieferketteninstitut ASCII zusammengesetzt ist. Die Task Force werde täglich ein Marktmonitoring vornehmen, unterschiedliche Versorgungsszenarien bewerten, die Entwicklung der Speicherstände beobachten und Transitstörungen analysieren. Die Task Force habe sich bereits mehrmals getroffen. Laut ihrem derzeitigen Wissensstand seien keine unmittelbaren Maßnahmen der Regierung notwendig.

Bei Gas noch sehr große Mengen gespeichert

Der aktuelle Füllstand der heimischen Gasspeicher betrage am Ende der Heizsaison 36 Prozent. Deutschland melde unterdessen 21 Prozent, Frankreich 20 Prozent, die Niederlande 10 Prozent. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern sei das Speichervolumen in Österreich noch dazu sehr groß und übersteigt den gesamten Jahresverbrauch, während das Volumen in Deutschland nur etwa ein Viertel des Jahresverbrauchs decken könne.

Lieferketten sind ausreichend diversifiziert

Bei Öl und Gas habe Österreich mittlerweile sehr differenzierte Lieferketten, so Hattmannsdorfer. Bei Erdöl können 10 Prozent des Verbrauchs aus heimischer Förderung gedeckt werden. Der Rest komme hauptsächlich aus Kasachstan, Libyen und Saudi-Arabien. Nur ein kleiner Teil käme durch die vom Iran blockierte Straße von Hormus nach Österreich.

Preisanstiege sind noch nicht so hoch wie 2022

Schwerwiegender als die reale Versorgung sei für Österreich die Preisentwicklung bei Öl und Gas, die international erfolge, sagt Harald Oberhofer vom WIFO, der Teil der Task Force ist. "Preisunsicherheiten gibt es bei Kriegen immer. Wir können aber von keiner Versorgungskrise sprechen." Der Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent liege derzeit bei 82 Dollar. Das entspreche in etwa dem Stand im Jänner 2025. Von Preisen bis zu 120 Dollar, wie sie durch die russische Invasion der Ukraine 2022 entstanden, sei man weit entfernt.

Sperre der Straße von Hormus ist nicht vollständig

Der Iran bemühe sich laut Oberhofer zwar, das weltweite Angebot zu senken. Die Blockade der Straße von Hormus sei aber nicht vollkommen. Einige Tanker, vor allem jene, die Richtung China unterwegs sind, seien weiterhin unterwegs. Westliche Reedereien hätten ihre Schiffstransporte hauptsächlich eingestellt, weil die Versicherungsdeckung fehle. Das militärische Risiko sei eher zweitrangig. Die USA seien wohl aufgrund der kommenden Midterm Elections stark daran interessiert, keine Verknappung bei Energie und damit steigende Inflation zu riskieren. Und auch China verabscheue steigende Energiepreise stark.

Krisenmechanismus noch in weiter Ferne

"Es ist eine wahnsinnig dynamische Situation, aber es bedarf Gelassenheit. Man muss abwarten, wie sich die Situation in den kommenden Tagen oder Wochen entwickelt", so Oberhofer. Eine Aktivierung des heimischen Energiekrisenmechanismus sei noch in weiter Ferne. Mehrere Voraussetzungen müssten erfüllt werden, damit die Regierung zeitlich begrenzt Strom für 10 Cent netto für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung stellt.

Tankstellen unter genauer Beobachtung

Treibstoffpreise an Tankstellen will Hattmannsdorfer in den nächsten Tagen "besonders streng überwachen". Dabei soll genau beobachtet werden, ob die Preisentwicklung bei Benzin und Diesel ausschließlich Marktverwerfungen zuzuordnen ist oder auch andere Motive dahinter stecken.

Kommentare