Was der Angriff auf den Iran für die Ölversorgung bedeutet

Das drittgrößte OPEC-Land hat eine enorme Bedeutung für die Weltwirtschaft. Lieferausfälle müssen kompensiert werden.
Illustration shows map showing the Strait of Hormuz, Iran and 3D printed oil pipeline

Der von den USA und Israel durchgeführte Angriff auf den Iran könnte die Öl- und Gasförderung im Nahen Osten erheblich stören. Die iranische Energiewirtschaft hat nämlich eine große Bedeutung für die Weltwirtschaft. 

Hier einige Fakten zur iranischen Öl- und Gasindustrie: 

1. Ölproduktion und Infrastruktur

Der Iran ist der drittgrößte Produzent in der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC). Sein Anteil am weltweiten Ölangebot beträgt etwa 4,5 Prozent. Die Förderung beläuft sich auf rund 3,3 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl pro Tag. Hinzu kommen 1,3 Millionen Barrel täglich an Kondensat und anderen Flüssigkeiten.

Die Kapazität der inländischen Raffinerien liegt dem Beratungsunternehmen FGE zufolge bei 2,6 Millionen Barrel pro Tag. Im vergangenen Jahr exportierte das Land dem Analyseunternehmen Kpler zufolge fast 820.000 Barrel Treibstoff täglich, darunter Flüssiggas (LPG). Dies liegt leicht unter dem Niveau von 2024.

Am Samstag gab es erste Meldungen, wonach Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE)  bereits in Erwartung möglicher Lieferausfälle durch den am Samstag begonnenen Militärschlag ihre Exporte erhöht hätten. In welchem Ausmaß dürfte bei einem Treffen am Sonntag entschieden werden.

2. Die Ölpreise steigen

Aufgrund des zu erwartenden Angriffes waren die Ölpreise bereits in den vergangenen Tagen gestiegen. Am Freitag erreichte der Preis für die Sorte Brent mit 73 Dollar je Barrel den höchsten Stand seit Juli 2025.   

3. Export über Straße von Hormuz

Die Öl- und Gasförderanlagen des Iran konzentrieren sich auf die südwestlichen Provinzen: Khuzestan für Öl und Bushehr für Gas und Kondensat aus dem Gasfeld South Pars. Der Iran exportiert 90 Prozent seines Rohöls über die Insel Kharg. Von dort wird es durch die Meerenge von Hormuz verschifft. Sie gilt in jedem Konflikt als heikles Nadelöhr für die Ölversorgung.

4. China ist Hauptabnehmer vom iranischen Öl

Hauptabnehmer von iranischem Rohöl sind private chinesische Raffinerien. Das US-Finanzministerium hat gegen einige von ihnen Sanktionen wegen des Kaufs von iranischem Öl verhängt. China erklärt, einseitige Sanktionen gegen seine Handelspartner nicht anzuerkennen. Die Käufe von iranischem Rohöl sind jedoch zurückgegangen.

Der Iran versucht zudem, seine Lagerbestände vor möglichen US-Angriffen zu schützen. Daten von Kpler vom 27. Februar zufolge lagert das Land eine Rekordmenge von rund 200 Millionen Barrel Öl auf Schiffen. Dies entspricht etwa dem weltweiten Verbrauch von zwei Tagen.

Der Iran umgeht seit Jahren Sanktionen. Dazu werden etwa Öl auf See von einem Schiff auf ein anderes umgeladen, die Herkunft des Öls verschleiert oder die Standorte von Tankern manipuliert.

5. Größte Gasreserven der Welt

Der Iran fördert Erdgas aus dem Offshore-Gasfeld South Pars. Dieses macht etwa ein Drittel des weltgrößten Erdgasvorkommens aus. Der Iran teilt sich das Vorkommen mit dem wichtigen Exporteur Katar, der sein Feld North Dome nennt.

Aufgrund von Sanktionen und technischen Beschränkungen ist der größte Teil des von Teheran in South Pars geförderten Gases für den heimischen Verbrauch bestimmt. Die gesamte Gasproduktion des Iran belief sich 2024 auf 276 Milliarden Kubikmeter. Davon wurden 94 Prozent im Iran verbraucht.

Israelische Angriffe im Juni des vergangenen Jahres trafen mehrere Bereiche von South Pars. Diese liegen rund 200 Kilometer von den Gasanlagen Katars entfernt. Viele dieser Anlagen sind Gemeinschaftsunternehmen mit den US-Energiekonzernen ExxonMobil und ConocoPhillips.

Das gesamte Vorkommen enthält schätzungsweise rund 51 Billionen Kubikmeter nutzbares Gas. Dies würde ausreichen, um den Bedarf der ganzen Welt 13 Jahre lang zu decken. Katar hat in knapp drei Jahrzehnten mit dem Export von Flüssigerdgas (LNG) Hunderte von Milliarden Dollar verdient.

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