Spritpreise: Iran-Konflikt könnte Inflation in Österreich anheizen

Auf kurz oder lang könnten hierzulande die Spritpreise steigen, womit auch die Inflation wieder zulegen könnte.
Genol Zapfsäulen für Super 95 und Diesel an einer Tankstelle.

Zusammenfassung

  • Der Konflikt zwischen USA, Israel und Iran treibt Öl- und Gaspreise nach oben und könnte die Inflation in Österreich um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte erhöhen.
  • Eine längere Eskalation und die Blockade der Straße von Hormuz gefährden die Energieversorgung und könnten die Wirtschaft belasten.
  • Ein geregelter Machtwechsel im Iran und das Ende der Sanktionen könnten Österreichs Wirtschaftswachstum und Handel deutlich steigern.

Der Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran hat sich prompt auf die Öl- und Gaspreise ausgewirkt - und könnte auch die Inflation in Österreich wieder über die Marke von 2 Prozent heben. 

Die Auswirkungen des Nahost-Krieges auf die Weltwirtschaft hängen nicht zuletzt von der Dauer des Konfliktes ab, sind sich die Ökonomen des Wirtschaftsförderungsinstituts (Wifo) und des Instituts für Höhere Studien (IHS) einig. 

Von einem Machtwechsel würde auch Österreich profitieren.

Die Ölpreise sind um rund 10 Prozent gestiegen. "Ich habe eigentlich mehr erwartet", merkte Sebastian Koch vom IHS dazu an. Der Gaspreis kletterte um rund 20 Prozent in die Höhe. Aber auch der Preis für Gasoil ist um bis zu 20 Prozent gestiegen - für den Ökonomen der wichtigere Aspekt. Dadurch würden über kurz oder lang auch die Spritpreise steigen - und damit Österreichs Inflation um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte steigen lassen.

Damit reagierten die Öl- und Gasmärkte auf die Angriffe von der USA und Israel auf den Iran. Mit der Schließung der Seeroute durch die Straße von Hormuz blockiert der Iran den Transport von rund 20 Prozent der weltweiten Produktionsmenge. Die Ölexporte von Irak, Kuwait, Saudi-Arabien gehen über diesen Seeweg. Aber auch der Iran, selbst kein großer Ölförderer, ist auf dieses Nadelöhr im Persischen Golf angewiesen, um sein Öl nach China zu exportieren. Schifffahrtsdaten zeigen, dass rund 150 Tanker vor Anker gingen.

Niedriger Ölpreis als "Wahlzuckerl"

Bei einem längeren Konflikt könnte es jedoch Bestrebungen geben, für einen niedrigeren Ölpreis zu sorgen - sei es über eine höhere Produktion oder über die Reserven. Vor den "Midterm-Wahlen" in den USA könnte die US-Regierung unter Präsident Donald Trump bemüht sein, die Treibstoffpreise zu senken, gab Koch im Gespräch mit der APA zu bedenken.

Zwar könne die Dauer des derzeitigen Konfliktes nicht abgeschätzt werden, aber im Juni vergangenen Jahres dauerte er rund 2 Wochen und die Ölpreise haben sich rasch wieder normalisiert, merkte Josef Baumgartner vom Wifo gegenüber der APA an. "Allerdings ging es damals darum, die Herstellung von Atombomben zu verhindern", sagte Baumgartner. Aktuell gehe es jedoch um einen Machtwechsel. Je länger der Iran bombardiert werde, desto größer seien die Schäden an der Infrastruktur, ergänzte Baumgartner.

Allerdings gebe es mit den Mullahs und den Revolutionsgarden Kräfte im Iran, die einen Machtwechsel verhindern möchten, sagte Baumgartner. Sollte es jedoch zu einem geregelten Machtwechsel in dem Land mit rund 93 Millionen Einwohnern kommen, würden die EU und vor allem Österreich wirtschaftlich profitieren, so das Ergebnis einer Studie von Ökonomen des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) rund um den Iran-Experten Mahdi Ghodsi und Wifo-Direktor Gabriel Felbermayer. 

Sollten die Sanktionen wegfallen, gebe es ein großes wirtschaftliches Potenzial, so wiiw-Ökonom Mahdi Ghodsi. "Mehr Handel, niedrigere Energiepreise und eine effizientere internationale Arbeitsteilung brächten für Europa deutliche Wohlstandsgewinne", gab der Ökonom in einer Aussendung zu bedenken. Neben den günstigeren Energiepreisen könnte ein Machtwechsel auch den Inflationsdruck in Europa dämpfen. Allerdings handle es sich dabei um ein "Best-of"-Szenario, gab Baumgartner zu bedenken.

BIP-Wachstum um bis zu 0,7 Prozent möglich

Alleine die Aufhebung der EU-Sanktionen könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Iran um mehr als 80 Prozent steigen lassen, geht aus der Studie hervor. Damit würde das BIP in der EU um 0,3 Prozent und in Österreich um 0,5 Prozent steigen. "Österreich ist traditionell stark im Anlagen- und Maschinenbau, in der Bauwirtschaft, bei Verkehrsinfrastruktur oder in der Wasseraufbereitung und Umwelttechnik", begründet Ghodsi, warum Österreich in diesem Szenario deutlich besser abschneidet als die EU. "Das sind alles Bereiche, in denen der Iran einen enormen Aufholbedarf hat. Zudem zählte Österreich schon bisher zu den größten Exporteuren von Medikamenten und Medizintechnik in den Iran." Bisher spielte der Iran für Österreichs Außenhandel kaum eine Rolle: Exportierte Österreich 2016 noch Waren im Wert von 276 Mio. Euro in den Iran, waren es 2024 nur mehr 118 Millionen. Die Einfuhren gingen von 100 Mio. Euro im Jahr 2016 auf knapp 10 Mio. Euro zurück.

Sollte sich die Arbeitsproduktivität an Länder wie die Türkei oder Südkorea annähern, so könnte das iranische BIP um 240 bis 390 Prozent steigen, geht aus der Studie hervor. Für die EU bedeute dies einen Wohlstandsgewinn von bis zu 0,7 Prozent.

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