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Interview
12/06/2021

Harald Mahrer: "Als würd’ man sich in beide Knie schießen"

Es sei nicht zu rechtfertigen, warum der Tourismus nicht gleichzeitig mit dem Handel aufsperrt, findet der Wirtschaftskammer-Präsident.

von Simone Hoepke

Es könne nicht sein, dass sich die Politik im Hinterkammerl bei zwei G’spritzen eine bessere Lösung für einzelne Branchen ausverhandelt, wettert Mahrer.

KURIER: Tirols Landeshauptmann will, dass am 13. Dezember der Lockdown für alle beendet ist, andere Amtskollegen sprechen sich für eine schrittweise Öffnung aus, wieder andere wollen vorerst gar nichts dazu sagen. Was ist realistisch?

Harald Mahrer: Ich verstehe die unterschiedlichen Meinungen, aber wir haben eine einheitliche Lösung eingefordert, weil es ja sachliche Argumente geben muss. Mir konnte niemand erklären, wie man sachlich argumentieren kann, dass eine Branche öffnet und die andere nicht. Alle – vom Handel bis zum Hotel und Friseur – haben schon bewiesen, dass sie mit Sicherheitsmaßnahmen gut geöffnet sein können. Wir haben überhaupt nicht verstanden, warum sie wieder zusperren mussten.

Um die Kontakte zu beschränken?

Ja, aber die Brachen selber haben ja nicht für Clusterbildungen gesorgt, im Gegenteil. Die Hotels haben Goldstandard geliefert, indem sie 2-G und einen PCR-Test von den Gästen gefordert haben. Das gibt es international nirgends. Deswegen ist man als Politik jetzt gut beraten, aufzusperren. Man hat es versprochen. Und zweitens, nicht zwischen den Branchen zu unterscheiden, weil es keine sachliche Grundlage dafür gibt. Wenn der Eindruck entsteht, dass es eine Art politischen Kuhhandel ist, dass der eine mehr als der andere bekommt, geht das politische Vertrauen verloren. Vertrauen bekommt man nur zurück, wenn man logisch und stringent agiert.

Touristiker und Zulieferer haben offenbar längst das Vertrauen verloren und lobbyieren jetzt hektisch für die Öffnung am 13. Dezember ...

Ich verstehe deren Unmut. Sie fordern zu Recht eine sachliche Lösung ein. Was würde die österreichische Politik für ein Signal aussenden, wenn man den Handel aber nicht die Hotels aufsperrt? Das erweckt im Ausland den Eindruck, dass unsere Hotels nicht sicher sind. Das ist, als würde ich mir in dieser schwierigen Situation in beide österreichischen Tourismusknie schießen.

Sie haben neulich gefordert, „lassen wir doch die Profis machen“. Waren bisher im Pandemie-Management keine Profis am Werk?

Zu wenig. Habe ich ein komplexes Projekt und einen Werkzeugkasten mit vielen Werkzeugen, ist es eigenwillig, wenn ich nur den kleinsten Schraubenzieher und im Fall des Falles den Holzhammer des Lockdowns verwende. Das Ärgernis ist groß, wenn man im Winter wieder in den Lockdown muss. Ich glaube, das verstehen die Menschen auch nicht. Ich will mich jetzt nicht mehr über die Vergangenheit echauffieren, aber wir müssen es jetzt schneller und besser machen.

Wäre es so ein Drama, erst am 17. Dezember aufzusperren?

Gibt es ein sachliches Argument dafür? Ich hab keines gehört. Ich will, dass die Menschen in Österreich auf Basis einer Sachentscheidung behandelt werden. Und nicht, weil sich die Politik in einem Hinterkammerl bei zwei Spritzern etwas für einzelne Branchen ausgemacht hat. Will ein Unternehmer später aufsperren, kann er das tun.

Touristiker monieren, dass sie ihre Gäste kontrollieren, während Shoppingcenter einfach aufsperren und die Kunden hereinströmen lassen. Würden hier strengere Kontrollen Sinn machen?

In den Öffis dicht an dicht zusammenzustehen ist wohl gefährlicher als schnell ein Buch zu kaufen. Macht das Sinn? Wie machen das andere Länder? Die Schweiz hatte im vorigen Winter einen normalen Tourismus, zumindest für die Einheimischen. Sie hatten nur Einbrüche von 50 Prozent, während wir durch unkluge Entscheidungen der Politik einen Totalausfall hatten. Hotels und Seilbahner in Österreich haben sich zu 2-G verpflichtet, sicherer geht es nicht. Der Vergleich mit dem Handel hinkt, er hat eine andere Situation und andere Frequenzen.

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